Laufenburg

«An verlorene Menschen denken, statt zu erschrecken»: Was dieser Druide zu Halloween rät

Am Samhain-Fest meditiert der Druide Peter Widmer gerne auf höher gelegenen Stellen in der Landschaft, weil dort die Energie höher ist.

Am Samhain-Fest meditiert der Druide Peter Widmer gerne auf höher gelegenen Stellen in der Landschaft, weil dort die Energie höher ist.

Für Druide Peter Widmer aus Laufenburg wird die Gruselparty am 31. Oktober den Verstorbenen nicht gerecht. Im Gespräch mit der «Aargauer Zeitung» erklärt er die wahren Ursprünge des Brauchs von Halloween.

Kunstblut, Leute erschrecken, «Süsses oder Saures» – für Halloween, wie es heutzutage am Abend des 31. Oktobers gefeiert wird, hat Peter Widmer aus Laufenburg nicht mehr als ein Kopfschütteln übrig. «Völliger Blödsinn – das ist nur Geschäftemacherei und hat mit dem Ursprung gar nichts zu tun», sagt er.

Schon als Kind freigeistig gross geworden und eng mit der Natur verbunden, absolvierte Widmer unter anderem eine schamanische Ausbildung, besuchte Seminare für Rückführung, Clearing, AuraSoma sowie für die Arbeit mit Heilsteinen. Er befasste sich mit der Kultur der Kelten, studierte das Tun der Druiden, Heiler und Lehrer der Kelten – und wurde selbst ein Druide. «Wenn die Menschen im Einklang mit der Mutter Erde sind, dann haben sie alles, was sie brauchen», sagt er.

Bei einer frisch aufgesetzten Tasse grünem Tee erzählt Widmer von den Ursprüngen des Halloweens, das heute «ein wenig pervertiert» sei. So ginge Halloween auf das keltische Fest Samhain zurück. «Bei diesem Fest wurde angenommen, dass die Tore zur Anderswelt offen stehen und verstorbene Ahnen heimkehren», erklärt Widmer.

Die Aufgabe des Druiden war es dabei, nach Anbruch der Dunkelheit den verirrten Seelen den Weg zu weisen. «Dies dadurch, dass sie oben auf einem Hügel standen und die Energie in sich konzentrierten oder Lichter entflammten.

Innehalten statt Leute erschrecken

Für Widmer ist deshalb klar, dass es am Abend des 31. Oktobers darum gehen sollte, sich seinen Wurzeln bewusst zu sein und die Kraft sowie Unterstützung der Ahnen willkommen zu heissen. «Ich wünsche mir, dass die Menschen, statt andere Leute zu erschrecken, an diesem Abend innehalten und an die geliebten Menschen denken, die sie verloren haben.» Ein Grund traurig zu sein gebe es jedoch nicht, denn sie seien «in der Stille» angekommen, «dort, wo sie Ruhe gefunden haben».

Obwohl Widmer sich mit der keltischen Tradition und damit dem Heidentum verbunden fühlt, muss er dem Christentum ein Kränzchen winden. «Der Kern des Samhain-Festes – das Innehalten und die Verehrung der Ahnen – wurde mit dem Totengedenktag Allerheiligen wunderbar aufgenommen.

Abwandlung der Tradition

Der Anfang der Abwandlung der Samhain-Pervertierung zum heutigen Halloween sei mit der Emigration der irischen Kelten über den Atlantik in die USA einhergegangen. «Weil sie in ihrer neuen Heimat bei vielen nicht willkommen waren, wurde mit ihrem Samhain-Fest, das sie zelebrierten, Schabernack getrieben. Es wurde absichtlich missinterpretiert», erklärt Widmer.

So wurden die Lichter, die den verstorbenen Ahnen den Weg weisen sollten, in Kürbisse gesteckt, die mit grusligen Fratzen verziert wurden und man habe angefangen, sich zu verkleiden, um die bösen Geister zu erschrecken.

Dann kam der Kommerz dazu. «Geschäfte brachten Kostüme, Masken und Schminke anlässlich dieses Tages an die Leute», so Widmer. Schliesslich schwappte die Gruselwelle – sowie Coca-Cola oder McDonalds – auf das europäische Festland über.

Meditieren im Hotzenwald

Für die Kelten geht es beim Samhain-Fest jedoch nicht nur um die Heimkehr der Toten. «Mit Samhain wird die Winterzeit und somit die düstere Jahreszeit eingeläutet, in der sich die Natur zurückzieht, Altes loslässt und Kräfte für den Neubeginn im Frühjahr sammelt», erklärt Widmer, der den Abend des 31. Oktobers auf einer Erhöhung im Hotzenwald verbringen, dort meditieren und die Energie der Natur in sich konzentrieren wird – ähnlich, wie es die keltischen Druiden bereits tausende Jahre vor ihm taten, um den verirrten Seelen den Weg zu weisen.

Widmer meditierte in den letzten Jahren am 31. Oktober ausschliesslich auf Erhöhungen. «Dort ist die Energie sehr hoch», sagte er. Mit dem Meditieren mache er sich nicht nur bewusst, dass sich nun die Natur zurückziehe und die Zeit der Besinnung beginne, es sei auch eine Art der Entschuldigung gegenüber der Natur für all diejenigen, die an diesem Abend Schabernack treiben und Leute erschrecken. «Dass viele den wahren Sinn dieses Abends nicht kennen, enttäuscht mich. Ich mache ihnen aber keinen Vorwurf, weil sie es nicht besser wissen», so Widmer.

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