Kreisverkehr

Alles dreht sich im Kreise, im Fricktal: Ein Rundumblick

Mit dem Kreisel in Wallbach ist das letzte dieser Bauwerke fertiggestellt. Welche Kreisel machen Sinn, welche sorgen für Verwirrung? Der Test.

Die Nummer 22 ist geboren. «Der Kreisel in Wallbach wird in den nächsten Tagen fertiggestellt», erklärt der stellvertretende Kantonsingenieur Matthias Adelsbach gegenüber der az. «Es müssen nur noch kleinere Anpassungen vorgenommen werden.» Damit können die Fricktaler nunmehr an 22 Orten ihre Runden drehen – allein auf Kantonsstrassen. Hinzu kommen noch ungezählte Kreisel auf Gemeindestrassen.

Und? Ist es hübsch, das jüngste Baby im Kreiselland Aargau (163 sind in Betrieb, 5 im Bau, 46 projektiert, für 37 gibt es Studien)? Ganz passabel, ganz gefällig, noch wirkt es allerdings – wie jedes Neugeborene – etwas schrumpelig, die (Gras-)Haare stehen noch wirr in der Landschaft.

Dies, obwohl der Wallbacher Kreisel eine lange Schwangerschaft hinter sich hat. Nach mehreren schweren Unfällen, die zum Teil Todesopfer forderten, richtete man 2009 einen «Testkreisel» ein. Dieser bewährte sich und so baute man nun das Provisorium zum Definitivum um.

Kein weiterer Kreisel geplant

Mit dem Wallbacher Kreisel schliesst sich der Rundfahr-Kreis im Fricktal zumindest vorläufig: Laut Adelsbach ist derzeit auf Kantonsstrassen kein weiterer Kreisel geplant. Der richtige Zeitpunkt also für einen augenzwinkernden Rundumblick:

  • Am Rundesten fährt man in Kaiseraugst: Vier Kreisel laden hier zum Rundendrehen ein.
  • Die meiste Strahlkraft hat der Kreisel in Wegenstetten: Fünf Strassen münden in ihn. Alle anderen müssen sich mit drei oder vier «Strahlen» begnügen.
  • Ans Herz geht der Kreisel in Möhlin: Er erhielt in diesem Jahr einen Bypass.
  • Den trinkfestesten Eindruck macht der Kreisel bei der Abzweigung ins Mettauertal: In seiner Mitte wachsen Reben. Der Wein, so es ihn gäbe, trüge wohl den Namen: Pinot Blei.
  • Der Schwerverkehr macht den Kreisel-Gestaltern bisweilen einen Strich durch die Rechnung – und dies wortwörtlich: Damit die Brummis beim Zoll in Laufenburg überhaupt um das Ding herumkommen, muss ein Teil der Kreiselinsel befahrbar bleiben.
  • Die Gestaltung der Kreisel könnte unterschiedlicher nicht sein: Während einige Gemeinden tief in die Tasche greifen und wahre Kunstwerke in die Kreiselmitte setzen, lassen es andere bei dürren Büschchen bewenden. Was das wohl heisst? Geiz ist geil? Oder man zeigt, was man hat? Offen bleibt’s.
  • Für die meisten Stirnrunzeln – mache sagen: Sorgenfalten – ist der Kreisel beim Coop in Frick besorgt. Da fährt man, nichts ahnend, vom Dorf her in den Kreisel, will selbigen bei der ersten Ausfahrt verlassen und in Richtung Eiken weiterfahren – doch, o weh!: Bei der Ausfahrt vom Coop wartet ein Automobilist darauf, die Strasse zu queren und in den Kreisel einzufahren. Was nun? Blinke ich vorschriftsgemäss, wenn ich den Kreisel verlasse – und laufe Gefahr, dass der Wartende meint, ich sei auf Shopping eingestellt und losfährt? Oder blinke ich nicht und missachte die Verkehrsregeln? Viele wählen letztere Variante. Die Polizei, dein Freund und Helfer, hilft weiter: «Wer vom Coop her in die Hauptstrasse nach rechts in Richtung Eiken oder zum Kreisel einfahren will, ist vortrittsbelastet, weil die Grubenstrasse mit dem Signal ‹Kein Vortritt› signalisiert ist», erklärt Polizeichef-Stellvertreter Markus Erni. Will heissen: «Der Fahrzeuglenker auf der Grubenstrasse muss sich vergewissern, ob der Fahrzeugverkehr, welcher den Kreisverkehr verlässt, wirklich zum Coop einbiegt, oder Richtung Eiken fährt.» Im Falle eines Unfalles «müsste die Schuldfrage im Hinblick auf die Signalisation wegen Missachten des Vortrittrechts geprüft werden». Bislang ist es beim Konjunktiv geblieben.

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