Es war die Lachnummer des Jahres: Im Juni 2013 wollten zwei deutsche Polizisten um 1.30 Uhr Passanten am Rheinufer bei Bad Säckingen kontrollieren. Sie stellten ihren Streifenwagen auf dem abschüssigen Rheinuferweg ab, vergassen aber, den Wagen richtig zu sichern. Dieser rollte in Richtung Rhein – und es machte «Blubb», wie der «Kölner Express» damals genüsslich titelte.

Seither war der VW Passat im Rhein verschollen. Man habe ihn zwar bei niedrigem Wasserstand immer wieder mit Sonargeräten gesucht, erklärte Hans-Willi Müller von der Polizei Baden-Württemberg gestern der az. Vergeblich. Und auf den Einsatz von Tauchern verzichtete man schnell, da der Rhein im BlubbMoment Hochwasser führte. «Der Wagen konnte also zwischen Bad Säckingen und Möhlin überall liegen», sagt Müller. «Für Taucher wäre es eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen gewesen.»

Die Nadel, pardon: Den mit Sand bis unters Dach gefüllten Polizeiwagen hat am letzten Donnerstag Hobbytaucher Michael Tschannen, 43, aus Mumpf entdeckt. Er ist überzeugt: «Wenn die Polizei ernsthaft gesucht hätte, dann hätte sie den Wagen auch gefunden.» Denn er lag dort, wo am Schluss alles landet: im alten Flussbeet, der tiefsten Stelle des Rheins. In Mumpf ist der Rhein hier gut neun Meter tief.

Tschannen hörte vor gut einer Woche erstmals vom gesunkenen Fahrzeug. «Das finde ich», sagte er sich – und nach fünf Tauchgängen hatte er das Fahrzeug tatsächlich entdeckt. «Direkt vor der Haustüre», auf der Höhe der Wohnung, in der er lebt. «Es war ein Super-Gefühl, wie im Traum.»

Nach dem Fund ging er zu seinem Tauchkollegen Sascha Füchter, 45, der in Wallbach das Tauchsportgeschäft Beluga führt und wo er sich Tag für Tag die Sauerstoffflasche auffüllen liess. «Er kam und sagte: Ich habe es gefunden», erinnert sich der gelernte Schreiner. Das «Es» war der VW Passat und am Freitag tauchten die beiden gemeinsam zum Fahrzeug (hier entstand auch das Foto), räumten den Sand hinaus und bargen verschiedene Polizeiutensilien: Einsatzpläne, das Nummernschild, einen Fotoapparat, Drogentests, Kelle, Warnlampe und Mütze.

Bergung in den nächsten Tagen

Weniger Freude, so schien es Tschannen, hatte die deutsche Polizei an seinem Fund. Die Reaktion sei «sehr zurückhaltend» gewesen, sagt er, die Begeisterung über die Meldung «hielt sich in engen Grenzen». Vielleicht auch, weil man bei der Polizei weiss: Die Bergung wird teuer – und schwierig. «Die Strömung ist gewaltig», erzählt Füchter, der gestern zusammen mit Tschannen und vier Polizeitauchern nochmals unten war, um das Autowrack mit einer Boje zu markieren. «Wir kamen gehörig ins Schwitzen.»

Müller geht davon aus, dass der VW in den nächsten Tagen geborgen wird. Zum einen ist der Wasserstand derzeit niedrig; zum anderen erwartet Müller spätestens am Wochenende einen Wrack-Watching-Tauch-Tourismus.