Rheinfelden
Abgetrennte Hand von Rudolf von Rheinfelden darf nicht untersucht werden

Im Fricktaler Museum befindet sich zurzeit eine Kopie der mumifizierten Hand, die Rudolf von Rheinfelden in der Schlacht von Hohenmölsen abgeschlagen worden sein soll. Für seine Gegner war dies ein Zeichen Gottes, dass Rudolf ein Verräter sei.

Cornelia Thürlemann
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Im Fricktaler Museum ist das Duplikat der mumifizierten Hand in Merseburg zu sehen. zvg

Im Fricktaler Museum ist das Duplikat der mumifizierten Hand in Merseburg zu sehen. zvg

Cornelia Thürlemann

Dass die Hand in der gegenwärtigen Ausstellung «Rudolf von Rheinfelden» im Fricktaler Museum in Rheinfelden ein Duplikat ist, ist gewiss. Ob aber die Mumienhand, die im Merseburger Dom aufbewahrt wird, die echte, mumifizierte Hand ist, die Rudolf von Rheinfelden (1025-1080) bei der Schlacht bei Hohenmölsen (Sachsen) verlor, bleibt ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das sich mit den heutigen Methoden der historischen Anthropologie mit grosser Wahrscheinlichkeit lüften liesse – wenn man dies zuliesse.

Hand nach dem Tod abgetrennt

Dies zeigte Kurt W. Alt, emeritierter Professor für historische Anthropologie an der Universität Mainz, in einem spannenden Vortrag im sehr gut besuchten Fricktaler Museum am Donnerstagabend auf. Doch derzeit erlaubt das kirchliche Domkapitel Merseburg keine solchen Untersuchungen, ebenso wenig wie eine Untersuchung der Grabstätte Rudolfs.

Ob dies zur Bewahrung der Grabruhe Rudolfs oder zur Aufrechterhaltung des «Mythos der echten Hand» geschieht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Dennoch konnte Referent Professor Kurt W. Alt einiges über die Hand herausfinden.

2004 durfte Professor Alt Röntgenaufnahmen der Merseburger Hand machen. Die Aufnahmen zeigen, dass die Hand nicht mit einem Hieb abgeschlagen wurde, sondern später, wohl kurz nach dem Tod, vollständig abgetrennt wurde. Der gebrochene Zeigefinger könnte von einem Kampf stammen – von der Schlacht bei Hohenmölsen? Unklar bleibt, ob es eine Frauen- oder eine Männerhand ist und ob diese aus dem 10. Jahrhundert stammt. Dass viele dieser Fragen mit den Methoden der modernen historischen Anthropologie geklärt werden könnten, führte Alt am Beispiel der Edith von Magdeburg (910-946) und den Untersuchungen anderer Gräber aus. Anhand der Knochenteile, besonders der Zähne, lässt sich herausfinden, was ein Mensch gegessen hat, wo er gelebt hat, und ob er Krankheiten oder Mangelernährung erleiden musste.

Bei Edith von Magdeburg liess sich anhand der Knochenteile nachweisen, dass sie in Südengland aufgewachsen ist. Generell lässt sich aufzeigen, dass Adelige und Könige viel Fleisch assen, während sich die Bauern und Untergegebenen mit weniger proteinhaltigen Nahrungsmitteln begnügen mussten.

Mahnmal Gottes?

Warum aber erhält eine abgetrennte Hand eine solch zentrale Bedeutung? Rudolf von Rheinfelden verlor bei der Schlacht bei Hohenmölsen nicht nur sein Leben, sondern auch seine Hand. Für seine Gegner war dies ein Mahnmal Gottes, nämlich dass Gott Rudolf, der sich als Gegenkönig wählen liess, als Verräter abgestraft hatte. Rudolfs Gefolgschaft liess dies nicht gelten und bestattete Rudolf ehrenvoll im Merseburger Dom. In der Ausstellung «Rudolf von Rheinfelden» im Fricktaler Museum sind neben des Duplikats der Hand auch eine Nachahmung der Grabplatte Rudolfs zu sehen. Das Original gilt als die älteste Bronzegrabplatte Mitteleuropas.

«Rudolf von Rheinfelden. Ehrenhafter Kämpfer oder herrschsüchtiger Verräter?», Ausstellung im Fricktaler Museum, Marktgasse 12, Rheinfelden, bis zum 15. Dezember. Geöffnet dienstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.