Zeiningen
27-jährige Gemeindeschreiberin: «Langeweile kommt nie auf»

Die AZ zieht mit den neuen Gemeindeschreibern im Fricktal eine rollende Zwischenbilanz. Im dritten Teil der Serie steht die Gemeindeschreiberin aus Zeiningen Rede und Antwort.

Thomas Wehrli
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Sheena Heinz ist seit Anfang Jahr Gemeindeschreiberin in Zeiningen. dka

Sheena Heinz ist seit Anfang Jahr Gemeindeschreiberin in Zeiningen. dka

Dennis Kalt

Der Weg von Sheena Heinz nach Zeiningen führte über die Gemeinde Bellikon, wo sie ihre Ausbildung zur Kauffrau absolvierte. Danach entdeckte die heute 27-Jährige das Fricktal: Von 2009 bis 2016 war sie stellvertretende Gemeindeschreiberin in Herznach. Auf Anfang Jahr wechselte Heinz als Gemeindeschreiberin nach Zeiningen.

Sheena Heinz, wie haben Sie die ersten Monate in Zeiningen erlebt?

Sheena Heinz: Positiv. Es stehen viele Projekte an, die vorbereitet und geplant werden möchten. Sich mit den verschiedensten Thematiken auseinanderzusetzen, macht Spass. Egal, ob Werkleitungen erneuert werden müssten, die Nutzungsplanung abgeschlossen werden soll oder Verträge ausgearbeitet und überprüft werden müssen. Langeweile kommt nie auf.

Wie wurden Sie im Dorf aufgenommen?

Bisher sehr positiv. Oft werde ich von Einwohnern am Schalter angesprochen, ob ich nun die neue Gemeindeschreiberin sei. Die Einwohner sind interessiert und freundlich. An Anlässen hat man dann die Möglichkeit, einzelne Personen besser kennen zu lernen und so auch vieles über das Dorf zu erfahren. Auch immer interessant ist, wer nun mit wem verwandt ist und wer in welchen Vereinen oder Kommissionen mitwirkt. Einige Namen hat man schon auf dem Papier gelesen, die Person selber aber noch nicht kennen gelernt. So kann man auch einen Link zur Schreibtischarbeit machen und manchmal auch den Menschen dahinter besser verstehen.

Wie sind Sie mit Zeiningen verbunden?

Da ich aus einem ganz anderen Ort des Kantons Aargau komme, bin ich privat nicht mit dem Dorf verbunden respektive in ihm verwurzelt. Ich arbeite jedoch seit sieben Jahren im Fricktal. Es ist daher sozusagen zu meiner zweiten Heimat geworden.

Von Herznach nach Zeiningen

Sheena Heinz ist 27 Jahre alt, ledig und wohnt in Wettingen. Sie ist seit dem 1. Januar Gemeindeschreiberin in Zeiningen. Davor arbeitete sie sieben Jahre als Gemeindeschreiber-Stellvertreterin in Herznach.

Der schönste Platz im Dorf liegt …
… im Grünen. Es gibt das eine oder andere lauschige Plätzchen am Waldrand oder entlang der Reben, von dem man einen schönen Blick aufs Dorf hat.

Die grösste Stärke des Dorfes ist, …
… dass es viele Leute gibt, die sich in irgendeiner Form für das Dorf engagieren. Sei es in Vereinen, Gremien oder Kommissionen. Fürs Dorffest beispielsweise ziehen alle an einem Strang, das finde ich super.

Ich wünsche mir, …
… dass eine aktive Kommunikation zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung stattfindet und dass wir so gemeinsam «euses Dorf» weiterbringen.

Von meinem Büro aus sehe ich …
… ins Grüne. Es hat einen kleinen Rasenplatz vor meinem Fenster. Diesen haben wir den Sommer über als Mittagsplatz benützt. Dafür haben wir uns farbige Stühle und einen Tisch und einen Sonnenschirm angeschafft. (twe)

Wie erleben Sie die Bevölkerung?

Manchmal kritisch. Themen wie Mobilfunkanlagen, Nutzungsplanung, Erschliessungsbeiträge oder die angespannte finanzielle Lage beschäftigen die Einwohner. So werden schon von Zeit zu Zeit kritische Fragen gestellt, denen wir uns stellen müssen. Dies macht die Arbeit aber natürlich auch interessant. Man bleibt aktiv und agil und erweitert so sein Wissen und seinen Horizont noch mehr, um auch die Fragen kompetent beantworten zu können. Vieles ist nicht 08/15 und bedarf einer genauen Auseinandersetzung mit der Thematik.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Einen ersten Eindruck, was mich im 2017 erwartet, habe ich an der letzten Winter-Gemeindeversammlung erhalten. Es wurde rege diskutiert und Argumente vorgebracht. Die Votanten waren gut vorbereitet und stellten gute Fragen. Auch der Einbezug der Ortsparteien hinsichtlich der Gemeindeversammlungen hat mich überrascht. Bisher kannte ich die Mitwirkung der Parteien nicht.

Welche Begegnung hat Sie am tiefsten beeindruckt?

Das ist eine schwierige Frage. Unsere Kernaufgabe ist es, die Einwohner zu beraten, bei Formalitäten zu helfen oder Dokumente auszuhändigen. Die Begegnungen sind daher meist oberflächlich. Früher oder später wird sich aber sicherlich eine solche Begegnung ergeben.

Wie erleben Sie den Gemeinderat?

In den Gemeinderatssitzungen werden die zu behandelnden Geschäfte rege diskutiert. Es findet ein angeregter Austausch statt und Inputs werden eingebracht. (Noch) haben wir langjährige Gemeinderäte, die sich mit den Geschäften und der Organisation einer Gemeinde gut auskennen. Dies vereinfacht meine Arbeit sehr. Wenn man Informationen zu abgeschlossenen Geschäften braucht, können die Gemeinderäte meist weiterhelfen, wie, wann, was gelaufen ist – und man muss nicht stundenlang das Archiv durchforsten.

Welche Ziele und Vorsätze konnten Sie bereits umsetzen?

Für mich ist strukturiertes Arbeiten und Planen wichtig. Es wurden bereits einige Planungsinstrumente eingeführt. Unter anderem arbeiten wir seit Mitte Jahr mit einem Dokumentenverwaltungssystem. Das heisst, alle Akten werden elektronisch erfasst, bearbeitet und abgelegt. Auch die aktive Kommunikation zu den Bürgern wurde angegangen. So haben wir einen Mail-Newsletter, der einmal pro Woche versendet wird, und eine Facebook-Seite, auf der wir schnell und direkt informieren können.

Was steht noch aus?

Im nächsten Sommer findet vom 24. bis 26. August unser Dorffest statt. Wir haben ein super motiviertes OK, das auf Hochtouren alles organisiert. Natürlich möchten wir das OK unterstützen. Dies wird eine Herausforderung auf allen Stufen. Wir freuen uns schon heute auf das Ergebnis nächsten Sommer. Auch stehen personelle Änderungen an. Unser Leiter Finanzen und Mitarbeiter Werkhof werden beide Ende Jahr vorzeitig in den Ruhestand treten. Zudem sind ab nächstem Jahr drei neue Mitglieder im Gemeinderat. All dies bringt Veränderungen mit sich. Wichtig ist, dass neue Strukturen geschaffen werden und Know-how nicht verloren geht.

Kommen wir noch zur fast wichtigsten Nebensache, der Sitz-Sache: Mein Bürostuhl ist ...

... wendig. So kann die Arbeit immer aus neuen Blickwinkeln betrachtet werden.