In der Aula des Kreisschulhauses Blauen in Laufenburg ertönt dutzendfach und rhythmisch ein Klicken. Die Schülerinnen und Schüler der vierten Realklasse sitzen über Puppen gebeugt am Boden und üben die Herzmassage. Das Klicken verrät: Sie machen es richtig.

Im Rahmen ihres 50-Jahr-Jubiläums bildet die Schweizerische Herzstiftung in diesem Jahr schweizweit über 1100 Schüler in Lebensrettung aus. Der Auftakt zu dieser Aktion fand am Montag in Laufenburg statt.

«In der Schweiz werden jährlich rund 8000 Personen Opfer eines plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstands», sagte Stefanie Oehler, Bereichsleiterin Aufklärung und Prävention bei der Stiftung. «Das ist jede Stunde ein Mensch.» Gerade bei Vorfällen ausserhalb des Spitals sei die Überlebenschance äusserst gering – auch, weil nur wenige Menschen wissen, wie Nothilfe geleistet wird. Treffen die Sanitäter am Ort ein, ist es oft zu spät.

Wissen weiter geben

Deshalb hat sich die Stiftung zum Ziel gesetzt, möglichst viele Lebensretter auszubilden. In den Kursen lernen die Schüler unter anderem Herzmassage und Beatmung. Ausserdem erhalten sie ein «MiniAnne»-Kit. Das ist eine Puppe, an der Herzmassage und Beatmung trainiert werden können. «Die Schüler können so ihr Wissen an Familie, Freunde und Bekannte weitergeben», so Oehler.

Reanimation: Die Schüler üben sich in Herzmassage und Beatmung.

Reanimation: Die Schüler üben sich in Herzmassage und Beatmung.

Die Kreisschule wolle einen Beitrag zu besseren Überlebenschancen von Betroffenen leisten, sagte Schulleiter Siegbert Jäckle. Ihn hätten vor allem die Zahlen zum Nachdenken gebracht: «Jede Stunde ein Vorfall – daran bin ich hängen geblieben.» Und an den Fragen: Könnte ich helfen? Wüsste ich, was zu tun ist? Fragen, die sich auch Kreisschulpflege-Präsidentin Annick Caruso gestellt hat. «Ich musste eingestehen, dass ich wohl nicht in der Lage wäre zu helfen.» Deshalb ist ihr Plädoyer klar: «Wir neigen dazu, das, was uns Angst macht, in den Hintergrund zu rücken. Stattdessen sollten wir das Gegenteil tun.»

Bildungsdirektor lernt dazu

Etwas, das die Anwesenden am Montag gleich umsetzten. Unter ihnen war auch Regierungsrat Alex Hürzeler. Er übte sich unter Anleitung der Schüler und der Fachpersonen der Herzstiftung selber in der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

«Als Bildungsdirektor schätze ich es sehr, dass die Schule neben dem normalen Lehrplan auch solch gesellschaftliche Themen aufnimmt», so Hürzeler. «Ein Herz-Kreislauf-Stillstand kann jeden jederzeit treffen. Es ist daher wichtig, die Nothilfe nicht nur den Profis zu überlassen, sondern selbst die Berührungsängste abzubauen und zu helfen.»

Die Schweizerische Herzstiftung ist mit ihrem Jugend- und Schulprogramm noch bis am Donnerstag an der Kreisschule unterwegs. Sämtliche 19 Abteilungen mit insgesamt über 300 Schülern werden ausgebildet und mit einer «MiniAnne»-Puppe ausgerüstet. Haben alle Klassen das Programm absolviert, winkt der Schule eine Zertifizierung als «Herzschule». Siegbert Jäckle ist überzeugt: «Wenn nur ein Leben gerettet werden kann, hat sich die Aktion schon gelohnt.»