Ueken
200 Tonnen Steine für den Dohlenkrebs

Mit einer neuen Rampe sollen zwei Dohlenkrebs-Populationen vernetzt – und damit erhalten – werden.

Nadine Böni
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Christian Tesini, Fachspezialist bei der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons, begutachtet die Blockrampe, die neu den Startlebach in den Staffeleggbach führt. nbo

Christian Tesini, Fachspezialist bei der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons, begutachtet die Blockrampe, die neu den Startlebach in den Staffeleggbach führt. nbo

Eine Art Rutsche trennte bisher die beiden Dohlenkrebs-Populationen im Staffeleggbach und im Startlebach. Einige Meter Bachlauf gleich unterhalb der Hauptstrasse in Ueken, die steil und glatt waren, auf denen das Wasser nur so herunterrauschte. Diese Rutsche war für die Dohlenkrebse ein unüberwindbares Hindernis. «Auf der glatten Oberfläche fanden sie keinen Halt», erklärt Christian Tesini, Fachspezialist bei der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton Aargau. Jetzt ist die Rutsche abgebrochen.

Forelle könnte auch profitieren

Seit gut einer Woche laufen die Bauarbeiten am Startlebach unterhalb des Strassendurchlasses an der Hauptstrasse in Ueken. Statt der Rutsche führt nun eine rund 45 Meter lange Blockrampe den Startlebach in den Staffeleggbach. Knapp 200 Tonnen grosse Steinblocks wurden in den vergangenen Tagen so platziert, dass der Höhenunterschied von der Strasse bis zur Bachmündung mit einem geringeren Gefälle überwunden wird. Rund 8 Prozent beträgt das Gefälle nun. Die vielen kleinen Nischen und sanften Übergänge sollen ermöglichen, dass künftig Dohlenkrebse aus dem Staffeleggbach in den Startlebach aufsteigen können. «Auch andere Lebewesen im Bach können davon profitieren», sagt Tesini. Vielleicht sogar die Forelle.

In erster Linie aber ist es der Dohlenkrebs (Austropotamobius papilles), der von der neuen Blockrampe profitieren soll. Der Krebs gilt in der Schweiz gemäss Roter Liste als stark gefährdet. Die Krebsart war früher in Westeuropa weitverbreitet. Die durch amerikanische Krebse eingeschleppte Krebspest sowie die Verschmutzung und Verbauung haben allerdings dazu geführt, dass die Bestände bis heute drastisch gesunken sind.

Im Fricktal gibt es noch einige Populationen – in Gansingen, Densbüren, Olsberg und Magden. Der Staffeleggbach in Herznach und Ueken beherbergt sogar eine Dohlenkrebs-Population von nationaler Bedeutung. Im benachbarten Startlebach, der in Ueken in den Staffeleggbach mündet, leben ebenfalls noch Exemplare des seltenen Krebses.

Die beiden Populationen sollen durch die Blockrampe vernetzt werden.

Dank der Vernetzung der beiden Krebspopulationen soll der Austausch von Tieren zwischen den beiden Gewässern ermöglicht werden. «Dies sichert das langfristige Überleben der Dohlenkrebs-Population», sagt Tesini. «Bei Gewässerverschmutzungen oder Trockenperioden in einem Gewässer können sich die Krebse besser zurückziehen.» Zudem ermögliche die Vernetzung eine selbstständige Wiederbesiedlung, sollte der Bestand wegen einer Katastrophe verloren gehen.

Exkursion mit Naturschutz

Der Voranschlag für die Blockrampe beläuft sich auf 185 000 Franken. Übernommen werden die Kosten von der Sektion Jagd und Fischerei, dem Bund sowie vom «naturemade star»-Fonds des EWZ-Kraftwerks Wettingen.

Schon in einigen Tagen sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Baustellenzufahrt muss noch abgebrochen und das Ufer wieder bepflanzt werden. Am 24. September soll dann die Bevölkerung einen genauen Blick auf die Rampe werfen können: Mit dem Natur- und Vogelschutzverein Herznach-Ueken ist eine Exkursion geplant (19.30 Uhr, Restaurant Löwen, Herznach).