Frick
Älteste Fricker Gastwirtschaft erhält einen neuen Besitzer

Seit drei Jahren haben die «Adler»-Besitzer Hanni und Kurt Glaus aktiv nach einer Käuferschaft für ihren renommierten Betrieb gesucht. Jetzt hat sich plötzlich eine Lösung ergeben.

Geri Hirt
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Hanni und Kurt Glaus – am 19. September geht eine jahrzehntelange, engagierte Wirtetätigkeit im Hotel «Adler» zu Ende.

Hanni und Kurt Glaus – am 19. September geht eine jahrzehntelange, engagierte Wirtetätigkeit im Hotel «Adler» zu Ende.

Geri Hirt

Yasar Sahin, Besitzer des Hotels Sternen in Rohr bei Aarau, wird den «Adler» samt bisherigem Personal sowie dem gesamten Inventar per 1. Oktober 2014 übernehmen.

Es hätten sich im Laufe der Jahre verschiedene Kaufinteressenten gemeldet, doch einige wollten das Haus in Wohnungen umbauen, andere wiederum in eine Pizzeria oder ein Kebab-Lokal umwandeln, sagt Kurt Glaus und fügt an: «Mir ist es wichtig, dass der ‹Adler› so erhalten bleibt, wie er ist, sodass meine Gäste weiterhin hierherkommen können.» Wichtig sei auch, dass das Personal, das zum grössten Teil seit Jahren im «Adler» gewirkt hat, vom Käufer übernommen werde.

1240 gegründet: Gastwirtschaft mit Geschichte

Lokalhistoriker und Gemeindeschreiber Heinz Schmid kommt in einem Beitrag in «Frick – Gestern und Heute» (Nr. 8/2001) zum Schluss, dass der «Adler» wohl das älteste Gasthaus von Frick sein dürfte. Zusammen mit dem benachbarten Spital ist das Gasthaus wohl um 1240 von den Homberger Grafen gegründet worden. Im «Adler» wurde Geschichte geschrieben. So war er Schauplatz bedeutender geschichtlicher Ereignisse: Ende des 18. Jahrhunderts war er Stützpunkt von Agenten, die vom damals österreichischen Fricktal aus Propagandamaterial in die von Franzosen besetzte Helvetische Republik einschleusten und Schweizer Emigranten für die österreichische Armee anwarben. Am 23. September 1802 versammelten sich 33 fricktalische Ortsvorsteher im «Adler» zu einem Landtag und setzten Dr. Sebastian Fahrländer, den Gründer des Kantons Fricktal, samt seinen Behörden ab. Am 27. März 1869 traten im «Adler» die Bezirkskomitees von Rheinfelden, Laufenburg und Brugg zusammen und gründeten das «Bötzbergbahn-Comité». Damit wurde der Grundstein für den erfolgreichen Bahnbau gelegt, der nicht nur das Erscheinungsbild und Wachstum Fricks, sondern die Entwicklung des ganzen Fricktals massgeblich beeinflusst hat, wie Heinz Schmid feststellt. (GHI)

Eine Wirte-Ära geht zu Ende

Yasar Sahin, gebürtiger Türke, der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt, hat 2006 das Hotel Sternen in Rohr übernommen. Den Hotelteil, den er auf 52 Zimmer stark erweitert hat, betreibt Sahin selber, während das Restaurant verpachtet ist. Das Hotel Adler in Frick werde im bisherigen Stil mit Schweizer Küche weitergeführt. Die Zimmer sollen mit kleinen Umbauten auf den heute üblichen Standard gebracht werden.

Der gelernte Koch Kurt Glaus startete mit 23 Jahren am 1. Januar 1970 seine Wirtetätigkeit im «Adler» in Frick. Vater Alfons Glaus hatte das Hotel an der Fricker Hauptstrasse im November 1969 erworben. Als Familienbetrieb ist das Haus, das als älteste Wirtschaft in Frick gilt, stets mit grossem persönlichem Engagement von Hanni und Kurt Glaus geführt worden. Im «Adler» fühlt man sich wohl, davon zeugt nicht zuletzt die grosse Zahl von Stammgästen und Vereinen, die sich dort treffen, sondern auch der Stammtisch als Treffpunkt, wie er in der Region nur noch in wenigen Wirtschaften funktioniert.

In der Hoffnung, dass eines der Kinder den Betrieb weiterführen würde, haben die Glaus’ vor rund 20 Jahren drei Millionen Franken investiert. Doch daraus wurde nichts. Kurt Glaus erwähnt dies ohne Groll – die Jungen müssten ihren eigenen Weg gehen.

Ein neuer Lebensabschnitt

Kurt Glaus, inzwischen 68 geworden, suchte seit seiner offiziellen Pensionierung nach einer Lösung. Heute ist er erleichtert über eine solche zu verfügen, welche die Weiterexistenz des «Adlers» als Wirtschaft, Hotel und vor allem als Treffpunkt gewährleistet. Es ist nicht nur die Erreichung des Rentenalters, die ihn zur Aufgabe des Wirteberufes veranlasst, sondern es sind auch gesundheitliche Gründe. Kurt Glaus möchte jetzt zusammen mit seiner Gattin die neue Freiheit und Unabhängigkeit geniessen: Wandern, Reisen und auch auf dem eigenen Boot ausspannen und im Winter Ski fahren. Und nicht zuletzt sind auch noch die Enkelkinder da.

Es scheint, dass mit der getroffenen Nachfolge Kurt Glaus ein grosser Stein vom Herzen gefallen ist und er sich trotz jahrzehntelangem Wirken im «Adler» von diesem verabschieden kann. «Wir werden in Frick bleiben, aber in eine Wohnung zügeln, um so Distanz zum Geschäft zu erhalten. Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich hier zu Hause.»

Austrinkete im September

Er blicke zufrieden auf die Jahre im «Adler» zurück, sagt Kurt Glaus sichtlich erleichtert, auch wenn er sich schweren Herzens von seinen Gästen trenne. «Wir haben Familien, von denen wir drei Generationen zu unseren Gästen zählen dürfen.» Er und seine Gattin seien den Gästen und insbesondere dem Personal, das ihnen zum Teil jahrzehntelang die Treue gehalten hat, zu grossem Dank verpflichtet.

Der Schlusspunkt unter die engagierte Tätigkeit des Wirtepaars Hanni und Kurt Glaus wird am 19. September mit der Austrinkete gesetzt.