Archäologie
Archäologen legen in Gansingen ein Gehöft aus dem Mittelalter frei

In Gansingen haben Kantons-Archäologen im Dorfkern ein Gehöft freigelegt, das zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert bewohnt war. Bemerkenswert ist, dass die Siedlung auf verschiedenen Geländestufen erbaut wurde – eine neue Erkenntnis für die Forscher.

Janine Müller
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Die Archäologen des Kantons legen die Kalksteinpflasterung, welche die Häuser verband, frei.

Die Archäologen des Kantons legen die Kalksteinpflasterung, welche die Häuser verband, frei.

ZVG/Kanton Aargau/David Wälchli

Es ist ein Sprung zurück in die Vergangenheit, den man zurzeit in Gansingen ganz einfach machen kann: Archäologen des Kantons haben am Laubberg oberhalb des Bürerbachs ein Gehöft aus dem Mittelalter freigelegt. Die Funde stammen aus der Früh- und Hochmittelalterzeit.

Rund 500 Jahre – zwischen dem siebten und dem zwölften Jahrhundert – haben Menschen da gewohnt. Die Archäologen sprechen von einem bemerkenswerten Fund. Und meinen damit nicht an erster Stelle das Gehöft an sich, das freigelegt wurde, sondern die Art und Weise, wie es aufgebaut ist.

Die Gebäude wurden auf verschiedenen Terrassen, also auf unterschiedlichen Geländestufen, erbaut. «Das macht deutlich, dass man auch im frühen Mittelalter eine Art verdichtete Bauweise gekannt hat», sagt Stephan Wyss, Ressortleiter Ausgrabungen der Kantonsarchäologie Aargau. Die Menschen siedelten nicht mehr in der unmittelbaren Nähe des Baches, weil der immer wieder über die Ufer trat. Zwischen den einzelnen Gebäuden lagen ausgedehnte Höfe und Wege, welche mit Kalksteinen gepflastert waren. «In dem Ausmass wie in Gansingen konnte das bisher im Kanton Aargau noch nie beobachtet werden», sagt Wyss.

Hinweis auf das Dorfleben damals

Für die Archäologen ist die Entdeckung in Gansingen eine wichtige Ergänzung der ansonsten dürftigen Quellen aus der Zeit des Frühmittelalters. «Sie gibt neue Erkenntnisse zum Aufbau und Funktionsweise solcher Siedlungsstellen», erklärt Wyss.

Gefunden haben die Kantonsarchäologen auch Fragmente von Kochtöpfen und Specksteingefässen. Sogar Speisereste blieben erhalten: Knochen von Tieren, die man gegessen hatte, aber auch verkohltes Getreide, das gerade weil es verkohlt ist, die Zeit unbeschadet überstanden hat. Geholfen hat dabei auch der lehmige Boden, der das gesamte Gelände zudeckt und so dazu beigetragen hat, die Überreste zu konservieren. Auf dem Gelände gibt es auch Hinweise darauf, dass die Menschen in der Siedlung Eisen bearbeitet haben.

Im 12. Jahrhundert verliessen dann die Menschen – nach Schätzungen der Archäologen waren es zwischen 20 und 30 – den Ort. Die Gründe dafür sind den Archäologen rund um Stephan Wyss noch unbekannt. Es sei gut möglich, dass im weiteren Verlauf der Grabung noch entsprechende Hinweise zum Vorschein kommen werden. Auch die ältesten Fragmente der Siedlung konnten bisher noch nicht gänzlich untersucht werden. Doch es gibt Hinweise, dass auch ein Holzgebäude auf dem Gelände stand.

Die Archäologen werden noch bis Mitte Oktober das Gelände untersuchen, danach soll das Gebiet wie geplant einer Neuüberbauung weichen. Durch die Grabung entstand keine Verzögerung, was den Bauplan dieser Überbauung betrifft.

Grabungsführung für Bevölkerung

2009 stiess man bei Bauarbeiten auf der benachbarten Parzelle auf Hinweise, dass dieses Gebiet schon früher besiedelt war. Darum entschloss man sich, das Grundstück vor der Überbauung zu untersuchen.

Die Erkenntnisse aus den Ausgrabungen wollen die Archäologen mit der Bevölkerung teilen. Darum findet am 3. Oktober eine Führung vor Ort statt. Gezeigt werden die Strukturen im Gelände und Funde von der aktuellen Ausgrabung.

Die Grabungsführung findet am Freitag, 3. Oktober von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr statt. Treffpunkt ist die Baustelle Naglergasse/Hauptstrasse in Gansingen. Die Archäologen empfehlen gutes Schuhwerk.