Wittnau
500 Zuzüger sind in Wittnau im vorhandenen Baugebiet noch möglich

Die Planungskommission von Wittnau hat über die Revision der Nutzungsplanung orientiert.

Peter Bircher
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Stefan Giess (KOPA), Gemeindeammann Werner Müller, Vizeammann Andreas von Mentlen und Viktor Oeschger (KOPA; v.l.) vor dem neuen Planwerk. bi

Stefan Giess (KOPA), Gemeindeammann Werner Müller, Vizeammann Andreas von Mentlen und Viktor Oeschger (KOPA; v.l.) vor dem neuen Planwerk. bi

Das umstrittene, jedoch in der Volksabstimmung klar gutgeheissene Raumplanungsgesetz, welches am 1. Mai dieses Jahres in Kraft getreten ist, stellt für die Nutzungsplanung in den Gemeinden einen Paradigmenwechsel dar. Das revidierte Gesetz stellt nämlich faktisch einen Einzonungsstopp dar, der Kanton kann derzeit keine Vergrösserung von Bauzonen genehmigen und muss den Kantonalen Richtplan überarbeiten, was bis Ende 2015 der Fall sein dürfte.

Die neuen Leitsätze für eine Ortsplanung sind: Innere Siedlungsentwicklung (innen vor aussen), qualitatives statt quantitatives Wachstum, Schutz vor Naturgefahren (Hochwasser) und die regionale Abstimmung der Nutzungsplanung.

Bereits fünf Jahre an der Arbeit

In Wittnau ist man seit bald fünf Jahren an der Arbeit. Die Planungskommission, gruppiert für die Bereiche «Siedlung» und «Kulturland» konnte nun das Resultat mit dem Fachbüro KOPA (Koch und Partner), Laufenburg an einer öffentlichen Orientierungsversammlung im Gasthof Krone vorstellen. Das Mitwirkungsverfahren für die Dorfbevölkerung findet umgehend statt und läuft bis zum 29. September. Nach einer zweiten kantonalen Vorprüfung rechnet man mit der öffentlichen Auflage (Einwendungsverfahren) in einem Jahr und der Beschlussfassung durch die Gemeindeversammlung im Winter 2015.

Bauland effektiv verfügbar?

Wittnau zählt heute rund 1220 Einwohner. Im vorhandenen Baugebiet rechnet die Gemeinde mit einer Kapazität von 1670 Einwohnern und der Kanton kommt da sogar auf 1750 Einwohner. Es ist also noch Spielraum vorhanden, auch wenn die neue Gesetzgebung parzellenscharf und grundeigentümerverbindlich mit einem Planungshorizont von 15 Jahren umgesetzt werden muss.

Ein grosses Fragezeichen ist jedoch, wieweit Bauland auch effektiv verfügbar ist. Im ländlichen Raum bleibt das «verdichtete Bauen» oftmals Wunschdenken, weil oft noch von den früheren kleinbäuerlichen Strukturen her grosse Einzelparzellen bestehen. Dennoch war an der Orientierungsversammlung in Wittnau auffallend, wie gefasst, besonnen, dorf- und landschaftsorientiert die nun komplett überarbeitete Planung aufgenommen wurde.

Das Dorf hat einige Besonderheiten, die nun mit dieser Planung gefestigt werden und verankert bleiben. Einmal das Ortsbild von nationaler Bedeutung als klassisches Strassenzeilendorf mit typischen Jurasteinhäusern. Dann die Natur-und Landschaftsschutzzonen von kantonaler Bedeutung. «Das Dorf zeigt hier Spitzenwerte für die Lebensqualität im ländlichen Raum», wurde ausgeführt und auch mit vielen Beispielen belegt.

Solaranlagen möglich

In der Ausspracherunde wurde betont, dass man in der Wohn- und Gewerbezone bewusst auf eine Tankstellenanlage verzichten möchte. Eine Besonderheit stellt eine Waldwiese auf dem Limperg dar, die man auch in Zukunft so erhalten will. Die Bewilligung von Solaranlagen dagegen hat eine starke Liberalisierung erfahren. Selbst an der Wittnauer Dorfstrasse sind heute Bewilligungen möglich, mit Ausnahme von wenigen geschützten Gebäuden. Beachtlich ist die grosse Liste von Kulturobjekten ausserhalb der Siedlung wie Steinbrüche, Wegkreuze, Brunnen, historische Grenzsteine, Grotte und Kapelle sowie archäologische Fundstellen.

Wie eine Uhrmacherwerkstsatt

Die Fülle von Informationen und Festschreibungen im ganzen Planwerk liess einen Besucher des Infoabends anmerken, das Ganze gleiche einer Art «Uhrmacherwerkstatt». Für Wittnau lässt sich aber feststellen, dass sich in dieser Werkstatt eine grosse Vielfalt von Wertvollem und Beständigem im Dorf und im Kulturland widerspiegelt. Dabei ging der Blick auf die nächsten 15 Jahre nicht verloren.