Ein Urschrei hallte durch das Fricktal, damals, im Sommer 1987. Die gleichnamige Kulturvereinigung organisierte im Guul in Frick ihr erstes Open Air. Ein Aufschrei, zumindest ein innerlicher, ging durch manch einen gesetzten – sprich: älteren Fricker. Die Jugend rebelliert, fanden sie, und bringt da so modern-alternatives Zeugs ins beschauliche Tal.

Margot Reimann, Urschreierin der ersten Stunde, lacht. Es sei schon eine kleine Revolution gewesen, vielleicht auch eine kleine Rebellion, räumt die 54-Jährige ein. «Aber uns wurde deutlich mehr Aufmüpfigkeit nachgesagt, als wir hatten.»

Von dieser Ambivalenz ist heute nichts mehr zu spüren. Die Kulturvereinigung hat sich etabliert und ist heute ein tragender Pfeiler im Kulturangebot der Region. Die Gemeinde beschreibt das Angebot auf ihrer Website als «bunten Mix» an Kultur.

Ein kulturelles Angebot schaffen

Dass die jungen Wilden, wie sie anfänglich gesehen wurden, dies geschafft haben, ist nicht selbstverständlich. «Den Weg» bezeichnet denn auch Reimann als eines der Highlights in all den Jahren. «Dass wir auf diesem Weg unsere Unabhängigkeit behalten haben und uns nicht verkauft haben», ist für sie der schönste Erfolg.

Dieser Weg führte nach knapp zehn Jahren zum Meck, dem Haus an der Geissgasse, das nunmehr seit 1998 das Zuhause der Kulturvereinigung ist – und eines der kulturellen Zentren der Region. Es sei eine Zeit gewesen, damals, vor 20 Jahren, als viele neue Kulturräume in der Schweiz entstanden, sagt Reimann. Die Motivation war bei vielen Promotoren die gleiche wie bei den Urschreiern: Es gab in der Region kaum kulturelle Angebote – oder zumindest keine, wie sie die Jungen (er-)leben wollten.

Die Idee zum Kulturhaus hatte Martin Erb, dem die Scheune, die das Meck vor dem Umbau war, gehörte und nach wie vor gehört. «Es war für uns der Entschluss sesshaft zu werden», blickt Reimann zurück, lacht. «Wir gingen schliesslich auch schon gegen die 30.» Den Entscheid, ins Abenteuer Kulturzentrum einzusteigen, fiel Reimann leicht. «Ich war überzeugt, dass es eine gute Sache ist», sagt sie. Schliesslich ging es um etwas, was für sie bis heute zentral geblieben ist: Kultur.

Professionelle Strukturen

In den letzten 20 Jahren hat sich beim Urschrei vieles verändert. Das Angebot ist breiter, die Strukturen professioneller. «Der Urschrei hatte eine Komplexität erreicht, für die es professionellere Schienen brauchte», sagt Reimann. Gerade auch, wenn man vom Kanton Kulturgeld bekommen wollte. 2012 gab sich die Kulturvereinigung, die bis jetzt rein basisdemokratisch geführt wurde, diese Strukturen. Ein Vorstand wurde gewählt, eine Geschäftsleitung eingesetzt.

Allerdings zeigte sich bald, dass das basisdemokratische Feuer in den Urschreiern nach wie vor loderte. Reimann lacht. «Leiten wollten wir nach wie vor alle.» Deshalb wurde die Stelle neu als Kultursekretariat definiert. Auf die Ausschreibung gingen über 70 Bewerbungen ein. Den Job bekommen hat Melanie Müller, die das Kultursekretariat seit Juni 2017 in einem 50-Prozent-Pensum führt.

Reimann, das spürt man, wenn man mit ihr redet, bedeutet das Meck viel. Es sei «megapraktisch», wenn man Kultur per Fahrrad erreichen könne. Zudem habe sie hier «alle Freiräume, die ich mir wünsche». Reimann ist für das Theaterprogramm verantwortlich und bringt, Saison für Saison, ein ebenso breites wie hochstehendes Programm auf die Bühne.

Viel Zeit investiert

Der Urschrei schreit auch nach Zeit. Diese bringen Reimann und ihre drei Vorstandskollegen – ein Sitz ist aktuell vakant – gerne auf. Dennoch, das räumt Reimann ein, sei es auch eine Dauer-Herausforderung, die Zeit dafür zu finden. Eine zweite Herausforderung ist es, die «Konflikte auszuhalten», die es in jedem Verein gibt, in einem basisdemokratischen vielleicht noch etwas intensiver. Man habe immer gute Lösungen gefunden, blickt Reimann zurück, «weil die Auseinandersetzungen immer auf der sachlichen Ebene blieben und nie auf die persönliche abdrifteten.»

20 Jahre Meck. Gefeiert haben die Urschreier dies mit einem leisen Schrei: Mit einem Fest für alle, die in den letzten 20 Jahren mitgeholfen haben, dass aus der ehemaligen Scheune ein renommiertes Kulturlokal wurde. «Das war ein gelungener Abend», blickt Reimann zurück. Dass man das Jubiläum nicht grösser beging, hat zwei Gründe: Zum einen feierte der Urschrei erst vor zwei Jahren sein 30-Jahr-Jubiläum. Zweitens «sind wir schon voll an neuen Projekten für 2019», sagt Reimann. Es sei «ein Vernunftsentscheid gewesen», auf ein grosses Jubiläumsfest zu verzichten.

Und: Zum Feiern bleibt in den nächsten Jahren noch viel Gelegenheit. «Ich bin zuversichtlich, dass es den Urschrei und das Meck noch lange geben wird», sagt Reimann, schaut sich in der Bar im ersten Stock um, fügt dann entschlossen an: «Mir ist es wichtig, dass das Meck erhalten bleibt. Ich würde auch darum kämpfen.»