Möhlin
Abtretender Gemeindeschreiber: «Möhlin ist trotz seiner Grösse Dorf geblieben»

Dieter Vossen kam 2007 als Nachfolger des nach Rheinfelden gewechselten Roger Erdin als Gemeindeschreiber nach Möhlin. Nach zehn Jahren tritt er nun ab und erzählt von den Eigenheiten der Möhliner.

Nadine Böni
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Dieter Vossen beim Amtsantritt vor zehn Jahren. Nun nimmt er Abschied.

Dieter Vossen beim Amtsantritt vor zehn Jahren. Nun nimmt er Abschied.

AZ

«Mein Beruf ist meine Berufung», sagte der Möhliner Gemeindeschreiber Dieter Vossen bei seinem Amtsantritt vor zehn Jahren. Nun verlässt er die Gemeinde. Die az hat sich mit Vossen über die Eigenheiten der Möhliner, die politischen Herausforderungen der Gemeinde und seine persönliche Zukunft gesprochen.

Sie waren jetzt zehn Jahre in Möhlin. Sind Sie ein wenig zum «Mehler» geworden?

Dieter Vossen: Auf jeden Fall. Sowohl ich als auch meine Frau wurden wunderbar aufgenommen, obwohl wir nicht im Dorf wohnen.

Was zeichnet die Möhliner denn aus?

Sie sind von einem guten Schlag, etwas rau nach aussen, ein bisschen «hemdsärmelig», mit einem guten Herz – richtige Fricktaler eben. Trotz seiner Grösse ist Möhlin ein Dorf geblieben und das möchten die Möhliner auch in Zukunft bleiben. Das hat sich kürzlich an der Gemeindeversammlung deutlich gezeigt (lacht).

Sie sprechen es an: Möhlin ist bekannt für emotionale Gemeindeversammlungen. Ein Fluch oder ein Segen für die Gemeinde?

Das ist ein Segen. Hier lebt die Demokratie. Klar sind die Entscheide der Versammlung nicht immer leicht zu tragen. Aber es gilt, den Willen der Bevölkerung zu akzeptieren. Wobei auch festgehalten werden muss: Heiss diskutiert und abgelehnt wurden vor Jahren eine Einzonung und nun das Projekt beim Sportplatz Riburg. Ansonsten stiessen die bedeutenden Geschäfte an den Versammlungen auf grosse Akzeptanz. Ich erinnere etwa an den Hochwasserschutz.

Von Rohr nach Möhlin

Dieter Vossen kam 2007 als Nachfolger des nach Rheinfelden gewechselten Roger Erdin als Gemeindeschreiber nach Möhlin. Zuvor arbeitete er in Wil (Mettauertal) sowie während 22 Jahren in Rohr (Aarau) als Gemeindeschreiber. Vossen ist 64 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau Elisabeth in Rohr.

Diese bedeutenden Geschäfte vorzubereiten, gehörte zu Ihren Aufgaben – vermutlich nicht immer einfach?

Das war eine der grössten Herausforderungen für die Verwaltung, ja. Aber dank des hervorragenden Teams haben wir es immer geschafft, die Geschäfte verständlich und gründlich aufzubereiten.

Die grossen Geschäfte werden in Möhlin auch in Zukunft nicht fehlen. Welche Herausforderungen kommen auf die Gemeinde zu?

Zum einen geht es darum, wie es nach dem Nein zum Sportplatz mit den Geschäften Leigrube und Schulhaus weitergeht. Eine erste Klausur findet im Januar statt. Ziel ist es, bis Ende des kommenden Jahres Klarheit zu schaffen. Das prägende Thema wird daneben das Wachstum sein und bleiben. Es gilt, das Wachstum und den Wunsch der Bevölkerung, ein Dorf zu bleiben, in Einklang zu bringen. Das wird eine grosse Herausforderung.

Bei Ihrem Amtsantritt sagten Sie: «Mein Beruf ist meine Berufung». Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Bis Ende April bleibe ich bei der Gemeinde, um meinen Nachfolger Marius Fricker einzuarbeiten und noch verschiedene Projekte zu begleiten. Danach arbeite ich mit einem variablen Pensum in einem Treuhandbüro in der Gemeindeabteilung. Ich freue mich auf diese neue Aufgabe. Aber sicher wird mir die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und Kolleginnen auf der «Mehler» Verwaltung und mit dem Gemeinderat fehlen – und der alltägliche enge Kontakt mit der Bevölkerung.

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