Schlagzeug als Einleitung zum Sonntagsgottesdienst. Keine Orgelmusik, aber energische, rhythmische Schläge auf die verschiedenen Ebenen des grossen Instruments. Kein Pfarrer vorne am Abendmahltisch, sondern jüngere und ältere Gemeindeglieder, die die sonntägliche Feier gestalteten.

Der Pfarrer sass in den Reihen der Gemeinde, und Christine Toscano, die Sozialdiakonin, begrüsste die Anwesenden. Im Hintergrund, auf grossen Tafeln, die zwölf Statements prominenter Zeitgenossen wie Pascale Bruderer, Claudia Storz, Verena Diener, Christoph Weber-Berg und anderer zu ihrem «Reformiertsein».

Dem Predigtteil, der von einem Team aus der Gemeinde gestaltet wurde, lag das 12. Kapitel des Römerbriefes zugrunde. Dort wird die christliche Gemeinschaft mit einem Leib und seinen verschiedenen Gliedern verglichen, die alle eine andere Funktion haben und doch ein Ganzes bilden. So verschieden wie die Funktionen der einzelnen Körperglieder, so verschieden ist der Zugang zum reformierten Glauben der zwölf prominenten Menschen.

Erinnerungen an früher

Im Predigtteil des Gottesdienstes äusserten sich die Mitglieder des Vorbereitungsteams zu ihrem persönlichen «Reformiertsein». Symbolisch hatten sie ihren unterschiedlichen Zugang dazu mit verschieden langen, farbigen Bändern an der Kirchenwand ausgedrückt. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch einen Ad-hoc-Chor unter der Leitung der Organistin, Maria Fülöp, gestaltet.

Eine Frau sagte, dass sie die Freiheit der Gedanken und die Schnörkellosigkeit des reformierten Glaubens schätze und dass es keine religiösen Zwänge gebe. Eine andere Frau erzählte, dass ihre Vorfahren in Württemberg reformiert geworden seien, weil 1534 der Herzog mit seinem ganzen Gebiet aus Geldnöten zum neuen Glauben übergetreten sei, um fortan keine Steuern mehr an Rom abgeben zu müssen.

«In Safenwil, wo ich aufgewachsen bin, war 1949 die Primarschule konfessionell getrennt. Ich lernte erst in der Bezirksschule in Zofingen katholische Mitschülerinnen kennen. Auf die Konfirmation wünschte ich mir dann ein ‹Ketteli› mit einem Kreuz, wie ich es bei meinen katholischen Mitschülerinnen gesehen hatte. Meine Eltern fanden aber, das sei nichts für ein reformiertes Mädchen und schenkten mir statt dessen ein Hugenottenkreuz», erinnerte sich eine weitere Teilnehmerin.

Wieder andere haben aus einer gesundheitlichen Krise heraus zum reformierten Glauben gefunden. Viele stellten fest, dass der Kirchgang früher weit regelmässiger und selbstverständlicher war als heute; dass sich die Gesellschaft verändert habe und die Freizeitangebote viel grösser seien als in ihren Jugendzeiten, dass aber auch die Unterschiede zur katholischen Schwesterkirche nicht mehr gleich betont würden und man viel eher heute das Gemeinsame sehe.

Die Wanderausstellung «Reformiertsein heute» zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation kann in der reformierten Kirche Laufenburg bis zum 24. September besucht werden. Die Kirche ist tagsüber geöffnet.