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Afrikaner sind im Circus Nock der Hit, doch auch die Araber gefallen

In der 154. Nock-Saison kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Und die gelebte Tradition bedeutet noch lang keinen verstaubten Zirkus.

Rote Primeli, gelbe Narzissen und auf der Fricker Ebnet ein rot-gelbes Chapiteau: Der Winterschlaf ist vorbei, die Natur erwacht und mit ihr – hurra – beginnt die neue Zirkus-Saison. Für den Nock ist es die 154ste und in der Manege stellt mit Francesco Nock die 8. Generation anschaulich unter Beweis, dass Akrobatik, Clownerie, Illusionen und Tierdressur – schillernd kostümiert und mit Sägemehlduft parfümiert – auch mich seit einer kleinen Ewigkeit in Bann ziehen.

Zirkus als solcher hat in den vergangenen Jahrzehnten viele verschiedene Gesichter bekommen, das Seiltanzen unter freiem Himmel ist längst passé. Aber beim Nock ist nach wie vor eine gehörige Portion Tradition Trumpf. Was nicht heissen will, dass verstaubte Nostalgie die Luft unterm Chapiteau stickig macht. Der Beweis beginnt schon bei der aussergewöhnlich raffinierten Beleuchtung dieses Jahr. Und setzt sich fort in einem wundervollen Programm. Während drei Stunden kann ich meinen Mund vor lauter Verblüffung kaum zubringen: Artistinnen und Artisten aus acht Nationen tauchen mich ein in Wechselbäder von Staunen und Lachen, Bewunderung und Bammel. Welche Nummern gefällt mir am besten? Eine schwierige Frage!

Ist es das (Angst)schweisstreibende Todesrad mit dem 20-jährigen Francesco Nock und seinem Vater Mikel Stoichev? Oder wie die beiden zusammen mit einem dritten Mann auf ihren Motorrädern in der Todeskugel herumkurven, sodass mir vor lauter Dröhnen das Hören und vor lauter Waghalsigkeit das Sehen vergehen? Froh bin ich jedenfalls, dass mir nach solch furchterregenden Mutproben – aber nicht nur da – Gaston & Roli äusserst wohltuende Entspannung bieten: Seit 15 Jahren sind sie als Clowns ein Paar – die Ideen für kleine, feine Pointen und witzige Überraschungen gehen ihnen nie aus.

Auf Pferdedressur stehe ich nicht besonders. Doch Franziska Nocks neue Nummer mit Arabern, Friesen, zwei Kamelen und zwei Eseln gefällt mir sehr gut, und vor ihrer perfekt gerittenen Hohen Schule ziehe ich den Hut. Dass mich, die ich von mir behaupte im letzten Leben ein Hund gewesen zu sein, die Kapriolen und Kunststücke der fünf weissen Pudel von Monica Rivoli begeistern, liegt auf der Hand. Solches tun nicht minder die Zaubereien des charmanten Magiers Sandro Rivoli. Ach, könnte ich doch nur einmal, ein einziges Mal, hinter den Trick mit der zerstochenen Jungfrau blicken...

Was ist es denn nun aber, das mich am Nock 2014 am allermeisten fasziniert? Die gestählten Körper der Zwillingsbrüder aus Usbekistan sind zwar imposant, ihre Hand-auf-Hand-Nummer für mich allerdings etwas zu sehr ein Déjà-vu. Ganz anders hingegen die Nummer der Antipodistin Romy Megam, die sie auf hohem Niveau und sehr originell umsetzt. Auf dieselbe Weise überzeugen mich Francesco Nock und Simona Gheorghe in ihrer ebenso kraftvollen wie eleganten Strapaten-Nummer.

Meine Favoriten dieses Jahr aber sind ganz eindeutig die Artisten aus Afrika. Zum einen die vier bildhübschen jungen Äthiopierinnen, die ihre Körper mit so viel lächelnder Leichtigkeit biegen, verdrehen, stapeln, dass das Zuschauen atemberaubende Wonne ist. Zum andern habe ich selten über eine Ikarier-Nummer so restlos gestaunt wie die des Äthiopiers, der auf seinen Füssen einen halbwüchsigen Buben schwerelos durch die Luft wirbelt – komplizierte Salti inklusive. Der langen Schreibe kurzer Sinn: Das neue Nock-Programm stärkt meine Schwäche für den Zirkus enorm.

*Rosmarie Mehlin bezeichnet sich als nostalgisch angehauchte Puristin und hält dem «Nock» deshalb seit bald 30 Jahren begeistert auch die Treue.

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