«Bis die Feuerwehr hier bei einem Brand eintrifft, ist schon wieder Gras über die Brandstelle gewachsen.» Diesen Satz sagte einst ein in Rumänien wohnhafter Schweizer zu Franz Ruckli. Der Satz war der Auslöser für einen wahrhaften Grosseinsatz Rucklis. Denn heute, rund fünf Jahre später, besitzt die Feuerwehr der Gemeinde Balauseri in der Provinz Siebenbürgen nicht nur ein Tanklöschfahrzeug, sondern auch Wasserpumpen, Strahlrohre und Uniformen. Allesamt aus der Schweiz. Allesamt hier aussortiert. Und allesamt von Ruckli nach Rumänien gebracht.

«Ich nehme Material, das mit öffentlichen Geldern finanziert wurde und dessen Entsorgung ebenfalls mit öffentlichen Geldern finanziert würde – und organisiere den Transport dorthin, wo es noch gebraucht werden kann», sagt der Herznacher. So hat er das Tanklöschfahrzeug eigens nach Rumänien gefahren. Und in einem Koffer hat er einmal statt Kleider zwei spezielle Strahlrohre aufgegeben. Zur Verfügung gestellt wurden diese von einer Rothrister Firma.

Ehrenbürger aus Herznach

Inzwischen hat Ruckli sein Einsatzgebiet ausgedehnt. Neben Material für die Feuerwehr hat er auch Transporte von Spitalbetten, Ultraschall-Geräten, Schulbänken, Wandtafeln, Matratzen und Kochherden organisiert. Die neueste Hilfsgüter-Lieferung ging ins Gefängnis: 45 Fernseher. Diese wurden in Aargauer Gefängnissen wegen des Senderabbaus aussortiert. Im rumänischen Gefängnis sorgen sie «für ein bisschen menschliche Verhältnisse», wie Ruckli es ausdrückt.

Die Verhältnisse in Rumänien – sowohl in Gefängnissen wie auch in Spitälern und Schulen – seien nicht vergleichbar mit der Schweiz, sagt Ruckli. «Überall ist die Infrastruktur veraltet und in einem schlechten Zustand.»

Bei einem Besuch im Gefängnis erschrak Ruckli beim Anblick der Küche. In zwei riesigen Töpfen wurde eine Suppe angerührt, grau und pampig. «Ich hätte nicht einmal den Finger reinhalten wollen», sagt Ruckli. Im Spital sah er einen Stuhl für gynäkologische Untersuchungen, dessen Sitzfläche praktisch durchgefault war. Und in den Schulen sitzen die Schüler auf durchhängenden Bänken. «Trotz diesen Zuständen kommen die Menschen gut zurecht.» Aber natürlich ist die Freude über die Hilfsgüter gross.

Ein Beweis für die Dankbarkeit: Ruckli ist in Balauseri inzwischen zum Ehrenbürger ernannt worden. Wenn er mit seiner Frau Barbara und Sohn Rafael ein- bis zweimal im Jahr die Gemeinde besucht, werden sie immer zu einem feierlichen Essen eingeladen. Anwesend ist dann nicht nur der Feuerwehrkommandant, sondern auch der Bürgermeister und Vertreter der örtlichen Polizei. Dann wird das Tanklöschfahrzeug, das Ruckli einst eigens nach Balauseri fuhr, auf dem Vorplatz abgestellt und im Feuerwehrmagazin Gulasch serviert.

Grosseinsatz nicht beendet

Und beim Essen drehen sich die Gespräche dann oft auch darum, was man noch alles tun könnte. Wo es noch an Material und Maschinen fehlt. «Es ist zu spüren, dass die Hilfe ankommt und etwas gehen soll», sagt Ruckli. Er will dabei weiter helfen – oder wie er es ausdrückt: «Ich will den Menschen die Werkzeuge in die Hand geben und ihnen zeigen, wie man sie nutzt – damit sie sich selber helfen können.»

30 weitere Spitalbetten werden in diesem Jahr geliefert. Auch Utensilien für die Gefängnis-Metzgerei sollen nach Rumänien gehen. Und Ruckli hat noch grössere Ziele: ein Notstromaggregat etwa, das die Versorgung von Balauseri sicherstellt. «Es gibt noch viele Visionen», sagt Ruckli. Sein Grosseinsatz ist noch nicht beendet.