Möhlin

Archäologen zeigen die Spuren der Geschichte auf

Gemeinderat Markus Fäs, Hobbyarchäologe Werner Brogli und David Wälchli, Grabungsleiter der Kantonsarchäologie, tauschten sich über die Erkenntnisse aus.

Gemeinderat Markus Fäs, Hobbyarchäologe Werner Brogli und David Wälchli, Grabungsleiter der Kantonsarchäologie, tauschten sich über die Erkenntnisse aus.

Die Region im unteren Fricktal war bereits vor über 100'000 Jahren besiedelt. Weitere Erkenntnisse zur Geschichte stellten zwei Bodenforscher der Öffentlichkeit vor.

«Möhlin – das älteste Dorf der Schweiz?» war das Thema des öffentlichen Referats von David Wälchli, Präsident der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde sowie technischer Grabungsleiter der Kantonsarchäologie. Diese These sei natürlich nicht belegbar, meinte der Wissenschaftler, aber dass die Region um Möhlin schon vor 115 000 Jahren besiedelt war, ist durch die Faustkeilfunde in der Zeit der Neandertaler durch den Hobbyarchäologen Werner Brogli auf der Möhliner Höhe gesichertes Wissen.

Seit 30 Jahren leitet Wälchli gemeinsam mit Brogli sowie freiwilligen Bodenforschern archäologische Grabungen in und um Möhlin. Entdeckt wurden dabei einzigartige Fundstellen, durch die viele Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Darüber sprach Wälchli in der Steinli-Aula am Freitagabend. Zu Beginn nahm Gemeinderat Markus Fäs die Zuhörer mit in das heutige Möhlin, in dem 11 061 Einwohnern leben. Er berichtete kurz über politische Eckpunkte, Industrie, Gewerbe, Freizeit und die schmucken Sehenswürdigkeiten. «Urkundlich wurde unser Dorf 794 nach Christus in der schon bestehenden Kirche Melina erwähnt», sagte er. «Doch der Ort ist natürlich wesentlich älter.»

Region war für Jagd gut geeignet

Landschaftlich war die Region schon vor mindestens 40 000 Jahren ein ideales Siedlungsgebiet in den unterschiedlichsten Epochen und Klimaphasen. Der lockere, fruchtbare Lössboden konnte gut mit einfachen Steinhacken und Holzpflügen bearbeiten werden. Dazu kam die ausgezeichnete, keilartige Topografie zwischen dem Eggberg und der Mumpfer Fluh, in der die Wildtierherden kanalisiert und zur Strecke gebracht werden konnten.

Funde am Zeininger Bönistein belegen, dass dort 10 000 Jahre vor Christus die Jäger Schutz fanden, im erodierten Löss auf der Möhliner Höhe wurden etwa 4000 bis 5000 Jahre vor Christus stein- und bronzezeitliche Siedlungen gefunden mit Mahl- und Hitzesteinen. Urnengräber mit Grabbeigaben und Keramik waren versteckt unter den Mauern einer römischen Villa in der Nähe des Schwimmbades. Aus der Eisenzeit, etwa 750 Jahre vor Christus, stammen einmalige Gräber mit Skeletten junger Hasen und Hühnern, wahrscheinlich Opfergaben und Zeichen von Fruchtbarkeitsritualen. In die Bronzezeit werden die Grundmauern eines herrschaftlichen Römerhauses an der Kleematt und eines Getreidespeichers in der Kreuzgasse datiert.

Das römische Imperium hinterliess Münzen sowie die Grundmauern von Wachtürmen. Der Begräbnisplatz einer Sippe am Langacher mit gut erhaltenen Skeletten eines Mannes mit Hiebverletzungen, einer Frau mit Schmuck und eines Kleinkindes stammen aus der Zeit 700 Jahre nach Christus. Grabungen in der Brunnengasse machten dörfliche Strukturen der Galloromanen sichtbar, aus der Zeit des Mittelalters wurden Reste eines Hauses in Holz- und Lehmbauweise gefunden.

«Durch all diese Funde können die Lücken der Jahrtausend alten Geschichte von Möhlin geschlossen werden. Ob es das älteste Dorf in der Schweiz ist, ist dabei nicht wichtig», meinte David Wälchli am Ende seiner Ausführungen.

Meistgesehen

Artboard 1