Neben Lanze, Morgenstern und Schwert war sie die Waffe der Ritter im Mittelalter: die Axt. Heute kommt sie allenfalls beim Holzhacken zum Einsatz – oder beim Axtwerfen. Einer, der diese exotische Sportart zu seinen Hobbys zählt, ist Andreas Rettig aus Zeiningen. Auf Mittelaltermärkten in Deutschland und der Schweiz bietet er schon seit einigen Jahren Handbeil-Werfen an. Bei einem Wettkampf im deutschen Rippolingen bei Bad Säckingen entdeckte er 2014 dann die Doppeläxte.

Augen und Hände spielen mit

Die Äxte sind mindestens 61 Zentimeter lang, über 1,1 Kilogramm schwer und haben gleich zwei rasiermesserscharfe Klingen. Ähnlich wie beim Bogenschiessen oder Darts ist es das Ziel, dass die Axt möglichst in der Mitte der Scheibe stecken bleibt. «Die Technik bei der Doppelaxt ist etwas anders als beim Handbeil», sagt Rettig. Beim Wurf sind beide Hände am Stiel. Mit beiden Händen am Stiel holen die Werfer hinter dem Rücken aus und schwingen die Axt nach oben, über dem Kopf lassen sie los. Die Axt dreht sich in der Luft einmal und schlägt dann – im
Idealfall – mit der beim Abwurf vorderen Seite in das Holz. «Die Koordination von Augen und Händen beim Abwurf hat mich von Anfang an fasziniert», sagt Rettig. «Und es ist ein riesiges Glücksgefühl, wenn die Axt stecken bleibt.»

Seit seinem ersten Doppelaxtwurf vor zwei Jahren absolvierte Andreas Rettig beim Axtwurfverein in Rippolingen Trainings. «Es wurde aber zunehmend stressig, nach der Arbeit noch so weit ins Training zu fahren», so Rettig. Die Lösung:
eine Anlage in der Nähe. Rettig suchte Mitstreiter – und fand sie. Gemeinsam mit Gisela Rettig, Markus Rütti und Mike Moran hat er den Verein Doppelaxtwerfer Zeiningen gegründet.

Eigene Anlage gebaut

In diesem Frühjahr haben die vier Vereinsmitglieder auf dem Sportplatz Bachtalen in Zeiningen selber eine genormte Anlage gebaut: vier Zielscheiben aus Holz auf einer Wurfwand, umgeben von einer sogenannten Gefahrenzone, die nicht betreten werden darf. «Auf die Sicherheit wird besonders geachtet», sagt Rettig. Dazu gehört neben der Gefahrenzone auch, dass Personen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss nie an einem Training oder Wettkampf teilnehmen dürfen. «Wir müssen uns immer bewusst sein, dass wir eine Waffe in der Hand haben», sagt Rettig.

Bei der Wurfanlage ist sowohl die Grösse der Zielscheiben (45 Zentimeter) als auch der Abstand von der Abwurflinie bis zur Scheibe (6,1 Meter) genau bestimmt – alles nach schwedischem Vorbild.

Öffentliches Training

«In nordischen Ländern wie Schweden oder in Kanada ist das Doppelaxtwerfen ein populärer Sport», erzählt Rettig. Auch in Deutschland gibt es inzwischen verschiedene Meisterschaften, bei denen sich die Axtwerfer messen. «Die Konkurrenz aus dem Norden ist allerdings gross. Es wird Zeit, dass wir Werfer aus den südlicheren Ländern uns behaupten können», sagt Rettig mit einem Lachen.

Die ersten Trainings auf der eigenen Anlage haben die Mitglieder des Zeininger Vereins bereits absolviert. Am Samstag, 28. Mai (ab 16 Uhr), veranstalten sie ein öffentliches Training. «Unser Ziel ist es, Interessierte für diese kaum bekannte Sportart zu finden», sagt Rettig. Er ist überzeugt: «Doppelaxtwerfen kann jedermann erlernen, es braucht keinerlei speziellen Voraussetzungen.»