Kaiseraugst

An der Parzelle 115 scheiden sich die Gemeinde-Geister

Die Gemeinde möchte die leere Parzelle an der Heidemurstrasse kaufen – für Diskussionen sorgen auch die Ausgrabungen vor Ort. Nadine Böni

Die Gemeinde möchte die leere Parzelle an der Heidemurstrasse kaufen – für Diskussionen sorgen auch die Ausgrabungen vor Ort. Nadine Böni

Die Gemeinde will ein Stück Land am Heidemurweg kaufen – doch nicht alle Lokalpolitiker sind damit einverstanden.

In einer Sache sind sich die Oberhäupter der Kaiseraugster Ortsparteien einig: Die Parzelle 115 hat ihre Vorzüge. «So ein Stück Land gibt es kein zweites Mal in Kaiseraugst», sagt Marianne Grauwiler, Präsidentin der Orts-SP. «Eine Chance wie diese wird sich so schnell nicht wieder bieten», sagt ihr FDP-Amtskollege, Rolf Baumgartner. Und Jean Frey, Präsident der örtlichen SVP meint: «Der Wert der Parzelle wird sicherlich nicht sinken.»

Zur Erinnerung: Der Gemeinderat beabsichtigt, die Parzelle 115 – ein 1449 Quadratmeter grosses Stück Land am Heidemurweg – zu kaufen. An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 24. August entscheiden die Stimmberechtigten über den Kaufvertrag. Als Preis stehen laut Versammlungsbotschaft 1,55 Millionen Franken im Raum. Hinzu kämen rund 400 000 Franken Beteiligung an den Kosten der kantonalen Ausgrabung vor Ort.

«Stillstand statt Wohnraum»

Immobilien-Experten aus der Region erachten diesen Preis als durchaus marktgerecht, wie eine Nachfrage der az ergibt: «Es ist sicherlich kein Schnäppchen, aber auch nicht völlig überteuert», sagt ein Makler. «An dieser Lage dürfte dieser Preis realistisch sein», heisst es auch an anderer Stelle. Die Lokalpolitiker hingegen erachten den Preis trotz des Lobes für die Parzelle unisono als «eher hoch». Sie anerkennen aber auch die gute finanzielle Lage der Gemeinde: «Kaiseraugst hat das Geld, das ist bekannt», sagt etwa Grauwiler.

Nichtsdestotrotz kritisiert sie die Pläne des Gemeinderats. «In Kaiseraugst ist der Wohnraum ohnehin schon sehr knapp. Wieso sollte also ein Stück Land, das für schönen Wohnraum prädestiniert ist, von der Gemeinde gekauft und stillgelegt werden? Das sehe ich einfach nicht ein.» Grauwiler zöge es vor, wenn die Parzelle an einen anderen Interessenten ginge, der sie zeitnah überbaut.

Rolf Baumgartner und Jean Frey hingegen können dem gemeinderätlichen Vorhaben durchaus etwas abgewinnen. «Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde dieses Land in den kommenden 15 bis 20 Jahren gebrauchen kann», sagt der FDP-Präsident. «Eine so grosse Parzelle an dieser Lage muss man sich anschauen und – wenn man das Geld hat – kaufen. Vorausgesetzt, der Preis stimmt», sagt der SVP-Präsident. Ihm fehlen in der Vorlage allerdings die konkreten Ideen, was mit dem Land geschehen soll.

«Klarheit bis zur Versammlung»

Weitere Kritik erntet der Gemeinderat für die Vorlage zur Versammlung. Diese sei teilweise «schwammig formuliert», so Frey. Die Lokalpolitiker hinterfragen insbesondere die «mündliche Auskunft der Erbengemeinschaft», wonach die Kosten für die Ausgrabung rund 400 000 Franken betragen.

«Das macht einen wenig professionellen Eindruck. Bis zur Versammlung muss der Gemeinderat eine schriftliche Bestätigung haben und diese vorweisen können», sagt Baumgartner. «Es ist wichtig, die Stimmbürger genau zu informieren», fordert auch Marianne Grauwiler. «Niemand will die Katze im Sack kaufen.»

Überhaupt, so die Meinung der Lokalpolitiker, wirke das Geschäft «etwas gestresst», wie Grauwiler es ausdrückt. Sie verstehe nicht, warum das jetzt so rasch entschieden werden müsse. Und Rolf Baumgartner ist «überrascht, dass dafür extra eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen wurde. Ist das wirklich nötig?»

«Die Parzelle ist es uns wert»

Eine Frage, die Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi auch schon zu Ohren gekommen ist. «Schlussendlich geht es darum, rasch Klarheit zu schaffen – egal in welche Richtung. Für die Gemeinde und auch für den Verkäufer», sagt sie. Gäbe es an der Gemeindeversammlung etwa einen Änderungsantrag, so könne dieser mit dem Verkäufer bis zur Wintergemeinde geklärt werden. «Warten wir bis im Winter, so geht viel Zeit verloren. Und es wäre schade, wenn wir diese Chance aufgrund der Zeit verpassen», sagt Lüthi.

Den Preis erachtet Lüthi als den Bedingungen entsprechend fair. «Es wird in Kaiseraugst Land für 1000 Franken gehandelt. Einen überrissenen Preis hätten wir gar nicht vorgeschlagen», sagt sie. Und: «Dem Gemeinderat ist die Parzelle diesen Preis wert.» Selbstverständlich werde die Behörde auch darauf drängen, dass bis zur Versammlung eine schriftliche Bestätigung für die Ausgrabungskosten vorliege. «Ansonsten lassen wir im Kaufvertrag einen entsprechenden Passus festschreiben.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1