Die Waschküche in der kantonalen Asylunterkunft in Laufenburg ist eng und fensterlos, die Tür plötzlich abgeschlossen, der Schlüssel weg. Einer der beiden anwesenden Asylsuchenden nähert sich der Betreuerin, legt seinen Arm um ihre Schulter, fasst sie an den Hüften an, als sie sich losreisst, greift ihr an die Brüste.

Die Frau wehrt sich, schiebt den jungen Sudanesen weg, findet den versteckten Schlüssel unter einem Wäschestapel und flüchtet. So schilderte die Betreuerin den Vorfall von jenem Januarnachmittag gegenüber Polizei und Staatsanwaltschaft. Am Dienstagnachmittag trafen sich Täter und Opfer vor dem Bezirksgericht Laufenburg wieder.

Prozess: Asylbewerber belästigte Aufseherin

Prozess: Asylbewerber belästigte Aufseherin

Er soll in der Asylunterkunft in Laufenburg versucht haben, eine Betreuerin zu vergewaltigen. Der Asylbewerber aus dem Sudan musste sich am Dienstag vor Gericht verantworten. «Tele M1» war an dem Prozess, das Urteil stand bis Redaktionsschluss vor der News-Sendung aber noch aus.

Todesangst habe sie in diesem Moment empfunden, sagte die Betreuerin, die seit dem Vorfall arbeitsunfähig ist, während des Prozesses. «Mir ist der Gedanke durch den Kopf: Wenn ich jetzt panisch werde, bin ich verloren.»

Belastend sei hinzugekommen, dass der zweite Asylsuchende im Raum war. «Er hat sich amüsiert und gelacht, weil er gesehen hat, wie ich Angst bekam.»

So berichtete TeleM1 Anfang Februar: Hat ein Asylbewerber seine Betreuerin vergewaltigt?

So berichtete Tele M1 Anfang Februar: In Laufenburg soll ein Asylbewerber versucht haben, sich an einer Betreuerin zu vergehen.

Der Staatsanwalt sprach von einem Hinterhalt: «Nur durch puren Zufall hat sie den versteckten Schlüssel entdeckt und ist der Vergewaltigung gerade noch entkommen.» Er forderte einen Schuldspruch wegen versuchter Vergewaltigung und zwei Jahre Freiheitsstrafe, die Hälfte davon bedingt.

Uneinigkeit über das Alter

Der Angeklagte, klein, feindgliedrig, kurz geschorene Haare, wehrte sich mit leiser Stimme gegen die Vorwürfe. Den Blick nach unten gerichtet, die Hände gefaltet, sagte er zum Übersetzer: «Ich bin unschuldig und es ist unfair, dass ich ins Gefängnis muss.» Nach der Tat sass er erst in Untersuchungs-, später in Sicherheitshaft; zwei Polizisten bringen ihn ins Gerichtsgebäude. Der Angeklagte gab zwar zu, die Tür abgeschlossen zu haben, er habe dies aber nur getan, weil dies so Vorschrift gewesen sei. Den Schlüssel habe er aufgehängt und der Betreuerin gezeigt, als diese danach gefragt habe. Von der Gerichtspräsidentin mit früheren abweichenden Schilderungen – beispielsweise: der Schlüssel habe in der Tür gesteckt – blieb der junge Mann bei seiner Aussage.

Unklarheit herrschte vor Gericht auch über das Alter des Angeklagten. Während dieser selbst von 16 Jahren sprach, geht die Staatsanwaltschaft von 19 Jahren aus. Ein Gutachten kam zum Schluss, er sei über 18 Jahre alt. Darauf angesprochen, antwortete er: «Das ist falsch.» Wiederholt beteuerte der Angeklagte seine Unschuld, er habe sie nicht berührt oder bedrängt. «Ich bin nicht hierhin gekommen, um Frauen zu belästigen, sondern um Schutz zu suchen», sagte er. Der Verteidiger forderte einen Freispruch, die umgehende Haftentlassung und eine Entschädigung für die Zeit im Gefängnis. «Die versuchte Vergewaltigung lässt sich nicht beweisen.» Sein Mandant habe die Betreuerin keineswegs in eine Falle locken wollen.

Stattdessen deutete der Verteidiger an, das Opfer habe womöglich Probleme mit dunkelhäutigen Menschen und sprach von einer Gruppe Sudanesen, die nicht mehr zu ihr in den Deutschunterricht gegangen sei, weil sie sich von ihr benachteiligt gefühlt hätten. Der Anwalt der Betreuerin wies diesen Vorwurf vehement zurück: «Es geht nicht an, sie vom Opfer zur Täterin zu machen und sie als mögliche Rassistin zu diskreditieren.»

Das Bezirksgericht vermochte die Darstellung der Verteidigung nicht zu überzeugen. Das Urteil: 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt wegen versuchter Vergewaltigung, bei einer Probezeit von zwei Jahren. «Das Gericht glaubt der Frau, aber nicht, weil sie weiss ist und Sie schwarz sind, sondern aus sachlichen Gründen», sagte Präsidentin Eveline Guggenbühl in der Begründung. Die Situation sei für die Betreuerin bedrohlich gewesen. Nur durch Glück habe sie sich befreien können. Das Verhalten des Angeklagten sei nicht tolerierbar.

Das Gesuch um Haftentlassung heisst das Gericht teilweise gut: Geht bis 9 Uhr keine Beschwerde ein, wird der junge Mann am Mittwochmittag aus der Haft entlassen. Wie es danach weitergeht, ist offen. Sein Asylgesuch ist abgewiesen worden. Den Wegweisungsentscheid ficht der Sudanese an.