Möhlin

Abgewähler SP-Grossrat Werner Erni: «Das wird mich eine Weile beschäftigen»

Werner Erni rutschte 2019 nach und muss seinen Platz nun wieder räumen.

Werner Erni rutschte 2019 nach und muss seinen Platz nun wieder räumen.

Der abgewählte SP-Grossrat Werner Erni über seine Enttäuschung, die möglichen Gründe für seine Abwahl und seine Zukunftspläne.

Nein, richtig verdaut hat Werner Erni die sonntägliche Schlappe noch nicht. 1936 Stimmen reichten dem Möhliner SP-Politiker nicht, seinen Platz im Grossen Rat zu halten. Nachdem er im Frühjahr 2019 für Peter Koller nachgerutscht war, ist er nun wieder raus. Stattdessen wurde mit 2271 Stimmen seine Magdener Parteikollegin Carole Binder-Meury gewählt. «Mir geht es gut. Ich bin heute am Arbeiten und komme deshalb auf andere Gedanken», sagt Erni am Montagmittag. Aber eben: Verdaut ist der Entscheid noch nicht.

«Ich habe mich gern und mit viel Einsatz für das Amt im Grossen Rat engagiert, deshalb ist es nicht möglich, das innerhalb eines Tages einfach abzuhaken. Das wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen.» Ausserdem sitze er ja noch bis Ende Jahr im Grossrat – «und ich habe noch einige offene Geschäfte, die ich, wenn möglich, abschliessen möchte», so Erni.

Immer wieder macht er sich Gedanken, woran es gelegen haben könnte. Aber: «Das ist schwierig zu sagen.» Erni sieht nicht einen ausschlaggebenden Grund, sondern vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Punkte. Er hat sich die Stimmenzahlen aus den Gemeinden angeschaut. «Wer diese analysiert, sieht, dass sowohl Carole als auch ich in unseren Gemeinden Magden und Möhlin viele Stimmen erhalten haben», sagt Erni und schliesst daraus: «Entschieden wurde die Wahl in Rheinfelden, wo Carole deutlich besser abgeschnitten hat.»

Als Mitgrund dafür wiederum vermutet Erni die Diskussionen rund um die Mittelschule und die Testplanung. «Von gewissen Personen und in den Medien wurde das teilweise so portiert, als sei die SP Möhlin generell gegen eine Testplanung für die Mittelschule – wobei ich an dieser Stelle nochmals betone: Das sind wir nicht. Trotz aller Versuche, hier Klarheit zu schaffen, hat sich diese Meinung hartnäckig gehalten und ich musste dafür oft den Kopf hinhalten.»

Das sind die Gewählten aus dem Bezirk Rheinfelden:

Parteiübergreifend der sechstbeste Kandidat

So oder so: Rheinfelden war sicher mitentscheidend. Binder holte hier doch ganze 161 Stimmen mehr als Erni. Seine Interpretation ist also legitim. Allerdings hat es Binder daneben nicht nur geschafft, in der eigenen Gemeinde Magden mehr Stimmen zu holen (533) als Erni in seiner Gemeinde Möhlin (513). Sondern sie schaffte es auch, in Möhlin deutlich mehr Stimmen zu holen (370) als Erni in Magden (214). Auch aus diesen beiden Gemeinden resultiert für Erni so ein Minus von 176 Stimmen gegenüber Binder. Insgesamt schwang die Magdenerin in 9 der 14 Gemeinden des Bezirks gegenüber Erni obenauf – deutlich besser war er nur in Zeiningen.

«Carole ist eine starke und sympathische Kandidatin mit einem grossen Netzwerk», sagt Erni. Einen weiteren Grund sieht Werner Erni im Wahlsystem, konkret: dem Doppelten Pukelsheim. Denn: «Rein von der Anzahl Stimmen her, wäre ich im Bezirk parteiübergreifend auf dem sechsten Platz.» Die SP-Spitzenkandidaten Erni, Binder und Claudia Rohrer traten auf Plakaten und im Wahlkampf gemeinsam auf – für einen dritten Sitz reichte es der SP allerdings bei weitem nicht, im Gegenteil: Sie verlor im Bezirk wie im Kanton gar Anteile.

Werner Erni blickt trotz grosser Enttäuschung in die Zukunft. «Ich möchte mich weiterhin politisch engagieren», sagt er. So bleibt er – «natürlich sofern ich wiedergewählt werde» – Präsident der SP Möhlin. Daneben wird ab kommendem Jahr wieder viel Zeit frei. In dieser möchte er sich «Dingen widmen, die während meiner Zeit im Grossrat etwas zu kurz kamen», wie er sagt. Dem kulturellen Bereich etwa, wo er unter anderem als Musiker wieder aktiver werden möchte. Erni verweist allerdings auch darauf: Er wäre als Nachrutscher für den Grossen Rat in der Pole-Position. Ein Comeback scheint also nicht ausgeschlossen. Erst aber einmal denkt er an seine Nachfolgerin Carole Binder: «Ich kenne sie und schätze sie sehr. Daran wird sich auch jetzt nichts ändern. Im Gegenteil: Ich wünsche ihr alles Gute und viel Erfolg in ihrer neuen Aufgabe.»

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

Meistgesehen

Artboard 1