Tiefenlager

AKW-Kritiker Wildi: «Wir wollen die Leute wachrütteln»

AKW-Kritiker Walter Wildi (Archiv)

AKW-Kritiker Walter Wildi (Archiv)

Professor Walter Wildi hat mit seinem Rücktrittsschreiben an Bundesrätin Doris Leuthard am 10. August für Schlagzeilen gesorgt. Nach seinem Austritt aus dem Beirat für Entsorgung referiert er in Frick.

Professor Walter Wildi hat mit seinem Rücktrittsschreiben an Bundesrätin Doris Leuthard am 10. August für Schlagzeilen gesorgt. Am Sonntag tritt der gebürtige Aargauer und ehemalige Präsident der Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen erstmals seit seinem Rücktritt als Beirat Entsorgung in Fricks Monti öffentlich auf.

Wildi folgt der Einladung von acht atomkritischen Organisationen ins Fricktal. Der Geologieprofessor hatte sich im Rahmen seiner Diplomarbeit und beruflichen Karriere eingehend mit der Geologie im und um den Bözberg auseinandergesetzt. Die Anfrage aus dem Fricktal habe gezeigt, dass zum Thema Endlagerung von radioaktivem Abfall grosse Unsicherheit besteht. «Wenn es so viele Fragen gibt, gebe ich gerne Auskunft», sagt Wildi. Die Besucher dürfen eine geballte Ladung an Informationen zur Standortwahl für radioaktive Abfälle, zum Partizipationsverfahren und der Rolle der Nagra erwarten.

Der Universitätsprofessor wird zuerst aufzeigen, welche Abfälle in der Schweiz anfallen und welche nicht. Dann wird er erläutern, warum die Lagerung in geologischen Tiefen erfolgen soll. Wildi wird das Multibarrieren-Konzept für die Lagerung vorstellen und den aktuellen Stand im Sachplanverfahren aufzeigen. Bevor er auf die Hauptfehler der Nagra eingeht, wird er die zur Diskussion stehenden Zonen am Bözberg präsentieren. Mit Empfehlungen wird er sein Referat abschliessen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

Elisabeth Burgener, Co-Präsidentin der Organisation «Kein Atommüll im Bözberg» (KAIB) und Mitorganisatorin, will mit dieser Veranstaltung eine sach- und themenorientierte Diskussion anregen: «Unsere Aufgabe ist es, die Leute wachzurütteln.» KAIB forderte an der letzten Generalversammlung in einer Resolution, die Regionalkonferenzen zu sistieren. «Was Walter Wildi auf nationaler Ebene bemängelt, kritisieren wir an der Basis», so Burgener.

Nach dem Referat wird der Dokumentarfilm «Into Eternity» (Bis in alle Ewigkeit) von Michael Madson gezeigt. Der Film thematisiert den absurd hohen Aufwand, der betrieben werden muss, um sicherzustellen, dass keine Lebewesen den radioaktiven Abfall wieder ausgraben werden. Am Beispiel des ersten Endlagerbaus in Finnland wird die Aufgabe mit feinem Humor dargestellt. Die Veranstaltung ist eine Gelegenheit für die Öffentlichkeit, sich aus kritischer Sicht mit der Atommüll-Lagerung in der Region auseinanderzusetzen.

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