Grenzgänger

Aargauer Bauer bewirtschaftet deutsche Äcker – ohne Probleme

«Bei rund 45 Landbesitzern gehe ich jedes Jahr persönlich vorbei, um den Pachtzins zu bezahlen»: Werner Frey.

«Bei rund 45 Landbesitzern gehe ich jedes Jahr persönlich vorbei, um den Pachtzins zu bezahlen»: Werner Frey.

Werner Frey ist einer der wenigen Aargauer Bauern, die Land auf der deutschen Seite bewirtschaften. Im Schaffhausischen gibt es wegen der «Landnahme» von Schweizer Bauern harsche Töne.

Die Worte sind markig, die deutsche Bauern kürzlich in die «Rundschau»-Kamera sprachen. Von sturen Eidgenossen ist die Rede, von Leuten, die selbstherrlich sind, wenn sie einmal den Fuss in der Türe haben. «Das lassen wir uns nicht bieten», sagt Bauer Hans-Jürgen Büche aus dem deutschen Stühlingen.

Was ihn auf die Palme treibt, ist die grassierende «Landnahme» durch Schweizer Bauern. Bereits jeder fünfte deutsche Acker wird im Grenzgebiet zu Schaffhausen von einem Schweizer bewirtschaftet, meist kaufen oder pachten diese die «Filetstücke», jene Flächen also, die zusammenhängen, einfach zu bewirtschaften sind und somit mehr Profit bringen.

Was die Bauern jenseits des Rheins zusätzlich ärgert: Die Schweizer Kollegen können in einer Freizone von 10 Kilometern zollfrei und mit deutschem, ergo billigerem Saatgut produzieren – und ihre Waren zu Hause als Swissness verkaufen. Noch, zumindest, denn der Bundesrat will die Regeln verschärfen. Als Swissness sollen künftig nur noch Produkte gelten, die auf sogenannten «angestammten Flächen» im grenznahen Ausland produziert wurden; das sind Flächen, die ein Schweizer Bauer seit mindestens 1984 bewirtschaftet.

Werner Frey, 45, Landwirt auf dem Görbelhof in Rheinfelden, hat die «Bauern-Fehde» aufmerksam verfolgt. Denn er ist einer von nur acht Aargauer Bauern, die Land in Deutschland bewirtschaften. 50 Hektaren sind es, so viel wie kein anderer (total: 110 bis 120 Hektaren), alles gepachtet. Die meisten dieser Flächen liegen im deutschen Nollingen, knapp 5 Kilometer von seinem Hof entfernt.

Mit- statt gegeneinander

Von Fehde keine Spur, sagt Frey. Im Gegenteil, man komme sehr gut miteinander aus, rede miteinander und erledige Arbeiten zum Teil gemeinsam. «Natürlich gibt es den einen oder anderen deutschen Kollegen, der froh wäre, er hätte ‹mein› Land – doch das ist innerhalb der Schweiz nicht anders.»

Frey sieht fünf Gründe, weshalb das Konfliktpotenzial hierzulande deutlich kleiner ist als im Schaffhausischen. Erstens sind die Flächen, die Aargauer in Deutschland bewirtschaften, eher klein und sie sind, zweitens, sehr kleinteilig.

«Ich habe 73 Pachtverträge», verdeutlicht er. «Bei rund 45 Landbesitzern gehe ich jedes Jahr persönlich vorbei, um den Pachtzins zu bezahlen.» Drittens ist es eine Frage der Entstehung. «Deutsche Bauern, die ihren Betrieb aufgaben, fragten meinen Vater vor 40 Jahren, ob er ihr Land nicht pachten wolle.» Das war zu einer Zeit, als die Landwirtschaft in Badisch-Rheinfelden keinen hohen Stellenwert genoss.

Er wollte – und so wuchs die in Deutschland bewirtschaftete Fläche über die Jahre von knapp 2 auf 50 Hektaren. «Mehr werden es nicht werden», sagt er. Auch, weil ein Teil der Äcker – Frey spricht von rund 10 Hektaren – in den nächsten 20 Jahren wohl zu Bauland werden.

Nicht aktiv auf Landsuche

Natürlich könnte er aktiv auf Landsuche gehen, wie es ein Teil der Landwirte im Raum Schaffhausen tut, und er könnte dank dem grösseren finanziellen Spielraum, den die Schweizer Landwirte haben, auch mehr Geld für das Land bieten. «Doch das will ich nicht, denn für mich ist ein gutes Einvernehmen zentral.» Dieses Bewusstsein für das Miteinander ist für ihn der vierte Unterschied. Der fünfte: Im Schaffhausischen gibt es die grüne Grenze; er muss mit seinen Maschinen über den alten Zoll in Rheinfelden. Bei viel Verkehr brauche er für die kurze Strecke bis zu 30 Minuten.

Frey ist sich bewusst, dass er gegenüber deutschen Bauern privilegiert ist. Die Pachtzinse sind «etwas tiefer», er kann günstiger produzieren und seine Waren zu Schweizer Preisen verkaufen. Frey sagt aber auch: «Als mein Vater den Betrieb vergrössern wollte, suchte er auch Land in der Schweiz. Vergeblich – ohne ein grosses Portemonnaie.»

Dass er für die «angestammten Flächen» (reduzierte) Direktzahlungen vom Bund erhält und für die restlichen Flächen Beiträge der EU («diese sind deutlich tiefer»), findet er richtig. «Ich produziere ja auch nach Schweizer Regeln.» Er kaufe sämtliches Saatgut in der Schweiz ein, «um sicherzugehen, dass es wirklich gentechfrei ist».

Zudem wehrt er sich dagegen, dass die Schweizer Bauern die alleinigen Profiteure sind. «Es gibt etliche deutsche Landwirte, die einen Pferde-Pensionsstall betreiben – mit Schweizer Kunden, die mehr zahlen.» Für Frey stimmt es so, wie es derzeit ist. Sollten die Spielregeln ändern, sollten also nicht mehr alle seine Produkte das Swissness-Label haben, «muss ich sicher über die Bücher».

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