Fricktal
Asyl-Quoten: Gemeinden haben reagiert – und sparen viel Geld

Die Gemeinden haben die Asylkapazitäten ausgebaut – und kommen so um die teure Ersatzabgabe herum.

Thomas Wehrli
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Die Gemeinden versuchen, wenn immer möglich die Asylsuchenden in eigenen Liegenschaften unterzubringen. Symbolbild: Roland Schmid

Die Gemeinden versuchen, wenn immer möglich die Asylsuchenden in eigenen Liegenschaften unterzubringen. Symbolbild: Roland Schmid

Roland Schmid

Der Wink mit der Finanzkeule hat gewirkt: Die 13 der 32 Fricktaler Gemeinden, die Mitte Jahr die Asylquote noch nicht erfüllt hatten, haben inzwischen eine Lösung gefunden. Sie kommen damit um die Ersatzabgabe an den Kanton von 110 Franken pro Tag und nichtaufgenommenen Asylsuchenden herum. Eine Umfrage der az unter den Gemeinden zeigt: Drei Strategien gab es bei der Lösungssuche.

Der Kapazitätsausbau. Wer konnte, baute die Platzkapazitäten aus oder mietete zusätzliche Wohneinheiten an. Möhlin ging so vor. Die Gemeinde erhielt vom Kanton im August eine Zuweisungsverfügung für zwei zusätzliche Personen. Diese Verfügung basiert auf der Aufnahmepflicht per 1. Juli (neuere Zahlen liegen noch nicht vor). Demnach muss Möhlin 42 Asylsuchende aufnehmen, hatte aber per Ende Juni «nur» 40 Personen einquartiert. «Wir haben nun eine zusätzliche Wohnung angemietet», erklärt Gemeindeschreiber Dieter Vossen. «Wir sind froh, dass wir damit die Quote wieder erfüllen und keine Ersatzabgabe zahlen müssen.»

Auch in Gansingen reagierte man auf das Schreiben des Kantons, dass die Gemeinde fünf statt vier Asylsuchende aufnehmen muss, indem man auf die Suche nach zusätzlichem Wohnraum ging. «Wir konnten eine Haushälfte in einem Zweifamilienhaus anmieten, in der wir nun derzeit zwei Asylsuchende und ab kommender Woche vier Asylsuchende unterbringen», sagt Gemeindeschreiberin Patricia Bur. «Zusätzlich zu den bereits vier aufgenommenen haben wir dann in Gansingen acht Asylsuchende.»

Gemeinden spannen zusammen

Der Einkauf. Wer die Kapazität nicht ausbauen konnte, schaute, ob er sich bei einer anderen Gemeinde «einkaufen» kann. Das machte etwa Zeiningen, das zehn Asylsuchende aufnehmen muss, aber nur fünf in der eigenen Gemeinde unterbringen kann. Für die anderen fünf Plätze habe man, so Livia Grossmann, Gemeindeschreiber-Stellvertreterin, einen Vertrag mit einer anderen Gemeinde abgeschlossen. Das kostet zwar auch, kommt aber doch deutlich günstiger, als wenn die Gemeinde dem Kanton die Ersatzabgabe berappen müsste. Eine ähnliche Lösung ging Wölflinswil ein. Im alten Gemeindehaus, das zur Asylunterkunft umgebaut wurde, leben vier Asylsuchende. Neu muss die Gemeinde jedoch fünf Personen aufnehmen. In der Nachbargemeinde Oberhof dagegen, die drei Personen aufnehmen muss, leben derzeit sechs Asylsuchende. Man hilft sich aus – gegen ein Entgelt.

Die kantonale Lösung. Den grössten Unterbestand hat Rheinfelden. Aktuell leben 34 Asylsuchende in Rheinfelden – 46 sollten es sein. Dennoch muss die Stadt keine Ersatzabgabe zahlen. Denn: «Wir führen derzeit Gespräche mit dem Kanton, dass dieser das ehemalige Altersheim Kloos als Unterkunft anmietet», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. Darin könnten rund 30 Asylsuchende – voraussichtlich unbegleitete minderjährige Asylsuchende – untergebracht werden. Erdin ist zuversichtlich, dass man sich einigt, und rechnet damit, dass die ersten Asylsuchenden «Anfang 2017» im Kloos einziehen werden. Auch Frick muss sich um die nichterfüllte Quote (17 statt 20) keine Sorgen machen. Wohl noch im November eröffnet der Kanton das Asyldorf im ehemaligen A3-Werkhof. Bis zu 180 Asylsuchende werden hier leben; die Quote ist damit mehr als erfüllt.

Für Frick ist sie es auf lange Zeit. Andere Gemeinden hingegen, die die Quote nur knapp erfüllen, müssen sich Gedanken machen, was sie tun, wenn die Asylquote weiter steigt. Ob sie das tut, ist offen und hängt primär von der Entwicklung der Flüchtlingsströme ab. «Was in sechs Monaten sein wird, kann niemand wissen», sagt Erdin.

Wer kann, hat deshalb vorgesorgt und sich eine Reserve geschaffen. Schupfart etwa, das die Asylunterbringung im Verbund mit Mumpf löst. Die beiden Gemeinden müssen zusammen neu neun Personen aufnehmen (eine mehr als Mitte Jahr). Die Liegenschaft in Schupfart bietet Platz für bis zu 12 Personen. «Wir haben also noch Platz, sollten die Zuweisungen erhöht werden», sagt Gemeindeammann Bernhard Horlacher.

Ähnlich tönt es in Wallbach, Gipf-Oberfrick oder bei der Verwaltung 3plus. Bözen, Elfingen und Hornussen regeln die Aufnahmepflicht gemeinsam. Aktuell müssen die drei Gemeinden 8,28 Asylsuchende aufnehmen; 9 leben hier. «Sofern die drei Gemeinden mehr Asylsuchende unterbringen müssten, wäre dies in den vorhandenen Räumlichkeiten möglich», sagt Verwaltungsleiter Markus Schlatter.