Wallbach

Alles musste weg: Der Andrang an die Liquidation der Renus Group war gross

Am Freitag fand die konkursamtliche Liquidation der Renus Group AG in Wallbach statt. Von Schraubenschlüsseln über Büromaterial bis hin zu Fahrzeugen war alles zu haben.

Im Eifer des Gefechts gibt es auch mal einen blutigen Finger. Kurz nach 14 Uhr wird das weiss angestrichene Eingangstor zu den Hallen der ehemaligen Renus Group AG in Wallbach zur Seite geschoben. Was dann folgt, beschreibt wenig später ein junger Mann mit den Worten «wie die Hyänen».

Wie die Hyänen also stürzen sich die Anwesenden – es sind einige hundert Personen, die allermeisten Männer – auf das, was von der konkursiten Baufirma noch übrig geblieben ist. Links geht es zur Spenglerei, rechts zur Schreinerei, im ersten Stock sind die Büroräumlichkeiten.

Es ist die konkursamtliche Liquidation der Baufirma. Auf der Inventarliste stehen weit über 500 Gegenstände – von Schraubenschlüsseln über Stichsägen, Akkubohrmaschinen, Werkzeugkisten und Kabelrollen bis hin zu Schreibtischen und Bürostühlen.

Auch 21 Fahrzeuge oder Anhänger werden verkauft. Den Wert des gesamten Inventars möchte Liquidator Jakob Aeschlimann gegenüber der AZ nicht genau beziffern. Es handle sich aber um einen sechsstelligen Betrag, sagt er.

Handwerker decken sich mit Werkzeugen ein

Die Interessenten kommen aus der halben Schweiz. Darauf zumindest lassen die Nummernschilder der Fahrzeuge auf dem Parkplatz und entlang der Quartierstrassen schliessen – der Anlass löst im Dorf ein kleines Verkehrschaos aus. Einige Handwerksbetriebe sind mit Lieferwagen da, neben Schreinern und Spenglereien auch Küchenbauer und Dachdecker. Aber auch private Käufer sind gekommen.

Sie reissen Schubladen auf, leeren Kisten aus, schleppen Maschinen herum, schieben ganze Wagen voll Material weg. Es braucht durchaus auch Ellenbogeneinsatz, um sich durchzusetzen. Der junge Mann liegt mit seinem Hyänen-Vergleich nicht ganz falsch.

Mitten im Gewusel in den Hallen fällt allerdings eine Frau auf. Sie steht ruhig in einer Ecke, beobachtet das Schauspiel mit einem fassungslosen Blick. Ihr Ehemann habe lange Jahre im Unternehmen gearbeitet und sich nach dem Konkurs selbstständig gemacht, sagt sie.

An der Liquidation wolle er sich einige Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände für den eigenen Betrieb kaufen. «Wir wurden vom Andrang völlig überrascht», sagt die Frau, fügt dann an: «Es stimmt mich traurig, das so zu sehen. Es bedeutet, dass es nun wirklich zu Ende ist mit dem Unternehmen.»

Auf dem Hof der Baufirma bildet sich rasch eine lange Schlange. Die Verkäufer in den roten Westen kommen kaum nach mit Abrechnen und Einkassieren. Bezahlt wird alles in bar, bei grösseren Summen wird auch eine Anzahlung akzeptiert. So manch ein Bund mit Tausendernoten wechselt den Besitzer. Und das Inventar der Renus Group AG verschwindet nach und nach in alle Richtungen.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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