Grenzach-Wyhlen

Anwohner wehren sich gegen geplante Wasserstoff-Anlage

Der Stromversorger Energiedienst AG plant auf dem Areal des Kraftwerks Grenzach-Wyhlen (bei den drei Pappeln) eine Wasserstoffanlage. zvg

Der Stromversorger Energiedienst AG plant auf dem Areal des Kraftwerks Grenzach-Wyhlen (bei den drei Pappeln) eine Wasserstoffanlage. zvg

Schweizer und deutsche Anwohner wehren sich gegen ein Bauprojekt der Energiedienst Holding AG.

Michael Kempkes und seine Nachbarn sind wenig begeistert ob des Vorzeigeprojekts, das da in der Nähe ihrer Häuser geplant ist: Der Stromversorger Energiedienst möchte auf dem Areal des Wasserkraftwerks Wyhlen eine Wasserstoff-Anlage bauen.

Es handelt sich um ein Projekt der Energiedienst Holding AG und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW). Mit Fördergeldern beteiligt ist auch das Land Baden-Württemberg. In der Anlage soll mittels Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff gewonnen werden. Laut Energiedienst-Sprecher Alexander Lennemann «ein Verfahren, das einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann». Ausserdem soll erforscht werden, wie solche Power-to-Gas-Anlagen künftig effizient wirtschaftlich betrieben werden können.

Widerstand aus der Schweiz

Vor Ort stösst das Projekt aber auf Widerstand: Anwohner wehren sich in einer Bürgerinitiative. Michael Kempkes ist Kopf und Sprecher der Bewegung. Über 300 Unterschriften gegen die Anlage hat Kempkes mit seinen Mitstreitern zusammengetragen. Die Anlage käme Luftlinie keinen Kilometer von Schweizer Boden und Wohnquartieren in Augst (BL) und Kaiseraugst entfernt zu stehen. Fast 50 Unterschriften stammten denn auch von Schweizern, sagt Kempkes. «Das ist ein klares Zeichen, dass sich nicht nur die unmittelbaren Anwohner an der Anlage stören.»

Kempkes ist vor allem die Grösse der Anlage und deren Lage ein Dorn im Auge. Wasserstoff sei in dem Sinne ungefährlich, als dass er sich im Freien sofort verflüchtige. Aber: «In der Anlage sollen mehrere Tonnen Wasserstoff gelagert werden», sagt Kempkes. «Käme es irgendwo in der Verarbeitung oder beim Transport zu einer Explosion, wären mindestens ein paar Scheiben draussen.» Für ihn ist deshalb klar: «Selbst das kleinste Risiko ist zu viel. So eine Anlage gehört in ein Industriegebiet.»

Bei Energiedienst weiss man um diese Ängste. «Wir können nachvollziehen, dass die Anwohner nicht begeistert sind», sagt Alexander Lennemann. Er relativiert aber: «Explosive Gemische soll es in der Anlage nicht geben.» Von den Behörden kriege man ausserdem strenge Auflagen, an die man sich zu halten habe.

Erster Erfolg für Anwohner

Ein Ziel hat die Bürgerinitiative um Michael Kempkes erreicht: Das Genehmigungsverfahren wurde von den Behörden verschärft. So müssen unter anderem auch Explosionstests mit grösseren Mengen Wasserstoff durchgeführt werden. Diese sollen das Gefahrenpotenzial zeigen.

Das begrüsst auch die Gemeinde Kaiseraugst: «Es ist sicher wichtig, möglichst genau zu wissen, ob und welche Gefahren von der Anlage ausgehen könnten», sagt Gemeinderätin Françoise Moser. «So können wir auch allfälligen Ängsten in der Bevölkerung begegnen.» Der Gemeinderat werde sich daher weiter genau über die Planungen ennet des Rheins informieren.

Die Bürgerinitiative hat mit Unterstützung eines Rechtsspezialisten derweil eine Eingabe gegen den Bebauungsplan gemacht. «Im Moment sind wir zuversichtlich, dass wir einen erfolgreichen Kampf führen», sagt Kempkes.

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