Mehrkosten
Abwasser-Export nach Deutschland kommt Schwaderloch teuer zu stehen

Seit 1995 lässt die Fricktaler Gemeinde Schwaderloch das Abwasser im deutschen Albbruck klären. Nach der Schliessung der dortigen Papierfabrik ist diese nicht nur überdimensioniert, die Gemeinden müssen nun auch deutlich höhere Kosten tragen.

Hans Christof Wagner
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Die Kläranlage in Albbruck ist hoffnungslos überdimensioniert.

Die Kläranlage in Albbruck ist hoffnungslos überdimensioniert.

zvg

Die Gemeinde Schwaderloch merkt die Schliessung der Papierfabrik im deutschen Albbruck am eigenen Geldbeutel. Laut Gemeindeammann Rolf Häusler wurden früher pro Jahr rund 52 000 Franken für die Abwasserreinigung überwiesen. 2012 waren es dann 91 000 Franken, 2013 etwas weniger, nämlich 84 000 Franken.

Die Kläranlage in Albbruck war über viele Jahrzehnte vor allem eine betriebliche Anlage, bei der die Papierfabrik Albbruck rund 95 Prozent der Kapazität nutzte. Für die Gemeinden Albbruck, Dogern und Görwihl auf deutscher sowie Schwaderloch auf Schweizer Seite reichte der kleine Rest vollkommen aus.

Ohne Papierfabrik viel zu gross

Jetzt ist die Papierfabrik seit Ende 2011 geschlossen und leitet demzufolge auch nichts mehr ein. Und so ist die Kläranlage in Albbruck hoffnungslos überdimensioniert. «Sie ist wegen des hohen Abwasserbedarfs der Papierfabrik auf 140 000 Einwohnerwerte ausgelegt, wir leiten im Moment aber nur für 10 000 Einwohnerwerte ein», erklärt Stefan Kaiser, Bürgermeister von Albbruck und Vorsitzender des Abwasserzweckverbands Vorderes Albtal.

In diesem ist Schwaderloch zwar kein Mitglied, dennoch hat die Gemeinde einen Vertrag mit dem Verband, ihr Schmutzwasser nach Albbruck zu liefern, und muss sich auch an Investitionen beteiligen. Eine Leitung verläuft unter dem Schwaderlocher Steg auf die deutsche Rheinseite. «Der Anschluss an die Kläranlage der Papierfabrik war damals wahrscheinlich ökonomisch und ökologisch die beste Variante, um das Schmutzwasser zu reinigen», glaubt Gemeindeammann Rolf Häusler, seinerzeit noch nicht im Amt.

Ob das heute noch immer gilt, vor allem beim Ökonomischen, ist fraglich. Weil die Betriebskosten der Anlage auch nach Ende der Papierfabrik nicht weniger geworden sind, müssen die angeschlossenen Gemeinden jetzt weit mehr bezahlen als früher. Laut Kaiser hat der Abwasserverband vor der Schliessung rund 500 000 Euro pro Jahr bezahlt. 2012 seien es dann schon 850 000 Euro gewesen.

Auch auf Schwaderloch könnten neben den bereits erwähnten Mehrkosten noch weitere Nachzahlungen zukommen. Denn das Nachfolgeunternehmen der Papierfabrik, dem Kläranlage und Betriebsgelände gehören, fordert vom Abwasserzweckverband weitere 450 000 Euro allein für 2012. Dieser hält Teile der Forderung für unberechtigt. Schlichten soll den Streit jetzt das Landratsamt Waldshut.

Alternative wird gesucht

Spätestens bis 2015 muss eine Alternative zum jetzigen System gefunden werden. Der Verband prüft drei Varianten: Übernahme und Sanierung der bestehenden Kläranlage, den Bau einer neuen und die Weiterleitung des Abwassers nach Waldshut oder Laufenburg. Die jeweiligen Kosten, sagt Kaiser, könne er momentan nicht abschätzen.

«Wir verfolgen die Entwicklung in Albbruck sehr gespannt, aber auch ein bisschen beunruhigt», sagt Häusler. Und: «Wir werden mögliche Alternativen für unsere Abwasserbeseitigung prüfen.»

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