Wenn in Schweizer Medien von Rumänen die Rede ist, dann handelt es sich oft um Kriminaltouristen. Immer wieder zieht die Polizei Kleinkriminelle aus dem armen Land im Osten Europas aus dem Verkehr.

«In Rumänien ist dieses Bild einer reichen Schweiz vorhanden, wo einem keine Strafe droht und man nicht im Gefängnis landet», erklärt Michael Derrer gegenüber Tele M1. Kriminelle Banden würden dieses Bild sogar gezielt weiterverbreiten um Nachwuchs zu rekrutieren.

Gegen diese falsche Vorstellung kämpft der Bezirksrichter und Geschäftsmann aus Rheinfelden vor Ort mit einer Medienkampagne an. Potentielle Kriminaltouristen sollen erfahren, dass die Strafen in der Schweiz härter ausfallen als viele vermuten. Artikel in den Zeitungen des Landes sollen für Aufklärung sorgen. Demnächst tritt der Aargauer auch im rumänischen Fernsehen auf.

Polizei ist skeptisch 

Bei der Aargauer Kantonspolizei ist man skeptisch: Man habe relativ oft mit Rumänen zu tun, bestätigt Kapo-Sprecher Bernhard Graser, «aber diese kommen auch aus dem Elsass, Italien oder Deutschland. Die wird man vermutlich nicht erreichen.» 

Michael Derrer ist sich dessen bewusst. Deshalb arbeitet er auch mit Organisationen der rumänischen Diaspora zusammen und hofft, die Wahrheit über das vermeintliche Einbrecherparadies Schweiz werde sich bis zu den Rumänen im Ausland herumsprechen.

Längst nicht alle sind kriminell

Wie finden Rumänen in der Schweiz diese Kampagne? «Gut», sagt Lucian Popescu vom Rumänischen Verein Baden. Er warnt aber davor, seine Landsleute alle in einen Topf zu werfen. Die Kampagne könne leicht zu Vorurteilen führen. Plötzlich heisse es: «Da sind die Rumänen, passt auf eure Taschen auf», befürchtet Popescu.

Michael Derrer ist geschäftlich und privat eng mit Rumänien verbunden. Auch er will mit seiner Kampagne gegen Vorurteile ankämpfen – und gleichzeitig die Sicherheit im eigenen Land verbessern. (cze)