Gipf-Oberfrick
Asyl-Podium: «Wir haben kein Hotel und kein abgeschottetes Gefangenenlager»

An einem Podium in Gipf-Oberfrick informierten Fachpersonen aus der Region über die aktuelle Asyl-Situation.

Peter Bircher
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Sie informierten in allen Facetten über die aktuelle Asylsituation: Anneliese Seiler,Marianne Bühlmann und Eduard Ernst (v.l.). Peter Bircher

Sie informierten in allen Facetten über die aktuelle Asylsituation: Anneliese Seiler,Marianne Bühlmann und Eduard Ernst (v.l.). Peter Bircher

Peter Bircher

Am Samstag informierten im Regos-Schulhaus Gipf-Oberfrick auf Einladung von «Frauen und Politik im Fricktal» Marianne Bühlmann, Lehrerin der Einschulungsvorbereitungskurse (EVK) für die Vorbereitung der Asyl-Kinder auf die öffentliche Schule, und Anneliese Seiler, CEO des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), über die aktuelle Situation im Asylwesen.

Der dritte Referent war Eduard Ernst, seit 20 Jahren als Schulleiter und Vertreter der Sektion Asyl beim Kantonalen Sozialdienst tätig.

Er äusserte markante Sätze: Die Zuweisungen werden fremdbestimmt. Die Entwicklung findet ausserhalb der Schweiz statt. Die Prognosen sind schwierig. Die Auswirkungen der momentanen Völkerwanderung nach Europa sind für die Schweiz ungewiss. Eine Entschärfung ist nicht absehbar. Die Flüchtlingsrouten verändern sich dauernd. Immerhin, der Bund stellt vermehrt eigene Unterkünfte zur Verfügung. Er ist aber auf die Mitwirkung der Gemeinden und Kantone zwingend angewiesen.

10 Franken für Essen und Sackgeld

Asyl im Aargau: Das sind die Zahlen

Aktuell sind im Aargau 1439 Asylsuchende (N-Ausweis), 1228 mit F-Ausweis, also vorläufig Aufgenommene, und 300 sind als Ausreisepflichtige registriert. 71 kantonale Unterkünfte stehen bereit, wovon zwei Erstaufnahmezentren mit 108 Plätzen. Die Auslastung aller Unterkünfte liegt bei 107 Prozent. (bi)

Die Verteilquote für den Aargau liegt bei 7,7 Prozent nach einem bewährten Verteilschlüssel des Bundes. Im Aargau sind die Sozialhilfeleistungen 20 Prozent niedriger als bei schweizerischen Sozialhilfeempfängern. Sie betragen unter Anrechnung der Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Toiletten- und Haushaltartikel, Kleidung, Taschengeld, Gesundheitsversorgung und Betreuung rund 1200 Franken pro Person und Monat. Für Verpflegung und Taschengeld werden 10 Franken pro Tag bereitgestellt, was zur Folge hat, wie Anneliese Seiler am Beispiel der Unterkunft im Gops beim Spital Laufenburg erläuterte, dass Essen einkaufen, Kochen oder Reinigung durch die Asylsuchenden selber bewerkstelligt werden muss. «Wir haben in Laufenburg kein Hotel und kein abgeschottetes Gefangenenlager.»

Die unterirdische Unterkunft bedingt, dass die Flüchtlinge sich auch im begrenzten Rayon im Freien aufhalten können. Zudem werden Container aufgestellt. Seiler betont die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Laufenburg sowie dem Kanton. Praxis- und lebensnahes Lernen

Kinder, die mehr wissen wollen

Marianne Bühlmann ist als Lehrerin im Einschulungsvorkurs im Siggenthal tätig. Die Kinder sind zwischen 6 bis 16 Jahre alt, in einem bunt gemischten, lebensoffenen und stark praxisorientierten Kurs. Der Kurs gilt der Abklärung der Lese-Sprech- und Schreibkompetenz. Dann geht es um den Spracherwerb in Deutsch und die Mathematik. Bühlmann spricht von viel praxisbezogenen Arbeiten und von strahlenden, fröhlichen Kindern. Kinder, die mehr wissen wollen. Die Bilder, welche sie vom Kursalltag aufzeigt, bilden geradezu einen scharfen Kontrast zur von Not und Flucht geprägten Flüchtlingswelt. Die Kinder scheinen hier regelrecht aufzutanken, oft auch zusammen mit ihren Begleitpersonen.

Eine breite Fragerunde folgte den drei Referaten. Sie zeigte an diesem sehr gut besuchten Anlass eine hohen Sensibilität über Fragen der Integration, Arbeitsmöglichkeiten, Hilfeleistung, die Vernetzung zu den Gemeinden und Sozialdiensten. «Es ist und bleibt eine bewegende Sache, deren Ende wir nicht absehen können und die uns alle herausfordert», betonten Alice Liechti, Wölflinswil, und Regine Leutwyler, Gipf-Oberfrick, welche in der Vorbereitung dieses Anlasses mitwirkten.