Möhlin
3,6 Millionen Franken für ein neues Zentrum: «Wir haben die Chance, eine nachhaltige Entwicklung zu starten»

An der Einwohnergemeindeversammlung in Möhlin entscheiden die Stimmberechtigten über die Zentrumsplanung. Neben dem Kreditantrag über insgesamt 3,6 Millionen Franken gehören noch zwei weitere Punkte zum Traktandum.

Nadine Böni
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Ein Café, Gewerbefläche und eine Tiefgarage statt Parkplätze neben dem Gemeindehaus: Eine Visualisierung zeigt, wie das Zentrum von Möhlin einst aussehen könnte.

Ein Café, Gewerbefläche und eine Tiefgarage statt Parkplätze neben dem Gemeindehaus: Eine Visualisierung zeigt, wie das Zentrum von Möhlin einst aussehen könnte.

Die Traktandenliste für die Möhliner Gemeindeversammlung ist kürzer als auch schon. Sechs Punkte finden sich darauf, darunter – meist unspektakulär – das Protokoll sowie Verschiedenes. Trotzdem: An Diskussionsstoff dürfte es auch an der Versammlung vom 21. Juni nicht mangeln. Dafür sorgt Traktandum 4, «Zentrumsplanung».

Das Gebiet rund um das Gemeindehaus, die «Allmend» sowie die Post- und Raiffeisenbankgebäude, beschäftigt Möhlin bereits seit einigen Jahren. 2007 schon wurde an einer Zukunftskonferenz der Wunsch nach einer Aufwertung des Zentrums geäussert. Ein Jahr später wurde der Leitsatz «Schaffung eines lebendigen und attraktiven Ortszentrums als Begegnungsort für alle» in das Entwicklungsleitbild aufgenommen.

Anschliessend wurden eine Testplanung durchgeführt und ein Masterplan erstellt. Der entscheidende Schritt folgte dann im November 2014: An der Gmeind stimmten die Anwesenden der Teilzonenplanänderung Zentrum mit einer erhöhten Ausnützungsziffer von 0.9 mit grossem Mehr zu.

Tiefgarage und Überbauung

Fredy Böni blickt an der Medienkonferenz zur anstehenden Versammlung kurz auf diese Vorgeschichte zurück und sagt dann: «Jetzt haben wir die grosse Chance, eine nachhaltige Entwicklung im Zentrum zu starten. Was wir jetzt entscheiden, hat grossen Einfluss auf die nächsten 20 Jahre.»

Geplant ist auf dem freien Landstück neben dem Gemeindehaus (Hauptstrasse 32) eine mehrgeschossige Überbauung mit Wohn- und Gewerbeflächen. Dort soll unter anderem auch ein Bistro oder Café einziehen. Unter dem östlichen Bereich der «Allmend» wird eine zweigeschossige Tiefgarage mit insgesamt 124 Parkplätzen entstehen. Auf dem Dach der Tiefgarage soll ausserdem eine gartenartige Anlage mit Pergola sowie sanitären Anlagen Aufenthaltsmöglichkeiten bieten.

Die Gemeinde ist dabei nicht am gesamten Projekt beteiligt. Die Überbauung erstellt ein Investor, die Roland Häsler Immobilien AG. Ebenso die Tiefgarage, gemeinsam mit der Raiffeisenbank Möhlin. Die Bauherren werden die Parkplätze anschliessend nutzen. Ausgehandelt ist ausserdem, dass die Gemeinde nach Fertigstellung der Garage 54 Parkplätze kauft.

Landverkauf an Investor

An der Gemeindeversammlung geht es denn auch in erster Linie um den Kredit über insgesamt 2,9 Millionen Franken für den Erwerb der Parkplätze. 700 000 Franken würde ausserdem die Aufwertung der «Allmend» kosten, was einen Kreditantrag über insgesamt 3,6 Millionen Franken ergibt.

Zum Traktandum gehören allerdings noch zwei weitere Punkte. Und die sind, so Böni, «für die Umsetzung des Projekts essenziell». Der Gemeinderat sieht vor, rund 600 Quadratmeter der Gemeindehaus-Parzelle – dort, wo heute die Besucherparkplätze sind – an den Investor zu verkaufen. Ausgehandelt ist ein Preis von 1050 Franken pro Quadratmeter, was Einnahmen in der Höhe von rund 630 000 Franken brächte.

Daneben ist auch eine sogenannte Ausnützungsziffer-Übertragung notwendig, um bei der Überbauung eine leicht höhere Ziffer als 0.9 zu ermöglichen. Diese Übertragung ist laut Böni möglich, weil auf der Parzelle des Gemeindehauses die Ausnützung nicht erreicht ist. Für den Abtausch würde Möhlin noch einmal 360 00 Franken erhalten.

Weitere Möglichkeiten

Werden der Landverkauf oder die Übertragung abgelehnt, kann weder die Überbauung noch die Tiefgarage wie vorgesehen umgesetzt werden. Der Investor habe die Detailplanungen daher noch nicht angegangen, sagt Böni. Er rechnet damit, dass es auch bei Zustimmung der Versammlung noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis auf dem Areal gebaut wird.

Der Gemeindeammann betont, dass er vom Projekt überzeugt sei. «Ich glaube, dass wir damit den Grundstein für ein belebtes Zentrum schaffen können.» Und beim Grundstein soll es nicht bleiben. Die Zentrumsplanung sieht derzeit neben der Fläche der Überbauung noch zwei weitere Baufelder im Gebiet vor. Beide würden aber erst langfristig – «innerhalb der nächsten 20 Jahre» (Böni) – ein konkretes Thema.

Eines der Baufelder liegt im Bereich der Kreuzung Hauptstrasse/Bachstrasse, eines auf dem Grundstück der Post und der Raiffeisenbank. Während die Raiffeisenbank mit dem Bau der Tiefgarage ein Statement für den Standort Möhlin abgibt, ist bei der Poststelle noch unklar, wie die Zukunft aussieht. «Das wissen wir heute noch nicht», sagt Böni. «Klar ist aber, dass es im Gebiet viel Potenzial und weitere Möglichkeiten gibt», sagt Böni.

Rechnung: Besser als budgetiert

Möhlin hat im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben – und zwar deutlicher als budgetiert. Am Ende resultierte ein Finanzierungsergebnis von 5,2 Millionen Franken. Dies bei einem Nettoaufwand von fast 28 Millionen Franken. Dank des Ergebnisses kann die Gemeinde rund 5,2 Millionen Schulden abbauen.

Trotz den schwarzen Zahlen zeigte sich Finanz-Gemeinderat Lukas Fässler nicht komplett zufrieden. «Wir müssen vor allem den Nettoaufwand im Auge behalten.» Dieser ist – wie in den letzten Jahren – gestiegen. Gleichzeitig konnte zwar auch die Steuerkraft pro Einwohner erhöht werden, aber: Den Nettoaufwand inklusive den Abschreibungen vermögen die Einnahmen aus den Steuern nicht zu decken. Die Steuerkraft pro Einwohner liegt in Möhlin noch immer deutlich unter dem kantonalen Schnitt. Die Selbstfinanzierung ist auf 3,8 Millionen Franken angewachsen. Auch hier arbeitet Fässler auf ein anderes Ziel hin, nämlich auf fünf Millionen Franken.