Kaiseraugst

3D-Aufnahme des Dorfes: Planer können künftig vor Ort sein, ohne dort zu sein

Mit einem solchen Messfahrzeug erstellt die Firma iNovitas die Aufnahmen für das 3D-Profil des Dorfes.

Mit einem solchen Messfahrzeug erstellt die Firma iNovitas die Aufnahmen für das 3D-Profil des Dorfes.

Die Gemeinde Kaiseraugst lässt eine flächendeckende und zentimetergenaue 3D-Aufnahme des Dorfes erstellen. Das soll vor allem für zukünftige Bau- oder Sanierungsprojekten nützlich sein.

In den nächsten Tagen wird er wohl dem einen oder anderen Kaiseraugster auffallen: Ein weisser Lieferwagen, der durch die Strassen des Dorfes kurvt, ausgerüstet auf dem Dach mit mehreren Kameras. Dahinter steckt ein Projekt der Gemeinde. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, sollen der Gemeinde Aufnahmen des Strassenraumes zur Verfügung gestellt werden – und zwar sogenannte 3D-Strassenbilder.

Ziel sei es, alle Gemeindestrassen zu erfassen, sagt Andreas Brühwiler, Leiter Bau bei der Gemeinde. Das Kamerafahrzeug wird daher unterwegs sein, «wenn das Wetter es aufgrund der Helligkeit zulässt», so Brühwiler.

Die Gemeinde hat die Aargauer Firma iNovitas mit Sitz in Baden-Dättwil mit dem Erstellen der Aufnahmen beauftragt. Sie ist mit ihrem Angebot «infra3D Service» auf dreidimensionale Strassenbilder spezialisiert. Bei den Fahrten durch das Dorf werden Rohbilder mit den zugehörigen Navigationsdaten erfasst. «Diese werden während der Aufbereitung zu detaillierten und hochpräzisen 3D-Bildsequenzen weiterverarbeitet», heisst es auf der Website des Unternehmens.

Auf den Zentimeter genau messen – am Bildschirm

Bei den Bildern entsteht – anders als etwa bei Kinofilmen – keine räumliche Wirkung durch das Aufsetzen einer 3D-Brille. Vielmehr ist jeder Bildpunkt mit Raumdaten hinterlegt. So lassen sich Strassenzüge und Bauobjekte sowie Distanzen und Flächen am Computer dreidimensional vermessen. Und zwar höchst präzise: Die iNovitas verspricht eine Punktgenauigkeit im Zentimeterbereich.

Das birgt für die Gemeinde unter anderem den Vorteil, dass Begehungen vor Ort etwa zur Planung von Bau- oder Sanierungsprojekten kaum mehr nötig sind. Distanz- und Flächenmasse lassen sich vom Arbeitsplatz aus erheben, Objekte oder Schadensbilder kartieren – die Planer sind also quasi vor Ort, ohne dort zu sein.

Bei der Gemeinde Kaiseraugst sei es ein Ziel, die Zustandsaufnahmen der Strassen zu aktualisieren, wie Andreas Brühwiler sagt. «Die dreidimensionalen Aufnahmen sollen künftig aber auch zur Georeferenzierung – also zur Vermessung – der Strassen und Hausfassaden und zur Priorisierung von Strassensanierungsmassnahmen verwendet werden.»

In einigen Jahren werden die Aufnahmen aktualisiert

Die Gemeinde rechnet mit Investitionen in der Höhe von rund 25'000 Franken für das Projekt. Die Fahrten mit dem Kamerafahrzeug sollen bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Ab Februar sollen die Bildsequenzen dann aufbereitet und für die Gemeinde zugreifbar sein. Wobei vom Datenschutzbeauftragen des Kantons klare Vorgaben für das Projekt bestehen: Die Bilder dürfen nur anonymisiert und passwortgeschützt über die verwaltungsinternen Informationssysteme zugänglich gemacht und nur verwaltungsintern genutzt werden. Vor der Verwendung werden Personen und Fahrzeugkennzeichen zudem in einem automatischen Prozess unkenntlich gemacht.

Sollte sich der Nutzen bestätigen, sei vorgesehen, die dreidimensionalen Aufnahmen in vier bis acht Jahren zu aktualisieren, sagt Brühwiler. Dies, um sie auf dem aktuellen Stand zu halten. Neben Kaiseraugst setzen auch mehrere andere Aargauer Gemeinden auf die Methode mit den 3D-Strassenbildern. So etwa Frick sowie mehrere Gemeinden im Raum Baden.

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