Kaiseraugst

Parkieren in der Liebrüti wird teurer – zum Ärger des Gewerbes

Kurzparkierer sollen im Zentrum Liebrüti künftig mehr zahlen als heute. nbo

Kurzparkierer sollen im Zentrum Liebrüti künftig mehr zahlen als heute. nbo

Kaiseraugst erhöht die Parkkosten im Zentrum Liebrüti. Vor allem Kurzparkierer müssen künftig wohl deutlich mehr zahlen. Das kommt bei den Gewerblern im Zentrum und bei Grossverteiler Migros schlecht an.

Es ist ein Entscheid, der den Gewerblern und Dienstleistern im Zentrum Liebrüti in Kaiseraugst sauer aufstösst: Ende Januar hat der Gemeinderat den Sondernutzungsplan «Liebrüti Zentrum» genehmigt – allerdings wurde er gegenüber der im Herbst öffentlich aufgelegten Version angepasst. «Die Parkfelder für Kunden sind gebührenpflichtig und ab der ersten Minute zu bewirtschaften», heisst es neu im Plan (die AZ berichtete). Gegen die Änderung kann bis am 17. März Einsprache gemacht werden.

Geht der Entscheid ohne Einsprache durch, betragen die Gebühren künftig für die erste Stunde 1.50 Franken, in der zweiten Stunde einen Franken und ab der dritten Stunde 0.50 Franken. Es ist dies das Resultat aus Verhandlungen mit dem Verkehrs-Club (VCS) Aargau, der eine Einsprache gegen den Sondernutzungsplan eingereicht hatte.

Gewerbler äussern Kritik

Von der Änderung betroffen sind vor allem die Kurzparkierer. Für sie werden die Parkgebühren im Liebrüti-Zentrum deutlich steigen. Heute ist dort die erste Stunde gratis, ab der zweiten Stunde kostet es einen Franken, ab der fünften Stunde zwei Franken pro Stunde. Wer also künftig knapp zwei Stunden im Zentrum verbringt, zahlt 2.50 Franken. Gemäss heutigem Tarif wäre es einen Franken – ein Anstieg um 250 Prozent. Wer hingegen länger als vier Stunden parkiert, kommt mit der neuen Regelung günstiger weg.

Die Preiserhöhung für die Kurzparkierer stösst bei den Gewerblern im Zentrum auf Kritik. Roger Heid, Geschäftsführer bei «Optic Schweizer», stört sich an zwei Sachen: Erstens, dass andernorts – «und zwar in unmittelbarer Nähe beim Coop Megastore» – weiterhin gratis parkiert werden kann. «Das schafft ungleich lange Spiesse.» Und zweitens, dass nun auch Personen, die im Zentrum nur kurz etwas erledigen wollen, bezahlen müssten. «Das schadet dem Gewerbe», ist Heid überzeugt.

Das bestätigt Armin Leuppi, Besitzer des Reisebüros «Raurica Travel». Er spricht von einer «Schikane» vor allem für die Kurzparkierer. «Das wird einen weiteren Rückgang der Frequenz gerade bei der Poststelle zur Folge haben – was dazu führen wird, dass die Poststelle in Gefahr gerät», befürchtet Leuppi.

Auch der Grossverteiler Migros, der im Zentrum eine Filiale hat, kritisiert die Preiserhöhung. «Eine Parkgebühr von 1.50 Franken bereits ab der ersten Minute dünkt uns unverhältnismässig hoch», sagt Migros-Aare-Sprecherin Andrea Bauer. «Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Kunden dadurch abgeschreckt werden. Für den Betrieb unseres Supermarktes wäre das alles andere als vorteilhaft und sicher nicht in unserem Sinne.»

«So günstig wie möglich»

Die Kaiseraugster Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi kann die Kritik der Gewerbler verstehen und räumt ein: «Für Leute, die in der Liebrüti nur kurz etwas erledigen wollen – wie etwa ein Paket bei der Post aufgeben –, ist das natürlich nicht schön.»

Sie gibt unumwunden zu, dass der Gemeinderat der Änderung am Sondernutzungsplan nur zähneknirschend zugestimmt habe und auch die Eigentümer wenig begeistert seien. In den Einspracheverhandlungen mit dem VCS habe die Gemeinde versucht, die Preise herunterzuhandeln, teilweise mit Erfolg. «Wir haben die günstigste Variante erreicht», sagt Lüthi. Auf eine Möglichkeit zur Rückerstattung der Parkkosten für die Kunden – wie von den Gewerblern teilweise vorgeschlagen – liess sich der Verband allerdings nicht ein.

Es drohte ein Rechtsstreit

Beim VCS war am Freitag niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Eine ähnliche Einsprache machte der Verband vor Jahren auch beim Coop- Megastore. Der Fall liegt derzeit beim Verwaltungsgericht. Auch das spielte beim Entscheid eine Rolle, gerade mit Blick auf das Projekt «Domus».

Das bei der Überbauung Liebrüti geplante Hochhaus mit über 100 Wohnungen beschäftigt die Gemeinde schon seit mehreren Jahren. Der Gemeinderat wollte einen langen Rechtsstreit verhindern. «Dieser hätte das Projekt womöglich um weitere Jahre verzögert – bei offenem Ausgang», sagt Lüthi und betont, dass auch andernorts die Bewirtschaftung von Parkplätzen vorangetrieben werde. «Wir haben vom Kanton das deutliche Signal erhalten, dass er diese Strategie stützt.» Dafür soll es mit dem geplanten Hochhaus nun vorwärtsgehen. Ein Richtprojekt besteht bereits. Das Baugesuch dürfte im Verlauf des Jahres folgen.

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