Rheinfelden

André Eiermann hat den besten Kaffee-Riecher in der Region

«Kaffee hat viele Facetten», sagt Andre Eiermann, Marketing-Manager bei den Schweizerischen Kaffeeröstereien.

«Kaffee hat viele Facetten», sagt Andre Eiermann, Marketing-Manager bei den Schweizerischen Kaffeeröstereien.

Er hat den besten Kaffee-Riecher in der Region. André Eiermann aus Rheinfelden hat in Kenia und Tansania gelernt, Kaffee zu verkosten. Als Kaffeehändler hat er 400 Tassen pro Tag probiert.

Treffpunkt «Il Poeta Café Bar» in der Rheinfelder Altstadt. Im Bauch ein mulmiges Gefühl. Wird der Kaffee vor seinen strengen Massstäben bestehen? Schliesslich hat André Eiermann (39) aus Rheinfelden den besten Kaffee-Riecher in der Region. Das hat er kürzlich an der Basler Meisterschaft im Kaffee Cup Tasting unter Beweis gestellt. «Einige Leute getrauen sich jetzt kaum mehr, mich zu einem Kaffee einzuladen», schmunzelt Eiermann. Er hebt die Tasse, schnuppert an der bräunlich schimmernden Flüssigkeit und nimmt einen Schluck. Dann sein Urteil: «Das ist ein guter Kaffee. Er weist eine dezente Säure auf, die den Geschmack abrundet. Daran sind Top-Kaffees zu erkennen.»

Sein Sieg an der zweiten Basler Cup-Tasting-Meisterschaft habe ihn selbst überrascht, sagt André Eiermann. 26 Teilnehmer degustierten im Unternehmen Mitte in Basel um die Wette. Eiermann hatte vorher ein wenig Bammel, wie er gesteht. «Wenn ich schlecht abgeschnitten hätte, wäre meine Arbeit in den vergangenen Jahren infrage gestellt worden.»

Durch einen Headhunter kam er nach seinem Wirtschaftsstudium mit einem international tätigen Schweizer Kaffeekonzern in Kontakt. Davor hatte er in seinem ganzen Leben noch keinen Schluck Kaffee zu sich genommen. Seine Eltern trinken heute noch ausschliesslich Löskaffee. Im Kaffee-Business gefiel es ihm auf Anhieb: «Hier ist es wie in einer Familie. Die Leute haben eine hemdsärmelige Art und sind lebenslustige, gesellige Genussmenschen.»

Schon bald wurde er in die Kunst der Kaffeeverkostung eingeweiht. Auf langen Tischen werden Vierersets von Tassen aufgestellt. Zuerst wird das edle Gebräu traditionell aufgegossen und mit einem Löffel – dem Cupping Spoon – der Schaum abgeschöpft. Dann heisst es: das ausdampfende Aroma riechen.

Mit dem Löffel wird darauf ein winziges Schlückchen aus der Tasse genommen, geräuschvoll geschlürft und im Mund verteilt. «Der Kaffee muss geschlürft werden, damit sich das Aroma im Mund entfalten kann», erklärt André Eiermann. Anschliessend wird der Kaffee ausgespuckt. Auf keinen Fall dürfe der Kaffee geschluckt werden, wenn eine grosse Zahl Tassen verkostet werde, sagt Eiermann. In Kenia und Tansania, wo er ein Jahr als Kaffeehändler arbeitete, hat er etwa 400 Kaffeetassen pro Tag getestet. «Ich hatte einen tollen Ausbilder», erzählt Eiermann. Schon nach zwei Monaten überreichte ihm sein kenianischer Lehrer als Auszeichnung einen speziellen Cupping Spoon.

Wurden ihm eine besondere Begabung oder ein hoch entwickelter Geruchs- und Geschmackssinn in die Wiege gelegt? «Viele Leute könnten auch, was ich kann.» Am Anfang schmecke jeder Kaffee gleich. Mit der Zeit entdecke man die Unterschiede. «Es kommt darauf an, den Kaffee entspannt zu probieren und darauf zu achten, was einem in den Sinn kommt», sagt er. «Die Eindrücke speichert man im Kopf ab, und man macht sich Notizen.» Kaffee habe viele Facetten. Er könne nach Röstaromen, schokoladig, nussig schmecken oder fruchtig nach Zitrone oder Beere. Mal prägen Bitterkeit oder Säure den Geschmack.

Nach einem Abstecher in die Kosmetikindustrie ist er in die Kaffee-Branche zurückgekehrt. Eiermann: «Einmal Kaffee, immer Kaffee.» Heute arbeitet er als Marketing-Manager bei der Schweizerischen Kaffeeröstereien AG, die zur international tätigen UCC-Gruppe gehört. «Wir führen 250 Produkte von sechs Marken», erklärt Eiermann.

Der frühere Tennisspieler und heutige Langstreckenläufer ist ein Marketing-Manager, der nicht nur im Büro sitzt, sondern häufig mit den Aussendienstmitarbeitern unterwegs ist. Er hat eine iPad-App entwickelt, mit der gemeinsam mit den Kunden die Kaffeemischungen mit dem bevorzugten Geschmack gefunden werden können. Begeistert erzählt Eiermann, wie kürzlich die Bündner Traditionsmarke Sima neu erfunden wurde.

Nach dem Sieg in Basel tritt er nun auch bei der Schweizer Cup-Tasting-Meisterschaft an. Diese wird vom 7. bis 9. Februar 2014 in St. Gallen ausgetragen. Wenn er zu Hause Kaffee zubereitet, benutzt er übrigens eine Campanini-Kapselmaschine oder die French Press. Doch auch der alte Filter eigne sich sehr gut. «Ich bin überzeugt: Der Filter-Kaffee kommt wieder.»

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