Eiken
30 Wohnungen auf dem Areal Mühle – mehr als bloss eine Idee

Ein Architekt Anton Giess ist bereit, 12 bis 15 Millionen Franken in eine Überbauung des Eiker Areals Mühle zu investieren. Deshalb hat das Projekt «Mühlistei» die Jury überzeugt.

Walter Christen
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Die Flachdachbauten am südlichen Dorfeingang von Eiken bieten einen gewollten Kontrast zur bestehenden Architektur rechts.

Die Flachdachbauten am südlichen Dorfeingang von Eiken bieten einen gewollten Kontrast zur bestehenden Architektur rechts.

Zur Verfügung gestellt

Es klappert schon längst keine Mühle mehr am Bach – sie ist verschwunden. Geblieben ist am südlichen Dorfeingang von Eiken das Areal Mühle und Mühlegarten, welches seit Jahren brachliegt. Das soll sich nun ändern. Im besten Fall kann bis in zwei Jahren mit der Realisierung einer Überbauung mit 30 Miet- und/oder Eigentumswohnungen gerechnet werden.

Wie das Gelände im Oberdorf, zwischen Schupfarter- und Bergstrasse, bebaut werden kann, geht aus dem Architektur- und Investorenwettbewerb mit Beteiligung von fünf namhaften Teams hervor. Der bekannte und aus Eiken stammende Rheinfelder Architekt Anton Giess ist bereit, 12 bis 15 Millionen Franken zu investieren. Wie er gegenüber der Aargauer Zeitung versicherte, sei ihm sehr viel daran gelegen, dass ein angemessener Dorfeingang gestaltet werden kann.

Areal Mühle, Eiken – das Siegerprojekt
5 Bilder
William Steinmann erklärt die Wettbewerbsarbeiten für die Planung des Areals Mühle
Jurypräsident Balzer (links) und der als Berater engagierte Wettinger Architekt ETH SIA William Steinmann
Eiken Mühlistei Grundrissansicht
Gemeindeammann Peter Balzer (links), Architekt Anton Giess und das Team von Jeker Architekten, Basel

Areal Mühle, Eiken – das Siegerprojekt

Walter Christen

In sich überzeugendes Ensemble

Die Gesamterscheinung des Siegerprojekts «Mühlistei» der Anton Giess AG, Architektur und Immobilien, Rheinfelden/Jeker Architekten, Basel, wird durch drei geometrisch klare Volumina bestimmt. Ihre präzise Setzung parallel zu den Höhenlinien respektiert die Topografie sehr exakt. Zudem nehmen die Neubauten die unterschiedlichen Ausrichtungen der Nachbargebäude auf und bilden gleichzeitig ein in sich überzeugendes Ensemble.

Die Einbindung in die dynamische Topografie, die nicht gross mit Erdbewegungen verändert werden muss, und in den schönen Landschaftsraum ist vorbildlich. Eine starke Identität von Natur und Siedlung entsteht. «Thematisch wird der Siedlungsrand sorgfältig vertieft. Daraus resultiert eine subtile Verflechtung von Landschaft und Architektur», wie es im Jurybericht zum siegreichen Projekt «Mühlistei» heisst.

Die bergseitigen Nachbargebäude sind mit dem räumlichen Konzept sehr gut bedient und werden dank der Flachdachbauten kaum beeinträchtigt: «Die Gebäudetypologie der Neubauten respektiert in ihrer Körnung perfekt den dörflichen Massstab. Dies wird in mehrfacher Hinsicht erkennbar. Der Fussabdruck der neuen Gebäude entspricht der Grundfläche der historisch gewachsenen Dorfstruktur. Ihre Geometrie ist ebenfalls rechteckig, was einer grossen Tradition im ländlichen Kontext entspricht», lautet die Meinung des Beurteilungsgremiums, das von William Steinmann, diplomierter Architekt ETH/SIA aus Wettingen, begleitet wurde.

Ihn engagierte der Gemeinderat Eiken als Fachperson und Berater. Als Experte war er für die Vorbereitung und Begleitung des Wettbewerbs zuständig und ist vom Siegerprojekt voll überzeugt, wie er sich sowohl an der Vorstellung der Wettbewerbsarbeiten als auch bei der Präsentation vor der Gemeindeversammlung äusserte.

Die Neubauten des Projektes «Mühlistei» in Form von rechteckigen Längskörpern und mit horizontaler Fassadengliederung erzeugen optisch flache, ruhige Gebäude. Sie liegen mit grosser Selbstverständlichkeit im räumlichen Fluss der Tallandschaft und ergeben einen schönen Dorfeingang aus Richtung Schupfart.

Mit dieser Thematik setzt sich der «Mühlistei»-Verfasser wie folgt auseinander: «Die markanten Dächer der alten Gebäude in den Dorfkernen waren ursprünglich kalte Stauräume und das Dach primär Schutz vor der Witterung. Mit der Nutzungsverdichtung der historischen Raumvolumen wurden die Dächer zweckentfremdet. Begleitet von oftmals fundamentalen architektonischen und belichtungstechnischen Kontroversen».

Mit altersgerechten Wohnungen

Die Grundrisse zeugen von sozialer Kompetenz, dass in dem zum Dorf am nächsten stehenden Neubau nicht nur eine Gewerbenutzung am Platz integriert ist, sondern auch altersgerechte Wohnungen mit durchgehenden Wohnzimmern und gemeinsamen Balkonen zum Dorf hin aufgezeigt werden. Auch die übrigen Grundrisse sind folgerichtig aus der Situation heraus abgeleitet. Ihre durchgehend hohe Qualität steht nach der Bewertung durch die Jury ausser Frage. Infolge der konsequenten Grundhaltung gelingen selbst grosszügige Attikawohnungen.

Das Konzept der Verflechtung von Landschaft und Architektur, bei gleichzeitig hoher Durchlässigkeit, gilt auch für die Erschliessung. So überspannt das Fusswegnetz das gesamte Areal und ist mit der weiteren Landschaft bis hin zum Mühleweiher mit Spielplätzen und Orten zum Verweilen verbunden. An den Bach, der öffentlich zugänglich sein wird, führt sogar eine Treppe hinunter. Ob all diese zusätzlichen Aufwertungen planungsrechtlich realisierbar sind, bleibt indes abzuwarten.

Die primäre Hauptachse führt auf einen grosszügigen Siedlungsplatz. Er bildet das Bindeglied zum Dorf und wird mit einer Gewerbenutzung bestens aufgewertet. Dank dem Entscheid, die gesamte Verkehrserschliessung von der Hauptstrasse (Schupfarterstrasse) aus zu organisieren, wird kein zusätzlicher Verkehr über die hinterliegende Bergstrasse erzwungen.

«Etwas, das sich realisieren lässt»

«Die Bevölkerung hat verlangt, dass auf dem Areal Mühle und Mühleg arten endlich etwas geschieht. Nun haben wir etwas in Händen, das sich weiter entwickeln beziehungsweise realisieren lässt», hielt der Eiker Gemeindeammann Peter Balzer, Jurypräsident, bei der Vorstellung der Wettbewerbsarbeiten unter anderem fest. Schliesslich möchte der Gemeinderat das grosse Potenzial des Areals Mühle/Mühlegarten nutzen und eine hohe Wertschöpfung für die Gemeinde generieren.

Die eingereichten Wettbewerbsprojekte, mit Plänen und Modellen, sind diese Woche im Gemeindehaus Eiken (Saal im Dachgeschoss) wie folgt für die Öffentlichkeit zugänglich: Dienstag bis Freitag, 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr.