Frick

Als das Fricktal zum Aargau kam - die Grenzregion im 19. Jahrhundert

Michaela Stalder studiert Anglistik und Geschichte.

Michaela Stalder studiert Anglistik und Geschichte.

«Neue Grenze am Fricktalisch-Badischen Hochrhein – Geschichte einer jungen Grenzregion im 19. Jahrhundert»: Unter diesem Titel referierte Michaela Stalder im Kornhauskeller.

Im Rahmen der Wintervortragsreihe der Fricktalisch-Badischen Vereinigung referierte Michaela Stalder im Fricker Kornhauskeller zumThema «Neue Grenze am Fricktalisch-Badischen Hochrhein – Geschichte einer jungen Grenzregion im 19. Jahrhundert». Stalder erwirbt derzeit an der Universität in Fribourg den Bachelor of Arts in Anglistik und Geschichte und hat sich im Rahmen ihres Studiums intensiv mit dem Thema befasst.

Nach der vernichtenden Niederlage der Österreicher gegen die Franzosen in der Schlacht bei Hohenlinden im Dezember 1800 wurde drei Monate später die völkerrechtliche Grundlage für eine endgültige Grenzziehung geschaffen. Das Fricktal wurde von Vorderösterreich getrennt, der Hochrhein wurde 1801 zur Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Die Städte Laufenburg und Rheinfelden konnten sich mit der neuen Situation schwer anfreunden, kurzzeitig entstand 1802 der Kanton Fricktal, der jedoch schon 1803 zum neu geschaffenen Kanton Aargau kam. Insgesamt keine einfache Sache, denn die Region am Hochrhein war seit Jahrhunderten eine wirtschaftliche und infrastrukturelle Einheit, verbunden über den Fluss durch Furten, Brücken, das alte römische Strassennetz und eine rege Handelstätigkeit. Die rechte Uferseite kam zum 1806 gegründeten Grossherzogtum Baden.

Mitspracherecht in Aarau

Referentin Michaela Stalder beleuchtete in ihren Ausführungen das Fricktal von Laufenburg bis Rheinfelden wirtschaftlich, politisch und kulturell nach dieser Neuordnung. Sie zeigte die nicht ganz einfache Identitätsfindung und Annäherung der Menschen an ihre Schweizer Landsleute auf. Das Zusammenschweissen der kulturhistorisch unterschiedlichen Regionen war schwierig, doch der Kanton Aargau kam den neuen Mitbürgern entgegen bei Bauprojekten und durch Mitbestimmung in der Regierung.

Als 1835 das Grossherzogtum Baden dem Deutschen Zollverein beitrat, brachte das für die Fricktaler enorme Probleme, etwa in der Handelsfreiheit sowie der weiteren Benutzung des Wegenetzes. Doch aus dieser Krise erwuchs eine neue Kraft.

In den 1840er-Jahren entdeckte man bei Rheinfelden grosse Salzvorkommen mit enormem wirtschaftlichem Potenzial, das bis heute anhält. Das weltweit bekannte Salinehotel mit seinem regen Kurbetrieb eröffnete 1862, ab 1875 dampfte die Bözbergbahn durchs Fricktal, Rheinfelden bekam einen Schweizer Bahnhof mit Direktanschluss für die Fabriken. 1898 war das Feldschlösschen die grösste Brauerei in der Schweiz. In den 1890er-Jahren begann in Rheinfelden der Bau des Wasserkraftwerkes, wenig später entstand in Laufenburg ein weiteres.

Unterschiedliche Entwicklung

Die politischen Systeme in den zwei Ländern entwickelten sich unterschiedlich. Im jungen Nationalstaat Schweiz waren elementare Freiheitsrechte fest verankert und 1848 wurde mit der Bundesverfassung aus dem eidgenössischen Staatenbund ein Bundesstaat mit einem siebenköpfigen Bundesrat. Im Grossherzogtum Baden gab es wie in der Schweiz ein Zweikammersystem mit gewählten Volksvertretern. Doch diese liberale Einrichtung in Baden wurde bald wieder liquidiert, mit weitreichenden Einschränkungen der Freiheitsrechte, auch der Pressefreiheit. Badische Journalisten versuchten, vom Fricktal aus tätig zu werden. 1848 kam es zur Badischen Revolution.

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