Ueken

Ammann Bühler tritt zurück: «Es macht mir weh, so zu gehen»

Gemeindeammann Stefan Bühler tritt zurück – das Vertrauen im Gremium sei nicht mehr da. Darauf hin geben die Gemeinderäte Karlheinz Lenzke, Marco Mayr und Max Ries den Rücktritt vom Rücktritt.

Mit diesem Entscheid hat er alle überrascht: Stefan Bühler, umstrittener Gemeindeammann von Ueken, tritt zurück. Das gab er an einem dorfinternen Informationsabend am Dienstag bekannt.

Von seinen (bald ehemaligen) Gemeinderatskollegen oder der Verwaltung wusste niemand vom Rücktritt. Nur Freunde und Familie waren eingeweiht. «Ich habe den Entscheid auch mit Blick auf sie und mein Alter gefällt. Ende Dezember wurde ich 65», sagt Bühler. Aber natürlich steckt mehr hinter dem Rücktritt.

Eklat im August

Zur Erinnerung: Im August hatten drei Gemeinderäte – Vizeammann Karlheinz Lenzke sowie die Gemeinderäte Marco Mayr und Max Ries – beim Kanton ihre Demission eingereicht. Sie begründeten ihr Rücktrittsgesuch mit einem «Vertrauensverlust gegenüber dem Gemeindeammann».

Der Kanton sistierte daraufhin die Rücktrittsgesuche und beauftragte einen Mediator mit der Untersuchung der Situation. Es folgte monatelanges, eisernes Schweigen von allen Beteiligten. Bis am Dienstag. Da wollte der Gemeinderat die Bevölkerung eigentlich über das Resultat der Untersuchung und die angeordneten Massnahmen informieren: Dass künftig ein Mediator die Sitzungen des Gemeinderats begleitet und die Kanzlei in ihrer Arbeit unterstützt. Dann ergriff Stefan Bühler das Wort.

Der Mediator bleibt vorerst

«Das Vertrauen im Gremium ist nicht mehr da und in dieser Konstellation kann ich das Amt nicht weiterführen», erklärt Bühler. «Es macht mir weh, so zu gehen. Letztlich aber haben sich die Wertigkeiten in den letzten Monaten verschoben.»

Detailliertere Einblicke in das Innenleben des Gemeinderats gibt es auch jetzt kaum. Gemeinderat Marco Mayr sagt: «So, wie die Situation war, wollten wir keine Verantwortung mehr übernehmen. Deshalb haben wir die Demission eingereicht.» Und Bühler sagt: «Es bestehen Uneinigkeiten und Unterstellungen, die man in den letzten Monaten nicht bereinigen konnte.» Wer vermutet, dass es sich dabei um die Art der Führung handelt, liegt wohl nicht falsch.

Ihren Rücktritt haben Mayr, Lenzke und Ries inzwischen rückgängig gemacht: Bereits vor Bühlers Entscheid erklärten sie sich bereit, ihre Ämter weiter auszuüben.

Ersatzwahl im Juni?

Der Mediator wird nun bei Sitzungen dabei sein und der Kanzlei beratend zur Seite stehen, bis Bühlers Nachfolger im Amt ist. Bis dahin will der abtretende Gemeindeammann auch seine Ressorts weiterbetreuen. Ein längeres Engagement eines Mediators steht laut Marco Mayr nicht zur Diskussion.

Bühler wird sein offizielles Rücktrittsgesuch «in den kommenden Tagen» abschicken. «Ist dieses eingegangen und vom Regierungsrat bewilligt, wird in Zusammenarbeit mit der Gemeinde das Datum für die Ersatzwahl festgelegt», sagt Yvonne Reichlin-Zobrist, Leiterin der Gemeindeabteilung beim Kanton. Die Tendenz geht klar in Richtung Juni als Wahltermin.

Suche nach Kandidaten

«Meines Erachtens ist das der beste Weg für alle», sagt Gemeinderat Marco Mayr. Nun gehe es darum, dass «politisch engagierte Menschen aus dem Dorf» geeignete Kandidaten für den Gemeinderat fänden. Die verbliebenen Mitglieder möchten sich gemäss Mayr aus der Suche bewusst heraushalten, um keine Angriffsfläche zu bieten.

Auch die Gemeinderatsmitglieder standen in den vergangenen Monaten in der Kritik. Etwa an der Gemeindeversammlung im Dezember, als das Budget für lange Diskussionen sorgte und die Finanzkommission dem Gemeinderat offen mangelhafte Arbeit vorwarf. «Wir haben aufgrund der Situation im Gremium ganz klar Sachen vernachlässigt», gibt Mayr zu. Trotz alldem sagt er: «Ich zweifle nicht daran, dass der Gemeinderat in Zukunft wieder das Vertrauen der Bevölkerung geniesst.»

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