Am Mittwoch strahlte das Schweizer Fernsehen einen «Rundschau»-Beitrag mit dem Titel «Assistenzärzte am Limit» aus. Darin wird gezeigt, dass Assistenzärzte in drei Schweizer Kliniken horrende Überstunden leisten müssen – und sie diese dann oft nicht restlos kompensieren können.

Im Gesundheitszentrum Fricktal in Rheinfelden ist das laut Kommunikationsleiterin Miriam Crespo nicht der Fall. Hier werde Wert darauf gelegt, dass die Angestellten Überstunden wenn möglich vollständig kompensieren und sich erholen.

Laut dem «Rundschau»-Beitrag arbeiten Assistenzärzte in der Schweiz bis zu 120 Stunden pro Monat, im Spital Muri gar bis 17 Tage am Stück. Kommen solche Einsätze auch bei Ihnen vor? Sind sie die Regel?

Miriam Crespo: Nein. Bei uns machen die Assistenzärzte zwar auch Überstunden, aber in einem sehr vernünftigen Rahmen. Es ist klar, dass Ärzte lange Arbeitseinsätze haben. Die Arbeitswoche eines Arztes liegt mit 50 Stunden etwas höher. Das ist in diesem Beruf normal und auch mit dem Arbeitsgesetz vereinbar. 

Ärzte-Kampagne für bessere Arbeitszeiten

Die Einsätze sind immer noch lang. Leidet darunter nicht die Qualität?

Die Qualität der Patientenbehandlung hat oberste Priorität bei uns. Wenn ein Assistenzarzt Nachtdienst hat, gibt es verschiedene Rückfallebenen, mit denen man sich besprechen kann. Die erste Ebene ist der Oberarzt, dann gibt es natürlich einen Hintergrunddienst durch leitende Ärzte und Chefärzte. Es kann auch vorkommen, dass man einen Chefarzt mitten in der Nacht aus dem Bett holt.

Die einfachste Lösung wäre: Mehr Personal.

Schweizweit gibt es einen Mangel an qualifizierten Assistenzärzten. Auch die Rotationen bergen Schwierigkeiten. Während ihrer Ausbildung haben die Assistenzärzte immer Verträge mit zeitlich definierter Dauer zwischen einem Spital und dem nächsten. Ausserhalb dieser Zeiten ist es also sehr schwer, jemanden kurzfristig zu finden. Die Fluktuation des normalen Arbeitsmarktes haben wir nicht, wir können nicht jederzeit jemanden rekrutieren. So können wir weniger schnell auf Engpässe reagieren, etwa bei Krankheit und Unfall.

SRF-Rundschau "Ärzte am Limit"

Wie viele Überstunden leisten die Assistenzärzte im Spital Rheinfelden im Schnitt?

Wir haben 33 Assistenzärzte angestellt. 21 davon arbeiten im Spital Rheinfelden, 11 im Spital Laufenburg. Mit Stichtag heute Freitag haben wir einen kumulierten Überstundensaldodurchschnitt zwischen 30 und 40 Überstunden. Das entspricht also nicht einmal einer Arbeitswoche eines Arztes. Und es kann auch sein, dass jetzt jemand kurz vor der Kompensation steht, und daher ein höheres Stundensaldo auf seinem Konto hat. Umgekehrt gibt es auch ein paar Ärzte, die derzeit einen negativen Stundensaldo aufweisen, weil sie gerade fünf Tage am Stück kompensiert haben.

Wie viele Tage arbeiten die Assistenzärzte am Stück?

Im Nachtdienst arbeitet man sieben Nächte am Stück, am Tag hat man frei. Nach einem solchen Einsatz kann man in der Regel im Anschluss drei bis fünf Tage kompensieren. Natürlich können wir nicht kontrollieren, ob sie die Ärzte auch wirklich ausruhen. Aber wir halten alle Verhaltensregeln in unserem Anstellungsreglement fest. Und man ist ja nie ganz allein im Einsatz. In unserem Spital schauen wir schon darauf, dass die Leute ausgeruht und in arbeitsfähigem Zustand zur Arbeit kommen und würden eine Problemsituation auch ansprechen. Im Tagesdienst arbeitet man fünf Tage am Stück, nachts und am Wochenende hat man frei.

Wie können die Assistenzärzte ihre Überstunden kompensieren?

Uns ist wichtig, dass möglichst alle Überstunden kompensiert werden. Deshalb auch die überlappenden Anstellungen: Wenn man während dem Einsatz in einem Spital nicht dazu kommt, alle Überstunden sofort zu kompensieren, kann man das in der Regel im letzten Monat nachholen, wenn der Nachfolger schon da ist. Bei uns wird praktisch nur mit freier Zeit kompensiert, nur ganze selten zahlen wir Überstunden aus. Es ist ja Sinn und Zweck der Kompensation, dass sich die Leute ausruhen, sich genügend erholen und ihr soziales Leben pflegen. Finanzielle Kompensation ist absolut nicht unsere Priorität.