Sie spaziert durch einen Wald bei Wil und bleibt verdutzt vor einer abgebrochenen Weistanne stehen, blickt mit grossen Augen nach oben und betrachtet das Prachtexemplar, das in vier Metern Höhe aus dem Baumstrunk herauswächst. «So einen grossen Pilz habe ich in dieser Höhe noch nie gesehen», erzählt Maria Kuhn, Pilzkontrolleurin der Gemeinden Mettauertal und Gansingen.

Bei dem Riesen-Pilz handelt es sich um eine Krause Glucke, einem Speisepilz mit einer blumenkohlartigen Oberfläche und vielen Verästelungen. Stolze acht Kilogramm bringt der Koloss auf die Waage bei einem Durchmesser von 50 bis 70 Zentimetern. Doch wie kommt nun das Ungetüm aus einer Höhe von vier Metern nach unten? «Ich habe mir eine Leiter besorgt und Hilfe von meiner Schwiegertochter. Wir mussten den Pilz in mehrere Teile schneiden, bevor wir ihn vom Baumstrunk nach unten tragen konnten», erzählt Kuhn, welche die Pilzstücke im Anschluss verschenkt, zubereitet und eingefroren hat.

Die Krause Glucke, die in Wil gefunden wurde, bringt acht Kilo auf die Waage.

Die Krause Glucke, die in Wil gefunden wurde, bringt acht Kilo auf die Waage.

Boden ist für Pilze zu trocken

Generell haben Pilz-Sammler jedoch schlechte Karten, mit vollen Körben aus dem Wald zurückzukehren: «Der Boden ist schlichtweg zu trocken für die Pilze. Und wenn es mal einen Regenschauer gibt, dann fliesst das Wasser entweder über dem trockenen Boden ab oder wird von den Bäumen und dem Laub aufgenommen», erklärt Anselm Ruflin, Pilzkontrolleur in Gipf-Oberfrick. Es gibt momentan so wenig Pilze, dass Ruflin eine vom Landfrauenverein Frick/Oeschgen gebuchte Exkursion kurzfristig absagen musste. «Gestern Morgen habe ich zwei Stunden lang den Wald durchforstet. Die Pilze, die ich dort gefunden habe, passen auf meine Hand», sagt Ruflin.

«Die Pilze, die ich gefunden habe, passen auf meine Hand.»Anselm Ruflin, Pilzkontrolleur in Gipf-Oberfrick.

«Die Pilze, die ich gefunden habe, passen auf meine Hand.»Anselm Ruflin, Pilzkontrolleur in Gipf-Oberfrick.

Auch in Möhlin sieht es nicht besser aus. Pilzkontrolleur Eugen Zulauf beschreibt den derzeitigen Pilzbestand drastisch als «oberschlecht». In den letzen 20 Jahren habe es noch nie so wenig Pilze wie in der bisherigen Saison gegeben. Nur vor rund acht Wochen habe es einen kurzen Schub gegeben, als ihm Pilz-Sammler Eierschwämme zur Kontrolle vorbei brachten: «Diese waren aber von schlechter Qualität, weil sie schon halb ausgetrocknet waren», beschreibt er.

Zulauf hofft jedoch, dass ab Mitte Oktober bis Dezember die Pilze wieder aus dem Boden spriessen. «Ideal wäre, wenn es bei milden Temperaturen über einen längeren Zeitraum regnen würde. Dann bestehen gute Chancen, in diesem Jahr noch in den Genuss von einheimischen Pilzen zu kommen.»