Fricktal

Adel Abdel-Latif: «Die Fricktaler Natur inspiriert mich»

«Als wir das Haus und die Wohnlage sahen, war für uns klar: Das ist es»: Adel Abdel-Latif über seinen neuen Wohnort. Karin Pfister

«Als wir das Haus und die Wohnlage sahen, war für uns klar: Das ist es»: Adel Abdel-Latif über seinen neuen Wohnort. Karin Pfister

Mediziner, Kickboxer und Ex-Mister-Schweiz Adel Abdel-Latif über seine neue Heimat, die Familie, das Schreiben und seine Rolle als Schattenverhandler.

Adel Abdel-Latif ist Verhandlungsprofi, Familienvater, Arzt, Kickbox-Weltmeister, Autor des Verhandlungsratgebers «Quick und Dirty», Unternehmer, Ex-Mister-Schweiz und glücklicher Neu-Fricktaler. Er wohnt mit seiner Frau Alif Simone und seiner vierjährigen Tochter Soraya seit knapp einem Jahr in einem kleinen Dorf im oberen Fricktal.

Warum haben Sie sich fürs Fricktal als Wohnort entschieden?

Adel Abdel-Latif: Ich komme aus Basel, meine Frau ist Lenzburgerin. Wir haben lange in der Innerschweiz gewohnt. Dort ist es auch schön, aber wir wollten etwas, das näher bei Basel liegt. Da ich beruflich viel unterwegs bin, habe ich es im Privatleben gerne ruhiger. Als wir das Haus und die Wohnlage sahen, war für uns klar: Das ist es. Unsere Tochter kann draussen überall spielen; die Atmosphäre des Dorfes ist familiär. Uns gefällt es sehr gut.

Wie gut kennen Sie das Fricktal und was gefällt Ihnen am besten?

Rheinfelden kenne ich schon länger. Meine erste Stelle als junger Arzt befand sich dort. Mir hat das «Kernige» der Fricktaler schon damals gefallen. Hornussen mit seinen historischen Gebäuden finde ich schön. Grundsätzlich schätze ich die Natur direkt vor der Haustüre. Das ist ein unbezahlbarer Wert. Ich bin oft in der Hektik von New York, London oder Berlin unterwegs. Kaum bin ich zu Hause im Fricktal, fahre ich automatisch herunter.

Sind Sie oft im Dorf anzutreffen?

Ja, wir nehmen aktiv am Dorfleben teil, indem wir Anlässe wie die Kinderfasnacht oder das Dorffest besuchen, und schätzen den unkomplizierten Umgang mit den Menschen. Es gab keinerlei Berührungsängste.

Würden Sie sich auch politisch im Dorf engagieren?

Im Moment fehlt mir dafür die Zeit. Aber grundsätzlich könnte ich mir vorstellen, auf dieser Ebene tätig zu werden. Allerdings nur, wenn mich die Einwohner auch möchten. Von mir aus würde ich kein Amt anstreben, aber wenn ich angefragt werden würde, würde ich mir das ernsthaft überlegen.

Vor 20 Jahren wurden Sie zum Mister Schweiz gewählt. Konnten Sie in Ihrem Amtsjahr etwas fürs Leben lernen?

Definitiv Zeitmanagement. Ich habe damals Medizin studiert, an meiner Doktorarbeit geschrieben und war als Mister Schweiz tätig. Das geht nur, wenn man sich alles genau einteilt und auch fähig ist, zu improvisieren, wenn es dann doch nicht nach Plan läuft. Diese Fähigkeiten waren mir auch in meinem weiteren Berufsleben von grossem Nutzen.

Sie sind Arzt und waren als Leiter der Brustkrebsdiagnostik in einer führenden Privatklinik in Luzern tätig. Warum arbeiten Sie nicht mehr als Arzt?

In meinem Herzen werde ich immer Mediziner bleiben, und manchmal fehlt mir die Medizin. Ich hatte schon während meiner Zeit als aktiver Arzt begonnen, als Unternehmer tätig zu sein, und habe zwei sehr erfolgreiche Firmen, eine im Bereich der Ärzterekrutierung, die andere im Bereich der Verhandlungsführung aufgebaut. Ich begann mich schon vor 25 Jahren mit der Verhandlungsführung auseinanderzusetzen und baute langsam und systematisch ein Klientennetz auf. Irgendwann kamen dann die «grossen» Aufträge aus Wirtschaft und Politik. Heute bin ich ausschliesslich weltweit als «Ghost Negotiator», als Schattenverhandler, tätig und gebe zusätzlich Seminare. Die Gegenseite sieht man dabei nicht am Verhandlungstisch; ich wirke beratend im Hintergrund und führe meine Klienten durch schwierige Verhandlungsprozesse mit dem Ziel, deren Verhandlungsinteressen konsequent durchzusetzen – dabei gehe ich auch sehr konsequent vor. Ich bin nun mal ein Mensch, der Herausforderungen liebt und sich gerne in Grenzsituationen aufhält.

Nehmen Sie alle Aufträge an, die an Sie herangetragen werden?

Nein. Ich habe meine ethischen Richtlinien. Ich helfe niemandem dabei, die Gegenseite zu betrügen.

Sie haben das Buch «Quick und Dirty» mit Tipps für das richtige Verhalten bei Verhandlungen geschrieben. Momentan arbeiten Sie bereits an einem zweiten Buch. Wovon handelt es?

Ehrlich gesagt will ich noch nicht zu viel verraten. Ich habe erst die ersten Kapitel geschrieben. Das Buch ist für jedermann und jederfrau geeignet. Seit ich herausgefunden habe, dass ich den Text meinem Handy diktieren kann und dieses den Text direkt aufschreibt, bin ich oft draussen unterwegs und schreibe quasi während des Gehens. Die Fricktaler Natur inspiriert mich dabei sehr.

Welche unerfüllten Träume haben Sie noch?

Ich habe viele Träume; einer davon wäre, jedes Jahr ein Buch zu schreiben. Das Wichtigste in meinem Leben ist für mich die Familie. Geschäfte sind gut, Familie ist immer wichtiger. Ich verbringe mindestens zwei Tage pro Woche zu Hause mit meiner Tochter. Ich koche für sie und spiele mit ihr. Ich wünsche mir, dass wir alle gesund bleiben.

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