Rheinfelden
4,36 Millionen teures Rotes Haus unter den Fittichen der Stadt

Der Stadtrat will das baufällige Gebäude nicht abbrechen, sondern als Zeitzeuge erhalten. Der Kredit von 4,36 Millionen Franken jedoch ist umstritten. Die SVP will die Rückweisung beantragen.

Stefan Gyr
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Das Rote Haus gegenüber der Schifflände gehörte einst zum Areal der «Bändelifabrik» Müller-Brunner. NBO

Das Rote Haus gegenüber der Schifflände gehörte einst zum Areal der «Bändelifabrik» Müller-Brunner. NBO

4,36 Millionen Franken soll die Gemeindeversammlung von Rheinfelden am 11. Dezember für die Sanierung und Erweiterung des Roten Hauses freigeben – eine stolze Summe. Die Kosten haben denn auch im Vorfeld einige Kritiker auf den Plan gerufen. Die SVP wird an der Gemeindeversammlung sogar die Rückweisung der Kreditvorlage an den Stadtrat beantragen. Aber auch die Grünliberalen stossen sich an den «sehr hohen» Kosten, und die FDP spricht von einem «relativ teuren Projekt».

Schlechter Zustand

Allein die Erneuerung des baufälligen Gebäudes wird mit 2,9 Millionen Franken zu Buche schlagen, wie der Stadtrat erklärt. Zusammen mit dem neuen Anbau werden sich die Baukosten auf 4,36 Millionen Franken belaufen. Der Stadtrat will das schon lange leer stehende Rote Haus in ein Zentrum für Beratungsdienstleistungen in den Bereichen Jugend, Familien und Alter umwandeln.

Das Gebäude befindet sich mit Ausnahme der massiven Bruchsteinmauern in einem schlechten baulichen Zustand, wie der Rheinfelder Stadtrat in seiner Botschaft an die Gemeindeversammlung schreibt. Das erfordere «umfassende Eingriffe unter Berücksichtigung der bauphysikalischen Anforderungen». Ein Abbruch steht für die Stadt nicht zur Diskussion.

Das ehemalige Bauernhaus dürfe nicht abgerissen werden, erklärte der Stadtrat, als er das Projekt vor einem Monat den Medien vorstellte. Das an den Stadtmauern liegende Gebäude mit dem Baujahr 1815 stehe unter kommunalem Schutz. Die Stadt habe es nie als Abbruchobjekt betrachtet, und die kantonale Denkmalpflege habe den kommunalen Schutz bestätigt.

Dass das Rote Haus von der Abrissbirne verschont werden soll, liegt nicht am malerischen Krüppelwalmdach und der auf der Ostseite angefügten Scheune. Die Stadt will das Gebäude als letzten verbliebenen Zeitzeugen im mittlerweile freigelegten und neugestalteten historischen Stadtgraben von Rheinfelden erhalten.

Das Rote Haus gehörte einst zum Areal der «Bändelifabrik» Müller-Brunner, das eine besondere Bedeutung für die Stadtgeschichte hat. Dessen Entstehung geht auf den früheren Fabrikanten und Stadtammann Fritz Brunner (1850–1928) zurück, der die Geschicke der Stadt während 31 Jahren leitete.

Ende 2010 verkaufte die Müller-Brunner AG das ehemalige Firmenareal mit der «Bändelifabrik». Die Basler Versicherungen erwarben das Baufeld im westlichen Teil, wo mittlerweile ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet wurde. Gleichzeitig nahm die Stadt das Rote Haus mit der Fläche des ehemaligen Stadtgrabens für 150 000 Franken unter ihre Fittiche.

Städtebauliche Schlüsselstelle

Das direkt gegenüber der Schifflände liegende Areal gilt als Schlüsselstelle in der städtebaulichen Entwicklung von Rheinfelden, wie der Stadtrat erklärt. Es sei ein wichtiges Bindeglied zwischen den dynamischen Entwicklungsgebieten im Westen der Innenstadt und dem Gebiet zwischen Zoll und Fröschweid. Die alte Fabrik wurde inzwischen abgebrochen. Unter der neuen Freifläche entsteht derzeit ein Parkhaus mit
70 Plätzen als Ergänzung des Rhein-Parkings. Für die Oberflächengestaltung des Fabrikgeländes bewilligte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 750 000 Franken.

Mit der Sanierung des Roten Hauses stehe einer der letzten Entwicklungsschritte an, erklärt der Stadtrat. Wenn die Gemeindeversammlung das Kreditbegehren durchwinkt, sollen nach der Erneuerung generationsübergreifende Angebote von der Mütter- und Väterberatung bis zu verschiedenen Beratungsangeboten im Alter Platz finden.

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