Wer regelmässig durch Gipf-Oberfrick fährt, der kennt sie: Ranjitham Perampalam. Die 53-Jährige aus Sri Lanka lotst seit bald 15 Jahren Kinder auf dem Schulweg über den Fussgängerstreifen zwischen Gemeindehaus und Raiffeisenbank. Kaum grösser als die Kinder, über den Kleidern eine leuchtend gelbe Weste, schreitet sie jeweils mit strammem Schritt, erhobenem Arm und Stopp-Schild in der Hand in die Mitte der Strasse. Die Kinder gehen erst los, wenn sie ihnen mit der freien Hand das Zeichen gibt, ein kurzes Winken. Viele bedanken sich.

Jeden Tag im Einsatz

Ranjitham Perampalam lebt seit rund 25 Jahren in der Schweiz. Sie floh, gemeinsam mit dem Mann und den beiden Kindern, vor dem Krieg in ihrer Heimat. Ihre Kinder sind mittlerweile erwachsen, ein Enkel besucht die Schule in Gipf-Oberfrick. «Aber er hat einen anderen Schulweg», sagt Perampalam. Sie hilft trotzdem – den anderen Kindern aus dem Dorf. «Ich helfe den Kindern gerne», sagt Perampalam und lächelt. Natürlich sei der Stundenlohn auch ein willkommener Zustupf. Aber: «Mir macht diese Arbeit immer noch viel Freude. Ich mache es sicher nicht nur wegen dem Lohn.»

Seit 2001 gibt es in Gipf-Oberfrick den Lotsendienst für die Schülerinnen und Schüler. Perampalam ist seit dem Start dabei. Täglich steht sie an der Strasse, morgens 45 Minuten, vor dem Mittag noch einmal 45 Minuten und auch nach dem Mittag 45 Minuten. Die Abendschicht übernimmt ein anderes Mitglied des Lotsenteams.

Sie kennt viele der Kinder vom Sehen, weiss, wer etwas mehr Beachtung braucht und wann besondere Vorsicht geboten ist. «Am Dienstag und Donnerstag läuft über Mittag viel, weil dann auch Kindergärtler unterwegs sind», sagt sie.

Mehr Verkehr, gestresste Fahrer

Aber auch die Marotten der Automobilisten kennt die Verkehrslotsin. Immer mal wieder winkt einer freundlich, lächelt oder nickt beim Vorbeifahren. Aber auch gestresste und genervte Menschen trifft sie jeden Tag. Jene etwa, die Gas geben, sobald sie den Fuss aufs Trottoir gesetzt hat. Sie zuckt mit den Schultern.

«Es hat immer mehr Verkehr. Und immer mehr Leute haben es eilig», sagt Ranjitham Perampalam. Für umso wichtiger hält sie ihre Aufgabe – vor die Kinder hinzustehen, wenn diese über die Strasse müssen. Ans Aufhören hat sie jedenfalls noch nicht gedacht.