In Karl Eiermanns Garten kommen sich zwei Züge in die Quere. Mit einem Knopfdruck auf der Fernsteuerung stoppt er den einen Zug und lässt den anderen voranfahren. Die Lokomotive mit mehreren Wagen im Schlepptau fährt einen Bogen entlang des Gartenhags, macht in einem Westerndorf kurz Halt und tuckert dann weiter.

Eiermann ist im Dorf seit vielen Jahren als Modelleisenbahnfan bekannt, seinen Garten nennen viele den «Grand Canyon of Möhlin». Immer am letzten Juniwochenende organisiert er jeweils die «Tage der offenen Gartenbahnen», bei schönem Wetter kommen Hunderte Besucher.

An diesem Wochenende ist es nun wieder so weit – und Eiermann ist nicht der Einzige, der seine Eisenbahn vorführt. Insgesamt sechs Sammler und Fans laden dieses Mal zum «Little Trains of Melina»: Arnold Soder, Hans Mohler, Karl Eiermann, Bruno Grub, Thomas Hafner und Markus Ries.

12 Tonnen Gestein im Garten

Zu sehen sind an den sechs Standorten Anlagen der Rhätischen Bahn und der amerikanischen Eisenbahn. Alleine in Eiermanns Garten sind mehr als 220 Meter Geleise verlegt, über 30 Lokomotiven ziehen Zugkompositionen hin und her, die Landschaft besteht unter anderem aus 12 Tonnen Gestein. «Angefangen habe ich 1984. Seither wächst die Anlage immer weiter», sagt Eiermann mit einem Lachen. 

Eiermann war schon früh fasziniert von der imposanten Technik. Als Schüler hielt er einst einen Vortrag über die Geschichte der amerikanischen Eisenbahn. Er erhielt dafür nicht nur die Bestnote – sondern vom Chef auch eine Reproduktion eines Plakats aus der Eröffnungszeit der «Union Pacific». Dieses hängt noch immer an der Wand. Eiermanns Begeisterung für Züge hat seither nie mehr nachgelassen.

Bruno Grub, Arnold Soder und Karl Eiermann (v.l.) sind leidenschaftliche Sammler und Bastler.

Bruno Grub, Arnold Soder und Karl Eiermann (v.l.) sind leidenschaftliche Sammler und Bastler.

Bei den anderen Ausstellern ist die Sammlung zwar noch etwas beschaulicher, die Begeisterung aber ist mindestens gleich gross. «Die Eisenbahnen haben mich schon immer fasziniert», sagt etwa Arnold Soder und erzählt, wie er als Junge auf den Friedhof rannte, wenn er in der Ferne einen Zug hörte – weil er von dort aus bis zum Bahnhof in Möhlin sehen konnte.

In einer anderen Welt

In Sachen Gartenbahn hat aber jeder seine eigenen Vorlieben. Bei Bruno Grub etwa fahren keine amerikanischen Züge durch die Landschaft sondern Kompositionen der Rhätischen Bahn. Trotzdem verbindet das Hobby die Eisenbahn-Fans – und ihre Familien. «Ohne ihre Unterstützung wäre das alles nicht möglich», sagt Grub.

Für die Sammler ist das Hobby eine Abwechslung zum Alltag, ein Weg, für einen Moment in eine andere Welt abzutauchen. «Chnüpperle» nennen sie das, wenn sie an ihren Anlagen werkeln. «Da kriegt man den Kopf frei», sagt Grub. Ebenso schön sei es aber auch, sich mit anderen Fans zu treffen, Erfahrungen auszutauschen, Tipps zu geben – oder einfach zu fachsimpeln, ergänzt Soder. Gelegenheit dazu bietet sich am Wochenende bestimmt.