«(…) jeder Mensch, sollte das, was ihm zustösst, als Instrument ansehen; alle Dinge sind ihm zu einem Zweck gegeben worden, (…). Alles, was ihm widerfährt, einschliesslich der Demütigungen, Beschämungen, Missgeschicke, all dies ist ihm als Tonerde (…) gegeben; er hat es zu nutzen.» Dieses Zitat vom 1986 verstorbenen argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges ist nicht nur eine Einsicht, die Mirjam Musica besonders schätzt, sondern zugleich das Ziel ihrer Arbeit als philosophische Lebensberaterin beispielhaft charakterisiert.

«Die Philosophie hat mich ein Leben lang fasziniert», beschreibt Mirjam Musica ihre Liebe zur Weisheit, die seit früh auf bis heute ungebrochen fortdauert. Ursprünglich arbeitete sie als Bibliothekarin, machte später auf dem zweiten Bildungsweg die Matur und studierte danach an der Universität Basel Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Heute doziert sie Berufsethik an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Luzern und führt in Rheinfelden die Philosophische Praxis Arete.

Unterstützung in allen Lebenslagen

Menschen in allen Lebenslagen kommen zu ihr und suchen nach Rat bei Problemen, die das Leben selber stellt. Sei es eine berufliche Neuorientierung, Ungewissheit über die eigene Zukunft oder gar drängende Fragen zur menschlichen Existenz im Allgemeinen, mithilfe der Philosophie steht ihnen Mirjam Musica unterstützend zur Seite. «Grundlagen für Lösungsansätze kann man in den Ideen der Philosophen finden», erklärt die Lebensberaterin und verweist auf Denker wie Karl Jaspers, Jean-Paul Sartre oder die Stoiker.

In den Beratungsgesprächen werden bei Gelegenheit Textpassagen aus den Werken der Philosophen diskutiert, die mit der Problemlage der Ratsuchenden in Zusammenhang stehen. «Die philosophische Praxis grenzt sich von der Beratungsform des Coachings ab. Sie folgt keiner spezifischen Methode und vermittelt auch nicht im Sinn einer Lehre die eine, ‹richtige› Deutungsperspektive», beschreibt Mirjam Musica ihre beratende Tätigkeit.

Vielmehr versucht sie, zusammen mit den Klienten, den grösseren Bedeutungszusammenhang eines Problems zu durchleuchten und mit der konkreten Lebenssituation des Ratsuchenden in eine Beziehung zu setzen. Im Spiel mit verschiedenen Sichtweisen sollen unterschiedliche Blickwinkel auf einen Sachverhalt eröffnet werden und aus der differenzierten Betrachtung unerkannte Perspektiven oder Handlungsmöglichkeiten aufgedeckt werden.

Unangenehmes annehmen

«Es geht vordergründig nicht darum, ein Problem mit einem Patentrezept möglichst schnell zu lösen», führt Mirjam Musica weiter aus. Krisenhafte Situationen begreift sie auch als Chancen, die mit der richtigen Haltung fruchtbar gemacht werden. Die Philosophische Praxis zielt als Form der Lebensberatung letztendlich darauf ab, den Ratsuchenden ein Stück weit aus der Befangenheit von schwierigen Situationen zu lösen und ihm die Fähigkeit lehren, auch unangenehme Widerfahrnisse mittels einer angemessenen Distanznahme anzunehmen. «Es gilt nicht, etwas schönzureden, sondern sich zu fragen: Was kann ich damit anfangen?», gibt Mirjam Musica – auch ganz im Sinne des einleitenden Zitates – weiter zu bedenken. Sie versteht in diesem Zusammenhang die Philosophie als eine gedankliche Bewegung hin zu mehr Freiheit und als eine Tendenz zu grösserer Souveränität.

Zwei Bücher entstehen

Neben der Arbeit als philosophische Lebensberaterin und den verschiedenen Lehraufträgen schreibt Mirjam Musica zurzeit parallel an zwei Büchern. Das erste widmet sich der weiblichen Emanzipation und untersucht deren Folgeschwierigkeiten im Sinne von neu aufgetretenen Zwängen einer Befreiung, die sich in ihr Gegenteil verkehrt. Das zweite trägt den Arbeitstitel «Der Anticoach» und ist als philosophischer Ratgeber mit praktischen Übungen angedacht. Daneben setzt sie sich mit anderen Projekten dafür ein, die Philosophie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Immer wieder hält sie öffentliche Vorträge und unternimmt regelmässig philosophische Wanderungen, wo sie Philosophie lebensnah vermittelt. «Ich freue mich, wenn ich sehe, dass solche Veranstaltungen die Leute auch emotional berühren.» Seit längerem ist sie darum bemüht, in Rheinfelden einen Philosophischen Salon ins Leben rufen. «Was ist ein gutes, gelungenes Leben? Was ist das höchste Gut oder was soll ich tun? Das sind grundlegende Fragen, mit denen sich der Mensch im Verlauf seines Lebens fast zwingend auseinandersetzt», erklärt Mirjam Musica und verweist auf den Wert der Philosophie, die wichtige Anhaltspunkte für die Auseinandersetzung mit diesen zentralen Themen liefert.