Christian Gersbach (61) aus Wallbach im Fricktal ist ein experimentierfreudiger Landwirt. Bereits vor 30 Jahren pflanzte er «Auf der Halde» ob Wallbach 60 Aren Heidelbeeren. Mit grossem Erfolg.

Seit acht Jahren hat er seine Heidelbeerplantage mit Hagelnetzen überdeckt, und noch immer ist die Zeit der Heidelbeer-Ernte im Juli und August die strengste Zeit und sein Haupt-Erwerb. Mehrere Frauen aus dem Dorf beschäftigt er in dieser Zeit als Pflückerinnen.

Gersbachs zweiter Standort ist der «Rain», ein bisschen näher beim Dorf, wo er mit verschiedenen Pflanzen experimentiert und vor allem bei uns kaum bekannte oder vergessene Arten anbaut. Es ist eine eigentliche Versuchsplantage, wo er die Yacon-Knolle, ein Gemüse der Inka in den Anden, und die Stachy-Knolle, die ihren Ursprung in China hat, anpflanzt. Dazu setzte er vor einigen Jahren 30 Edelkastanienbäume, die jetzt schon wunderbare Früchte tragen. Und in diesen Tagen erntet Christian Gersbach die letzten Aronia-Beeren der Saison.

Wunderbeere aus Nordamerika

Aronia, mit wissenschaftlichem Namen «Aronia melanocarpa» ist ein Strauch, der seinen Ursprung in Nordamerika hat. Erst um 1900 gelangten erste Sträucher nach Ost- und Mitteleuropa, wo sie bestens gediehen. Die mehrjährige, bis zu zwei Meter hoch wachsende Aronia ist nämlich sehr robust und eignet sich ideal auch für den Anbau in der Schweiz.

Im Mai erscheinen die weissen Blüten, die in Dolden angeordnet sind. Etwa nach drei Monaten reifen die dunkelblauen Beeren, und im Oktober färben sich die Blätter des Strauches feuerrot.

Aroniabeeren, auch «Apfelbeeren» genannt, sind wahre Powerfrüchtchen: Sie enthalten die Vitamine C und E, verschiedene B-Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Aber am interessantesten ist der aussergewöhnlich hohe Gehalt an Polyphenolen (Bioflavonoiden), die als Vital- und Schutzstoffe für die menschliche Gesundheit wirken.

Die Beeren schmecken säuerlich-herb und sind am besten in verarbeiteter Form zu geniessen: als Konfitüre, als Saft, zu Sirup verdickt, getrocknet als Snack oder mit feinem Schokolade-Überzug. Eine mit Sonnenenergie betriebene Trocknungsanlage hat der erfindungsreiche Bauer selbst gebaut. In dieser Anlage kann er bei etwa 40 Grad rund 30 Kilogramm Beeren aufs Mal trocknen.

Ernte ist einen Monat später

Christian Gersbach ist vor rund sechs Jahren auf die vielversprechende Aronia gestossen, als er auf der Suche nach einer robusten Pflanze war, die seine Heidelbeer-Produktion ergänzen könnte und die in sein Konzept einer biologischen Artenvielfalt passt. Bereits nach zwei Jahren konnte er die ersten Beeren pflücken. Dieses Jahr erfolgte die Ernte wegen des nasskalten Frühlings etwa einen Monat verspätet, und es wird ein Ertrag von etwa 500 Kilogramm erwartet (auf einer Anbau-Fläche von etwa 20 Aren).

Die Sträucher gedeihen prächtig, und schon im nächsten Jahr könnte sich der Ertrag nochmals erhöhen.

Kürzlich hat der Natur- und Vogelschutzverein Wallbach auf Gersbachs Gelände eine «Reptilienburg» gebaut. Begleitet hat diesen Arbeitseinsatz Françoise Schmit, Mitarbeiterin im Trinationalen Förderungsprogramm Steinkauz (Initiator Hansruedi Schudel, Bubikon ZH). Es geht dabei darum, «den Nahrungskreislauf, der durch die Einfältigkeit der Landwirtschaft unterbrochen worden ist, wieder zu beleben».

Dazu gehören Hochstamm-Obstbäume, Hecken, trockene und nasse Flächen. Der Steinkauz, seit 1985 in der Schweiz ausgestorben, kommt noch in Süddeutschland und im Elsass vor. Hier soll diesem Vogel wieder eine Heimat geboten werden.

Bio-Landbau als Zukunft

Christian Gersbach arbeitet seit drei Jahren eng mit seinem Kollegen Edi Hilpert vom Eulenhof Möhlin zusammen. Die beiden teilen die Auffassung von einer vielfältigen, natürlichen, kleinräumig-vernetzten Landwirtschaft und direktem Kundenkontakt. Dies geht so weit, dass ihnen sogar eine «Vertragslandwirtschaft» vorschwebt, eine enge Partnerschaft zwischen Landwirt (Produzent) und Kunden (Konsumenten).

Dazu gründeten sie eine «Lebensgemeinschaft Eulenhof», wo verschiedene Leute zusammenleben und sich für den Bio-Landbau engagieren wollen. Bereits machen fünf Leute in diesem Projekt mit, weitere 20 bis 30 sind interessiert. Beide Bauern sehen in dieser Form von Landwirtschaft Sinn und Zukunft.