Rheinfelden
Adieu, Bierkutscher Vik

Viktor Stocker lenkt seit Jahrzehnten die Feldschlösschen-Brauereipferde. Am 22 November, exakt an seinem 65. Geburtstag, sitzt Stocker ein letztes Mal auf seinem geliebten Kutschbock und lenkt zwei kräftige Brauereipferde, die den Wagen ziehen.

Peter Rombach
Drucken
Teilen
Viktor Stocker bringt das Bier in die Altstadt von Rheinfelden.

Viktor Stocker bringt das Bier in die Altstadt von Rheinfelden.

Bald ist Schluss. Am 22 November, exakt an seinem 65. Geburtstag, sitzt Viktor Stocker ein letztes Mal auf seinem geliebten Kutschbock und lenkt zwei kräftige Brauereipferde, die den Wagen ziehen. Stocker liefert Bier und andere Getränke an Gastronomen in der Rheinfelder Altstadt aus.

Der «Vik», wie ihn gute Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen in Kurzform nennen, ist eine Frohnatur, ein bescheidener Mensch. «Ich bin ein normaler Stallbursche und Bierkutscher», lacht der erfolgreiche Pferdepfleger. Viktor Stocker aus Obermumpf (Jahrgang 1947) wirkt und wirbelt schon seit 1975 in den Ställen der Brauerei Feldschlösschen und umsorgt liebevoll die stämmigen Brauereipferde, die einer belgischen Zucht entstammen.

Von einer Kutschentour durchs Städtli ist er an diesem Freitagnachmittag zurück, hat Leergut von der Gastronomie abgeladen und die Pferde ausgespannt. Viel schwitzen mussten die Rosse nicht. Sie stampfen fast von alleine zu ihren Stallplätzen, nachdem sie vom Zaumzeug befreit wurden. Reden, schieben und freundschaftliches Klatschen oder ein Streicheln über die Nüstern gehören zum Ritual nach getaner Arbeit für die Pferde. Mit der Heugabel stopft Viktor gegen Abend noch das Heu in die Futterklappen: Nacht-Ration für die Pferde. Insgesamt kümmern sich vier Fuhrmänner um die acht Brauereipferde.

Einsatz an vielen Wochenenden war für Stocker eine Selbstverständlichkeit. «Da muss die Familie schon viel akzeptieren.» Mit dem imposanten Sechsspänner von Feldschlösschen tourte er durch die ganze Schweiz, präsentierte damit die Brauereipferde: Spengler-Cup in Davos, Mustermesse Basel, Tour de Suisse der Radsportler, Schwinger-Events.

Nicht zu vergessen seit ein paar Jahren das Weihnachtsfunkeln vor dem ersten Advent in der Rheinfelder Altstadt. Dann ist der Sechsspänner auch mit Lichterketten dekoriert, Freibier wird ausgeschenkt. Der Anlass steht jetzt für 30. November auf der Agenda, diesmal ohne Viktor. Aber die Schau der Rösser ist weiterhin gefragt.

Wer dann weihnachtliche Melodien auf der Trompete blasen wird, ist bislang nicht geklärt. Stocker hat meistens sein geliebtes Instrument dabei, wenn er auf dem Kutschbock sitzt. «Schon als Bub hat mich die Musik interessiert. Bei einem Militärtrompeter nahm ich mal einen Kurs.»

Die Trompetenstösse des Fuhrmanns hoch auf der Kutsche sind schweizweit ein Markenzeichen bei grossen Events mit dem Sechsspänner, nicht nur im Rheinfelder Städtli. «Ich kann zwar Noten lesen, spiele aber lieber freiweg.» Dies gilt auch, wenn er in geselliger Runde die Tasten seines Akkordeons bearbeitet; mitunter einhändig, in der anderen Hand die Trompete: Stocker ist ein Musiktalent.

Lächeln, flotte Sprüche, mit den Neugierigen plaudern und das Schaffen mit den Pferden erklären, gelten als Markenzeichen vom «Vik», wenn er auf dem Kutschbock unterwegs ist. Dass er zu den beliebtesten Foto-Objekten in der Schweiz zählt, nimmt Stocker freudig-gelassen hin, genauso wie die Fernsehauftritte.

Im April 1963 hatte er die Brauerlehre angefangen. Mit der vertraglichen Verpflichtung, nach der Ausbildung auf Wanderschaft zu gehen und auch andere Brauereien kennen zu lernen. «Ich ging nur dorthin, wo Pferde waren. Weil ich halt vom Pferdevirus infiziert bin», schmunzelt der künftige Pensionär.

Aktuelle Nachrichten