Thomas Kaiser macht sich Sorgen. Er ist Leiter der Primarschule und des Kindergartens Kaiseraugst – und derzeit auch mit der Planung der künftigen Ressourcen für die Schule beschäftigt. Ab dem Schuljahr 2020/21 gelten in diesem Bereich geänderte Spielregeln: Der Regierungsrat hat im Frühjahr beschlossen, die heute geltenden antragsbasierten Ressourcierungsabläufe durch eine Schülerinnen- und Schülerpauschale abzulösen.

Künftig müssen Schulen also keine Anträge für Abteilungen und Lektionen mehr stellen. Stattdessen löst künftig jede Schülerin und jeder Schüler eine gewisse Anzahl Ressourcen, sprich: bezahlte Arbeitszeit von Lehrpersonen, aus (die AZ berichtete).

Insgesamt stünden gesamtkantonal die gleiche Menge an Ressourcen zur Verfügung wie bisher, argumentiert der Kanton. Bei der Verteilung unter den einzelnen Gemeinden gibt es allerdings Gewinner und Verlierer. Zu den Verlierern gehört Kaiseraugst. «Für Kaiseraugst ergibt sich eine Reduktion der Ressourcen um rund sechs Prozent», sagt Kaiser.

Das entspricht 64 Lektionen in der Woche oder dem Vollzeitäquivalent von zwei Lehrpersonen. «Das tut natürlich weh. Gerade in Kaiseraugst, einer belasteten Gemeinde, was den Hintergrund vieler Schülerinnen und Schüler angeht», so Kaiser. Rund 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler sprächen zu Hause nicht deutsch.

Möglichkeiten werden geprüft

Klar: «Der Abbau in Kaiseraugst fällt auch deshalb so drastisch aus, weil wir in den vergangenen Jahren jeweils gut gefahren sind», gibt Thomas Kaiser offen zu. Die Abteilungsgrössen bewegten sich jeweils zwischen zwei und drei Klassen. «Wir haben jeweils drei Klassen beantragt und auch bewilligt bekommen», sagt Kaiser.

Das brachte den Vorteil, dass kleinere Klassen gebildet werden konnten. Nun werden die Ressourcen nicht mehr anhand von Abteilungen, sondern anhand der Anzahl Schülerinnen und Schüler verteilt – «das macht bei 19 Abteilungen auf Primarstufe und 5 Kindergartenabteilungen natürlich einiges aus», so Kaiser.

Die neue Ressourcierung verändert die Situation stark. «Derzeit prüfen wir in Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen und der Schulpflege verschiedene Möglichkeiten», sagt Kaiser. Etwa, die Einschulungsklasse oder die Lektionen «Deutsch als Zweitsprache» zu streichen, grössere Abteilungen zu schaffen, weniger Lektionen in der Halbklasse zu geben oder die Unterstützung durch Heilpädagogik zu reduzieren. Aber: «Jede dieser Möglichkeiten ist alles andere als ideal, jede einzelne bringt offensichtliche Nachteile mit sich.»

Springt die Gemeinde ein?

Eine Steuergruppe von Schulleitung und Schulpflege ist deshalb derzeit daran, nach Lösungen zu suchen, um den Abbau irgendwie abzufangen. Eine Idee ist unter anderem, sogenannte «Inselklassen» zu schaffen, wie sie etwa im Kanton Zürich geführt werden. «Schülerinnen und Schüler, die im normalen Unterricht Schwierigkeiten bekunden, können vorübergehend und mit Einwilligung der Eltern in eine solche Klasse wechseln und erhalten dort die nötige Unterstützung. Hat sich die Situation gebessert, wechseln die Schülerinnen und Schüler wieder in ihre Klasse», erklärt Kaiser. Eine andere Idee ist, vor Ort Unterstützung in der Psychomotorik anzubieten.

Allerdings, gibt der Schulleiter zu bedenken, könne die Schule diese Lösungen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht stemmen: «Wir wären daher auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen.» Ein Gespräch dazu soll in den kommenden Wochen stattfinden. «Wobei wir natürlich verstehen können, dass die Gemeinde zurückhaltend reagiert. Es wäre schliesslich die Aufgabe des Kantons, dafür zu sorgen, dass alle Kinder ihre Bildungsziele erreichen», sagt Kaiser. Wie es weiter geht, werde nach den Gesprächen entschieden.

Klar sei, dass der Abbau auch eine deutlich höhere Belastung für die Lehrpersonen darstelle. Auch das ein Punkt, der Schulleiter Kaiser Sorgen bereitet. «Es ist bekannt, welch starken Einfluss die Arbeitszufriedenheit der Lehrpersonen auf den schulischen Erfolg der Kinder hat», sagt er. Es bestehe zudem die Gefahr, dass diese Zufriedenheit abnehme – und qualifizierte Lehrpersonen deshalb die Schule verlassen.