Fricktal

Anpacken ist Colette Baslers Ding: Ob im elterlichen Betrieb oder in der Politik

Colette Basler bewirtschaftet in Zeihen zusammen mit ihrem Mann einen Milchwirtschaftsbetrieb.

Colette Basler bewirtschaftet in Zeihen zusammen mit ihrem Mann einen Milchwirtschaftsbetrieb.

Colette Basler (SP) hat sich einen Namen als Bildungs- und Landwirtschaftspolitikerin gemacht. Sie wird als Regierungsratskandidatin gehandelt.

Colette Basler ist es sich gewohnt, anzupacken. Als Bäuerin – sie bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann den elterlichen Milchwirtschaftsbetrieb in Zeihen – wie als Grossrätin. Die ausgebildete Lehrerin und ehemalige Co-Geschäftsführerin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes hat sich in den drei Jahren, in denen sie nun für die SP im Kantonsparlament sitzt, einen Namen als lösungsorientierte Politikerin über Parteigrenzen hinaus gemacht.

Beide beruflichen Wurzeln – die Landwirtschaft und die Bildung – bilden auch zwei Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit. Als Schulpflegepräsidentin von Zeihen und Vizepräsidentin des Verbandes Aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten bringt sie zudem eine doppelte Sicht in Bildungsfragen ins Parlament ein.

Nicht wenige trauen der 46-Jährigen auch zu, dass sie in der Politik Karriere machen kann, wenn sie denn will, sei es nun in Aarau oder in Bern. So wird Basler aktuell auch als mögliche Nachfolgerin von SP-Regierungsrat Urs Hofmann gehandelt, der Ende Jahr zurücktritt. «Ich möchte derzeit nichts ausschliessen, für einen Entscheid ist es aber noch zu früh», sagte sie Ende Januar auf Anfrage der AZ.

Man schätzt an Basler auch, dass sie sagt, was sie denkt, dass sie Klartext redet und dabei die Menschen und ihre Sorgen ernst nimmt. «Als Bäuerin hat mir diese Nachricht das Herz gebrochen», sagte sie letzte Woche in der AZ zur Posse um die Aprikosentunnel im Seetal. Zwei Bauern müssen ihre Folien-Tunnelanlagen nach nur eineinhalb Jahren wieder abreissen. Pro Natura hatte gegen die Anlagen erfolgreich Beschwerde geführt und der Regierungsrat, der bei der Eröffnung der Anlagen noch von einem zukunftsweisenden Projekt gesprochen hatte, musste ebendiese Zukunft stoppen.

Man spürt Basler die Freude an der Politik, am «etwas bewirken können», wie sie es selber umschreibt, an – und die Frage, ob sie im Herbst nochmals antritt, ist eigentlich eine Formfrage. Ja, sagt sie, sich für die Menschen, die Region und den Kanton einzusetzen, motiviere sie, nochmals zu kandidieren. Und auch «die vielen Menschen, die mich unterstützen und an mich glauben».

Guter Zusammenhalt unter Fricktaler Grossräten

Basler, auch das ein Wesenszug, verliert bei dem, was sie tut, nie die Bodenhaftung. Auf die Frage, was sie in dieser Legislatur erreicht habe, sagt sie, es wäre wohl vermessen, zu sagen, dass sie alleine etwas erreicht hätte. «Zusammen mit anderen Grossrätinnen und Grossräten konnte ich viele Themen einbringen und Vorstösse machen», erzählt sie. «Dass wir auf meinen Antrag hin in der ersten Sitzung des neuen Jahres ein Geschäft verschieben konnten, weil es unklar war und überarbeitet werden muss, freute mich sehr und war ein Erfolgserlebnis für mich.» Es sei das Resultat überparteilicher Zusammenarbeit gewesen.

Diese Zusammenarbeit erlebt Basler, wie die anderen Grossräte aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden auch, gerade innerhalb der Fricktaler Fraktion als «sehr gut und beispielhaft». In keiner anderen Region würden Grossrätinnen und Grossräte so gut zusammenarbeiten und auf Parteigeplänkel verzichten, wenn es um die Interessen der Region und deren Menschen gehe.

Das Fricktal steht aus ihrer Sicht gut da. «Wir haben viel Entwicklungspotenzial, sind eine prosperierende Wirtschaftsregion, haben den Jurapark und sind in Projekten wie Labiola führend», sagt sie. Dieses Biodiversitätsprojekt habe das Fricktal aufgewertet, nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch für die Menschen.

«Wir werden zunehmend eine attraktive Tourismus­region», stellt Basler zudem fest. Als innovativ erlebt sie auch die Gemeinden und Schulen, die verstärkt zusammenarbeiten oder gar fusionieren. Alles in allem erlebt sie das Fricktal als eine offene und multikulturelle Region.

Basler ist in der kantonalen Politik angekommen. Nach einem ersten Schnuppern vor drei Jahren kam das Einleben und das Verstehen der Abläufe. «Nun läuft das Politkarussell», sagte sie und zieht über die ersten drei Jahre gesamthaft eine positive Bilanz.

Zum Lernen, das weiss sie als Lehrerin natürlich, gehört auch der Umgang mit Misserfolgen, etwa bei Abstimmungen, dazu. «Es fuchste mich ein bisschen, dass mein erster Vorstoss zur Abschaffung des Check S3 keine Mehrheit fand im Grossrat», erzählt sie. Als Misserfolg buchte sie das aber nicht ab. «Vielmehr war es ein Lernfeld.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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