Sie sind alt und durchs halbe Fricktal gereist. Von der Region haben sie aber trotzdem – höchstwahrscheinlich jedenfalls – nur wenig gesehen. Höchstens das Innere von Kirchen. Oder vielleicht einmal ein Pfarrhaus.

Die hängende Kreuzigungsgruppe in der Pfarrkirche Zeihen ist von Schupfart nach Zeihen gereist. Dass Kirchenschmuck herumgereicht wird, ist allerdings nichts Ungewöhnliches. Viel ist nicht bekannt über das Kruzifix und die beiden Statuen von Maria und Johannes. Nicht einmal der Name des Künstlers, der die Kreuzigungsgruppe im 18. Jahrhundert erschaffen hat.

Ihre Geschichte beginnt in der Kirche Schupfart. Diese wurde im 18. Jahrhundert mehrmals renoviert und umgebaut. Ein neuer Chor und die Renovation des Kirchenschiffs (1720er-Jahre), Neubau der Sakristei (1749). 1796 wurde die Kirche neu erbaut, weil der Zustand der alten zu instabil war. Auch die Ausstattung des Innern wurde ersetzt, inklusive Kirchenschmuck und Kunstwerke.

Im Amt war damals Pfarrer Franz Josef Bregenzer. Es ist gemäss dem Ueker Historiker Linus Hüsser möglich, dass einige Kunstwerke – auch die Kreuzigungsgruppe – nach dem Abriss der Kirche in den Besitz des Pfarrers überging. Bregenzer wechselte im Jahr 1807 nach Obermumpf und amtete bis zu seinem Tod im Jahr 1833 als Pfarrer. Danach übernahm Pfarrer Johann Nepomuk Fischer, wobei dieser auch die Kunstwerke, die Bregenzer von Schupfart mitgebracht hat, übernommen hat. Und aus dem Jahr 1834 stammt auch eine Quittung, die den Verkauf der Kreuzigungsgruppe nach Herznach belegt.

Linus Hüsser ist eher zufällig auf die Geschichte dieses Kunstwerkes gestossen – im Kirchgemeindearchiv von Zeihen. Verkauft wurde der Kirchenschmuck von Pfarrer Fischer für 64 Franken. Der Käufer war Karl Borromäus Häseli, der damals Pfarrer in Herznach war und gleichzeitig auch für Zeihen zuständig war, bis dieses 1851 zu einer eigenständigen Kirchgemeinde wurde. Mit dem Verkauf der Kreuzigungsgruppe konnten die Nachkommen von Bregenzer eine Jahrzeit für den Verstorbenen stiften. Hüsser geht davon aus, dass der Pfarrer den Schmuck selber bezahlt hat. «Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Pfarrer damals mit ihrem Vermögen an Kirchenausbauten und Kirchenschmuck beteiligt haben», sagt Hüsser.

Aufgrund dieser Geschichte geht Hüsser davon aus, dass die spätbarocke Kreuzigungsgruppe einst Teil der Innenausstattung der alten Schupfarter Kirche war.