Frick

Asyldorf: Einwohner verärgert über «schlechte Informationspolitik»

Die Bevölkerung von Frick erfuhr aus den Medien vom geplanten Asyldorf im alten A3-Werkhof. Einige sind deswegen verärgert. Sie kritisieren aber nicht etwa den Kanton, sondern ihren eigenen Gemeinderat.

Andreas Tscheulin, SVP, ist enttäuscht. Die Nachricht, dass im ehemaligen A3-Werkhof in Frick ein temporäres Asyldorf mit 60 Ikea-Häusern für 300 Flüchtlinge geplant ist, erfuhr er am letzten Donnerstag – wie alle (Fricker) – aus den Medien. «Das ist eine schlechte Informationspolitik», ärgert sich der 36-jährige Lokalpolitiker. «Es wäre das Mindeste gewesen, die Bevölkerung von Frick zeitgleich mit den Medien und aus erster Hand zu informieren.» Dieselbe Rückmeldung habe er von «etlichen Leuten», nicht nur aus der SVP; erhalten.

«Es ist ja ziemlich weit weg vom Dorfzentrum»: Der Fricker Gemeindeammann ist zuversichtlich, die Anrainer des Gewerbegebiets reagieren noch etwas skeptisch auf das geplante Flüchtlingsdorf. (30.10.2015)

«Es ist ja ziemlich weit weg vom Dorfzentrum»: Der Fricker Gemeindeammann ist zuversichtlich, die Anrainer des Gewerbegebiets reagieren noch etwas skeptisch auf das geplante Flüchtlingsdorf. (30.10.2015)

Einen Vorschlag, wie das gehen könnte, hat Tscheulin ebenfalls zur Hand: mit einem Flugblatt in alle Haushalte. «Der Gemeinderat von Eiken hat so kürzlich die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Unterbringung von Asylsuchenden aufgerufen, und ich sehe keinen Grund, weshalb dies in diesem Fall nicht gemacht wurde», sagt Tscheulin. Die Flugblattzustellung lasse sich auf den Tag genau terminieren und die Medienkonferenz – sie fand am Mittag im Campus Brugg statt – hätte man einige Stunden früher ansetzen können, um ein «Zeitloch» zwischen Flugblattzustellung und Information zu verhindern.

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

Gemeindeammann Daniel Suter hat für die Forderung wenig Verständnis. «Es ist noch nichts spruchreif, das Projekt steht erst am Anfang. Mit einem Flugblatt wären wir über das Ziel hinausgeschossen. Ein vernünftiger Umgang mit Steuergeldern sieht für mich anders aus.»

«Offen und transparent»

Support bekommt Suter von Balz Bruder, Mediensprecher im Departement Gesundheit und Soziales: «Es wurde darüber informiert, dass eine gemeinsame Planung stattfindet, nicht darüber, dass eine Asylunterkunft eröffnet wird.» Der Kanton habe «offen und transparent» über den aktuellen Stand orientiert, die Information sei «zeit-, sach- und adressatengerecht» gewesen.

Dieser Ansicht ist auch Suter. Für ihn funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinde in diesem Fall mustergültig. «Wir wurden früh mit an Bord geholt und stets miteinbezogen.» Man sei über Zeitpunkt und Inhalt der Medienkonferenz orientiert gewesen und habe so die Verwaltung zeitgleich mit den Medien informieren können. Zudem habe man am Nachmittag ein Communiqué auf der Homepage aufgeschaltet und er sei den Medien den ganzen Tag über Rede und Antwort gestanden. Über den aktuellen Stand werde man die Bevölkerung auch an der Gemeindeversammlung Ende November orientieren.

200 Ikea-Häuser: Wieso fragte der Kanton keinen anderen Anbieter?

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Dass der Gemeinderat nicht an der Medienkonferenz teilnahm (das Angebot hatte er), findet Suter nach wie vor richtig: «Wir sind Bewilligungsinstanz und wollten uns nicht vom Kanton einspannen lassen.» Dass die Medienkonferenz in Brugg und nicht in Frick stattfand, sei «Sache des Kantons», formuliert es Suter diplomatisch, und auch Tscheulin will es nicht werten, sagt jedoch: «Psychologisch wäre es sicher besser gewesen, wenn die Medienkonferenz in Frick über die Bühne gegangen wäre.»

Die Erklärung aus Aarau: Man habe die Medienkonferenz in Brugg durchgeführt, weil hier gleichzeitig die schweizerische Bevölkerungsschutzkonferenz durchgeführt wurde. «Die ‹Shelters for Refugees› haben einen direkten Bezug zum Bevölkerungsschutz, weil sie für sämtliche Schutzsuchenden – auch andere als Asylsuchende – wertvolle Dienste leisten können.»

Klar ist für Suter, dass auch künftig der Lead in Sachen Informationen über das geplante Asyldorf beim Kanton liegt. «Er ist Bauherr und steht deshalb in der Informationspflicht.» Man werde als Bewilligungsbehörde jene Ergänzungen anbringen, die man für nötig erachte.

Balz Bruder verspricht: «Die Bevölkerung wird zum Zeitpunkt, da die Planungen einen Stand erreicht haben, der sowohl in Bezug auf die Einreichung des Baugesuchs als auch hinsichtlich der abzuschliessenden Vereinbarung mit der Gemeinde solide ist, in aller Breite und Tiefe informiert». Dabei werde es insbesondere um die Konzepte zur Unterbringung, Betreuung, Beschäftigung, Sicherheit und Verkehr gehen. Tscheulin ist gespannt. Für ihn steht fest: «Die Informationspolitik kann nur besser werden.»

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