Bad Säckingen
84-jähriger Rentner fährt zwei Menschen tot – Augenzeuge: «Ich dachte an einen Terroranschlag»

Im Zentrum von Bad Säckingen raste am Samstagmittag ein Auto in die Stuhlreihen zweier Strassencafés. Nach Angaben der Polize gab es zwei Tote und etwa 20 zum Teil schwer verletzte Personen.

Markus Vonberg
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Blumen erinnern am Sonntagmorgen an den schrecklichen Unfall vom Samstagnachmittag in Bad Säckingen

Blumen erinnern am Sonntagmorgen an den schrecklichen Unfall vom Samstagnachmittag in Bad Säckingen

Südkurier

Die beschauliche Kleinstadt Bad Säckingen steht unter Schock. Zwei Menschen starben, rund 20 wurden zum Teil schwer verletzt, als ein grauer Skoda mit Waldshuter Nummer gegen 12.20 Uhr am Samstagnachmittag in die Tischreihen zweier Gaststätten gerast war (wir berichteten).

Bei Sonnenschein, Sommertemperaturen und kurz nach Ende des Wochenmarkts waren dort gut wie alle Plätze besetzt.

Bei der am Unfallort Verstorbenen handelt es sich um eine 63-jährige in der Schweiz wohnhafte Deutsche. Die Identität des in einem Basler Spital seinen schweren Verletzungen erlegenen Mannes steht noch nicht fest.

Am Steuer des Wagens sass laut Polizei ein 84-jähriger Mann aus Bad Säckingen. Im Auto waren noch zwei Beifahrer, bei denen es sich um die Ehefrau und eine Enkelin des Fahrers handeln soll.

Ein 84-jähriger Autofahrer fährt mehrere Tische von zwei Strassencafés um. Zwei Menschen sterben, 16 werden verletzt.
18 Bilder
Das Auto des Rentners.
Dabei kamen eine 63-jährige Frau und ein Mann ums Leben
Der Unfallfahrer dürfte das Gas- mit dem Bremspedal verwechselt haben
Ein Bild einer Webcam aus der Innenstadt von Bad Säckingen - der Unfall geschah nicht auf diesem Platz
Dutzende Rettungskäfte stehen nach dem Unfall im Einsatz

Ein 84-jähriger Autofahrer fährt mehrere Tische von zwei Strassencafés um. Zwei Menschen sterben, 16 werden verletzt.

Felix Held

Noch steht laut Polizei nicht genau fest, weshalb der Skoda am Beginn der Fussgängerzone stark beschleunigte und in die Menschenmenge raste. Wahrscheinlich hat der Fahrer des mit einem Automatikgetriebe ausgestatteten Fahrzeugs Bremse und Gas verwechselt.

Der Vorfall geschah an einer Engstelle in der Bad Säckinger Altstadt, an der der verkehrsberuhigte Spitalplatz in die Fussgängerzone Rheinbrückstrasse übergeht. Hier befinden sich direkt nebeneinander die "Osteria Bar Eden" und die "Alte Zunft". Das Auto kam etwa 15 Meter nach der Engstelle vor dem Schaufenster eines Modegeschäfts zum Stehen.

Ein Augenzeuge befand sich gerade auf dem Weg zur Volksbank, als sich das Fahrzeug rund 30 Meter von ihm entfernt in die Menschen fuhr. Es sei aus der Fabrikgasse gekommen und direkt die Osteria Bar Eden zugefahren, habe dort die ersten Stühle gestreift und auf der Weiterfahrt "an der gesamten Längsseite entlang in Richtung Alte Zunft, die dort sitzenden Menschen umgefahren".

Eine andere Augenzeugin sass an einem Tisch zwischen "Osteria" und "Alter Zunft", sah das Auto auf sich zukommen. „Ich hatte das Gefühl, der ist mit Vollgas gefahren.“ Keine fünf Zentimeter sei das Auto an ihr vorbeigefahren. Sie musste mit ansehen, wie eine Frau direkt neben ihr gestreift und von dem Auto an die Wand gedrückt wurde. Viele Tische und Stühle seien davongeflogen.

„Die ganze erste Reihe war wegrassiert“, berichtet Bernhard Seeger, Inhaber einer den beiden Lokalen gegenüberliegenden Raumausstattung. „Der hat Tische und Geschirr vor sich hergeschoben.“ Er war durch das Schreien der Menschen aufgeschreckt worden und auf die Strasse gelaufen.

Beatrice und Gerardo Colicchio wollten wie jedes Wochenende viele Schweizer in Bad Säckingen einen Einkaufsbummel machen. Sie assen im Obergeschoss einer Pizzeria zu Mittag, als sie auf der Strasse Lärm hörten, den sie nicht einordnen konnten.

«Es hörte sich an, wie wenn etwas runter kracht. Dann schrie eine Frau furchtbar, es hat gescherbelt. Da wussten wir, es musste etwas Furchbares geschehen sein.» Sie eilten zum Fenster und sahen hinaus auf die Szenerie. Wenige Minuten zuvor waren die Coliccios mit ihrer Tochter hier noch vorbeigelaufen. „Ich dachte zuerst an einen Terroranschlag», sagt Beatrice Coliccio.

«Es war wie eine Gasexplosion», schildert ein weiterer. Als er auf die Strasse Lief: «Überall war Blut. Menschen lagen umher, zertrümmerte Stühle und Tische.»

Sofort hätten er selbst, Gäste des Lokals und Passanten Erste Hilfe geleistet. «Bei jedem Verletzten waren zwei oder drei Personen. Wir haben Sitzkissen und Handtücher unter die Köpfe gelegt.»

Wenige Schritte enfernt sei im mutmasslichen Unfallauto noch der Fahrer geween, neben ihm seine Beifahrerin. "Vielleicht eine Viertelstunde lang sassen die reglos da. Die standen sicher unter Schock."

Etwa zehn Minuten nach dem schrecklichen Vorkommnis seien die ersten Rettungskräfte eingetroffen, schildern Nachbarn. Es waren Rotes Kreuz, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Polizei im Einsatz.

Aus der Schweiz verstärkten weitere Sanitäter und Grenzwacht die deutschen Kräfte.

Die integrierte Leitestelle von Feuerwehr und der Rettungsdienst forderten Hubschrauber an, welche Notärzte vor Ort brachten. Die am schwersten Verletzten wurden mit Helikoptern auf Kliniken in Deutschland und der Schweiz verteilt.

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