Bezirksgericht Rheinfelden
Angeleinter Hund verletzt Mann (54) – Halterin freigesprochen

Das Bezirksgericht spricht eine 54-Jährige vom Vorwurf einer Verletzung der Sorgfaltspflicht frei. Ihr Hund hatte angeleint einen Mann angefallen und am Bauch verletzt.

Nadine Böni
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Die Halterin hielt ihren Hund angeleint. (Symbolbild)

Die Halterin hielt ihren Hund angeleint. (Symbolbild)

Keystone

Den 20. Juni 2016 wird eine Hundehalterin so schnell nicht wieder vergessen. Die 54-Jährige war kurz nach Mittag mit ihrem Hund Filou (Name geändert) in der Kaiseraugster Liebrüti-Siedlung spazieren gegangen. Der Hund sei ein «freundliches Tier», erklärte die Halterin am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Filou sei Menschen gewohnt und gehe offen auf sie zu. «Ich weiss, das tönt angesichts des Vorfalls jetzt vielleicht etwas paradox», fügte sie an. Denn, was in der Folge auf dem Spaziergang geschah, bescherte der Frau erst den Termin vor dem Gericht.

Anzeige zurückgezogen

Die Frau ging an jenem 20. Juni mit Filou einen schmalen Weg im Quartier entlang. Weil in der ganzen Siedlung eine Leinenpflicht gilt, hielt sie den Labrador- Golden Retriever-Mischling angebunden. Entlang des Weges führt eine hohe Hecke – und so konnten weder sie noch Filou sehen, dass sich auf einem anderen Weg ein Passant näherte. An einer Kreuzung standen die drei unvermittelt voreinander. Und Filou riss sich los, sprang am Mann hoch und verletzte diesen am Bauch. Der Mann stürzte. «Ich kann mir das nur so erklären, dass Filou erschrocken ist», sagte die Halterin. Er habe Menschen gegenüber zuvor noch nie auch nur ein bisschen Aggression gezeigt.

Der Mann zeigte die Frau noch am selben Tag wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung an. Die Beiden wohnen im selben Wohnhaus, kennen sich aber nicht näher. Kurz vor dem Gerichtstermin zog der Mann die Klage jedoch zurück; Kläger und Beschuldigte hätten eine aussergerichtliche Einigung erzielt, hiess es vor Gericht. Sprich: Die Hundehalterin zahlte dem Mann eine Abfindung.

In allen Punkten freigesprochen

So blieb in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft nur der Vorwurf der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutzverordnung stehen. Auch das aber wollte der Anwalt der Hundehalterin nicht gelten lassen. Er plädierte dafür, dass nicht jeder Vorfall mit einem Hund mit einer Verurteilung enden müsse. Beim Fall von Kaiseraugst handle es sich um einen «unglücklichen Unfall», den seine Klientin nicht hätte verhindern können. «Sie hielt den Hund an der Leine und konnte den Mann nicht kommen sehen», so der Anwalt. «Eine Verletzung der Sorgfaltspflicht kann ihr nicht nachgewiesen werden.» Auch gegen das Aargauer Hundegesetz habe sie nicht verstossen.

Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab gab ihm recht: «Inwiefern die Hundehalterin einen Fehler gemacht haben soll, wird in der Anklage nicht erklärt.» Symptomatisch dafür hatte schon der Polizist, der den Rapport verfasste, geschrieben: «Inwiefern die Sorgfaltspflicht verletzt wurde, konnte nicht abschliessend geklärt werden.»

Das Bezirksgericht stellte in der Folge das Verfahren wegen Körperverletzung ein und sprach die Hundehalterin von den anderen Vorwürfen frei. Sämtliche Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. Die Hundehalterin reagierte sichtlich erleichtert auf den Entscheid. Sie bedankte sich bei der Gerichtspräsidentin und fügte an: «Ich wünschte, ich könnte das alles rückgängig machen.»